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Der Israelit · 1863-06-24 · Heft 25 (24.6.1863) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
4 (1863)
Issue
Heft 25 (24.6.1863)
Date
1863-06-24
Page
– (sequence 12)
Language
German
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306 Zugleich sahen wir einen Zug Vögel über den Männern schweben und ihre Flügel über die Häupter desselben aus breiten, Scharen flogen davon und Scharen kamen, so daß die Männer stets im Schatten saßen, und der Greis schien den Vögeln zu gebieten, und sie schienen ihm zu gehorchen." — „Das wollte ich wissen!" rief Pinehas. „Araber, Araber, möge heute Euer Weg und Euer Vorhaben glücken! Das ist die zweite freudige Nachricht, die Ihr mir gebt." — Dann wandte er sich zu seinen Genoffen und sprach: „Es ist Simon ben Jochai mit seinem Sohn und noch einigen Freunden." — Die Araber zogen ihres Weges. — „Wie aber," frugen jetzt wieder die Genoffen, „wie mögen wir die Stelle finden, wo Simon ruht?" — „Ueberlaffet," antwortete Pinehas, „die Schritte Eurer Thiere dem Herrn; er wird dieselben schon dahin lenken." — Sie legten nun jeder seinen Zaum auf den Hals seines Thieres und ließen die Thiere nach ihrer Lust gehen, und alsbald bogen dieselben vom Wege ab und gingen etwa zwei Meilen wert. Da schrie der Esel des Pinehas dreimal auf. Sogleich stieg Pinehas ab und sprach: „Genoffen! wir wollen uns bereit machen, den Ehrwürdigen zu empfangen; denn jetzt wird er uns mit den Andern, groß und klein, entgegen kommen." — Simon ben Jochai hatte das Geschrei des Esels vernommen. Da sprach er: „Auf Freunde! Das ist der Esel des frommen Greises, sein Schrei tönt uns freudig entgegen. O, auch das Thier steht unter Gottes Leitung, und auch durch das Thier thut Gott oft Wunder, wie wir ja Beispiele in der Schrift lesen; auch das Thier hat eine Ahnung von Gott, dem Herrn, preist seinen Schöpfer und ruft." „Groß ist Gott, der Wunder thut allein!" — Unterdessen sahen sie Pinehas und seine Freunde herankommen und gingen ihnen entgegen. Da eilte Pinehas herbei und küßte Simon ben Jochai, indem er sprach: „Laß mich küssen den Mund Gottes, den er gewürzt mit den Würzen seines Gartens!" — Die beiden Greise freuten sich herzlich miteinander und setzten sich nieder. — Da flogen die Vögel von dannen, der Schatten wich, und die Sonne schien heiß herab. — „Vögel des Himmels!" ries Simon, den Kopf wendend, ihnen zu, „achtet Ihr so wenig die Würde Eures Herrn und Meisters? Bleibet!" — Die Vögel hielten an im Fluge, blieben, doch kamen sie nicht näher. — „Ich hieß sie ihres Weges ziehen," sagte Pinehas, „und noch haben sie keine Erlaubniß zur Rückkehr." — „Und ich dachte", erwiederte Simon, „Gott wollte uns ein Wunder thun. — Indessen," rief er lächelnd den Vögeln zu, „flieget denn, Vöglein, flieget Eures Weges und saget dem Herrn über Euch, zuvor habe es in seiner Wacht gestanden, jetzt nicht mehr; — aber wir geben dem Felsen nach, wie eine Wolke nachgebend durch gewaltige Klippen zieht, die sich nicht trennen. —" Die Vögel flogen von dannen. — „Es hieße," sagte Pinehas, „die Thiere quälen, verlangten wir von ihnen, so anhaltend über uns zu schweben. Wir sollen ja kein Thier ermüden; heißt es doch: „Und sein Erbarmen erstreckt sich über alle seine Werke! —" „Ich habe sie nicht herbemühet" sagte Simon; „aber ich glaubte, Gott habe sie uns zugesendet, daß sie uns beschatten, und was Gott uns gibt, dürfen wir nicht zurückweisen.—" Sie erhoben sich und gingen zusammen weiter. Sie waren indessen kaum wenige Schritte gegangen, da erblickten sie drei Bäume ihre dichtbelaubten Zweige nach drei Seiten ausbreiten und unter den Bäumen in ihrer Mitte sprudelte eine Helle liebliche Quelle. — Wie freuten die Männer sich da insgesammt, wie freuten sich besonders die beiden Greise! Sie setzten sich in den kühlen Schatten der Bäume und tranken von dem erquickenden Wasser der Quelle und abermals rief der fromme, greise Pinehas: „Gepriesen sei Gott, der Herr, der Wunder thut allein! — O wie glücklich ist dieser Weg," fuhr Pinehas fort, „daß ich Dich, mein trauter Freund, hier getroffen! daß wir hier zusammen lagern, wo Gott und Gottes Wort in unserer Mitte weilet! Siehe, wie die Quelle so hell und lauter sprudelt, und wie die drei mächtigen Stämme ihre Zweige ausbreiten! O möchten die herrlichen Bäume und die liebliche Quelle heute und immerdar bleiben! — Siehe, die Quelle ist uns ein Bild jenes hohen, verborgenen Quells, der ein Quell ist alles edlen Lebens, aller Erkenntniß und aller Seligkeit, und die drei Stämme, deren Zweige sich nach drei Seiten ausbreiten — sie sind ein Bild jener drei mächtigen Cedern, ein Bild der drei Stammväter, die mit Recht die Cedern Libanons genannt werden. — Siehe, wie die Bäume ihre Zweige ausbreiten und ihren Schatten ausdehnen über Dein Haupt, über mein Haupt, über das Haupt Deines Sohnes und über die Häupter all unserer Genossen! O mein trauter Freund! nicht sowohl um Deinet- und um meinetwillen freue ich mich so sehr, als um Deines Sohnes willen, den Gott für würdig befunden, einer unserer Genoffen zu sein. —" Und der Greis stand auf und küßte Eleasar. -- „Erhebe Dich, mein Sohn!" sagte Simon ben Jochai, „und sprich vor deinem Lehrer und Meister ein weises Wort. —" Eleasar erhob sich und sprach von der väterlichen Barmherzigkeit Gottes, der ben Menschen nicht sowohl durch Züchtigung belehren und zum Bessern

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