Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 4 (1863)
- Issue
- Heft 25 (24.6.1863)
- Date
- 1863-06-24
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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305 Feuilleton. Die Pflanzung -es Pinrhas den Iair.*) von Ein Wundermann der alten Zeit, der fromme und tiefgelehrte Pinehas den Jair, ein Mann, von dem die Väter berichten, daß selbst sein Esel das vorgelegte Futter nur dann genoß, wenn durchaus kein Unrecht an demselben haftete, dieser unternahm einst als schon hochbejahrter Greis, auf eben diesem Esel reitend, eine Reise durch die arabische Wüste, um seine fernwohnende Tochter zu besuchen; einige Freunde begleiteten ihm — Da begegneten ihnen auf dem Wege zwei Araber. — „Was hat sich," frug Pinehas sie, „hier Neues ereignet in den vergangenen Tagen?" — „Von den vergangenen Tagen," antworteten die Araber, „wissen wir nichts, aber von unfern Tagen. — Seit einigen Tagen sielen Räuber auf diesem Wege die Reisenden an; noch heute stießen sie eben aus diesem Wege auf einige Judäer und wollten über dieselben hexfallen. Da hörten sie die Stimme eines Esels, der zweimal gewaltig schrie, und in demselben Augenblicke erhob sich, wie auf das Geschrei des Esels, eine Feuerflamme und strich über die Räuber hin und verzehrte sie; die Judäer waren gerettet." — „Araber. Araber!" rief Pinehas, „für dieses Wort, das Ihr mir da saget, möget Ihr in diesen Tagen von andern Räubern Rettung finden, die Euch auflauern." — Dann legte der fromme Greis die Hände zusammen und sprach zu Thränen gerührt: „Herr der Welt! Wunderthäter! Du hast dieses vielleicht meinethalben gethan und zugleich jene Armen errettet, und ich wußte es nicht! Ja, gepriesen sei Gott, der Herr, der Wunder thut allein! Denn ewig währet seine Güte!**) — Gott thut Wunder allein — wandte sich Pinehas, jetzt zu seinen Genossen — allein, das heißt: da Niemand zugegen, dem Menschen unbewußt, der kaum eine Ahnung davon hat, wie oftmals der Herr auf wunderbare Weise ihn errettet und erhält! — Wie viel Gutes erzeigt Gott den Menschenkindern, und nur Gott weiß es! — Ein Mensch erhebt sich frühe, setzt den Fuß auf den Kopf einer Schlange, die herangeschlichen, um ihn zu tödten, der Mensch setzt ihr den Fuß auf den *) Nach 8oIisr par. LsIrtL F. 81, a. b. Dazu 8od»r xar. LHIL62 F. 111. Vergl. .lerusedslml Hekelrslim Abschnitt V. und dsjssoliar eup. VIII. S. 20, d. esx. I^X. S. 1t. **) Pf. 72, 18. 136, 4. Kopf und lödtet sie und weiß nichts davon, nur Gott weiß es, der Wunder thut allein! — Ein Mensch befindet sich auf dem Wege, Räuber lauern ihm auf, um ihn anzufallen, ihn zu plündern und ihn zu morden, da kommt ein Anderer, der den Tod verdient, denselben Weg und zahlt das Lösegeld für ihn — er ist gerettet. Er ist gerettet und weiß nichts von der Güte, die Gott gegen ihn geübt; denn Gott thut Wunder allein! — So saß ein Weiser einmal vor den Thoren der Stadt Lydda, da sah er einen Mann daher kommen, müde von dem Wege, den er gemacht. Der Mann fetzte sich unter einem schattigen Baume auf einem Vorsprunge an einem Abhange nieder, um ein wenig auszuruhen, und schlief bald da ein. Der Mann lag im erquickenden Schlafe. Da kroch eine Schlange daher, und als sie den Schlafenden wahrnahm, da richtet das giftige Thier sich zischend auf, zieht sich zusammen und schießt dann auf den Mann zu. Der Arme schien verloren. Aber in demselben Augenblick, in welchem das fürchterliche Thier dem Manne nahe ist, reißt sich ein Zweig von dem Baume los, unter welchem cr so süß schläft, fällt auf dasselbe nieder und zermalmt ihm den Kopf. Als der Mann nun erwachte, sah er die Schlange neben sich liegen. Ec springt erschrocken auf und thut einen Sprung zurück. In demselben Augenblick reißt der Vorsprung, auf welchem er geruht, sich los und rollt sammt Zweig und Schlange in die Tiefe hinab! — Da trat der Weise, der dem allem zugesehen, zu dem Manne hin und sagte: Gott hat Dich zweimal gerettet, hat Deinethalben Wunder auf Wunder gethan, und Du wußtest nichts davon! — Preise Gott, der Wunder thut allein!" „Wie aber," frugen die Genossen Pinehas, „wie kamst Du auf den Gedanken, die Araber nach Neuigkeiten zu fragen?" — „Weil die Araber sich stets auf dem Wege befinden," anwortete er. „Ich dachte, sie könnten etwas von unfern Freunden wissen, von Simon ben Jochai, seinem Sohne Eleasar und noch einigen Andern, die vor uns voraus sind und nichts von uns wissen, und die sich gewiß auf dem Wege laut vom Worte Gottes unterhalten. Ihr wißt ja, wenn Simon ben Jochai spricht, so kann seine Stimme Berge erbeben und Thäler erzittern machen. Sie haben mir indeß etwas mitgetheilt, wovon ich nichts gewußt." — Während sie so sprachen, kamen die Araber nochmals zurück und sagten: „Alter! Alter! Du Haft uns nach Neuigkeiten aus den vergangenen Tagen gefragt und nicht nach Neuigkeiten von heute, und doch haben wir Wunder auf Wunder gesehen. — Wir sahen etwa zwei Meilen von hier fünf Männer in der Steppe fitzen, ein ehrwürdiger Greis war darunter.