Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 4 (1863)
- Issue
- Heft 25 (24.6.1863)
- Date
- 1863-06-24
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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304 des Franz-Josephs-Ordens erhoben, und zwar nicht, wie es gewöhnlich in solchen Fällen geschieht, durch allerhöchste Entschließung, sondern, wie es amtlich in der Wiener Zeitung lautet, „mittelst allerhöchsten Handschreibens vom 1. Juni d. I.", durch welche Mittheilung des offiziellen Organes dieser Akt kaiserlicher Huld als ein Beweis besonderer Gnade erscheint, indem wir daraus sehen, daß die Herrn Deutsch gewordene Auszeichnung nicht in Folge der Vorstellung einer Behörde, sondern in Folge der unmittelbar vor den Stufen des Thrones gefundenen allerhöchsten Anerkennung ertheilt wurde. Der Grund, um dessentwillen wir dieses Faktum von jüdischem Gesichtspunkte aus als wichtig bezeichnen zu müssen glauben, besteht nicht darin, weil die Herrn Deutsch gewordene Auszeichnung wieder einen neuen Beweis für die Thatsache liefert, daß die von Haß und Vorurtheil gezogenen Schranken, die den Juden von bürgerlichen Ehren ausschloffen, Gott sei Dank! gefallen sind, und die landesfürstliche Anerkennung jedem, der sich derselben würdig macht, ohne Unterschied des Glaubens zu Theil wird; so freudig wir diesen Sieg der Gerechtigkeit, wo und wann er sich kundgibt, zu begrüßen haben, so wüffen wir doch häufig die schmerzliche Wahrnehmung machen, daß den Interessen des Judent hum saus ähnlichen Auszeichnungen nicht der Schatten eines Gewinnes entsteht, wenn dieselben solchen Personen zu Theil werden, die nur der Geburt nach zu uns gehören, deren Leben aber das jüdische Gesetz verlassen hat. Die Ursache aber, welche uns das Herrn Deutsch gewordene Zeichen kaiserlicher Anerkennung nicht blos für ein erfreuliches, sondern auch als ein vom jüdischen Gesichtspunkte wichtiges Ereigniß halten läßt, liegt darin, weil Herr Deutsch seit einer Reihe von Jahren die Wahrung und Vertheidigung der Interessen des gesetzestreuen Judenlhums sich zur Aufgabe gemacht, kein Opfer und keine Verkennung gescheut hat, wenn es sich darum handelte, die Wahrheit und das Recht gegen Erdichtung und Willkür in Schutz zu nehmen; das Studium des überlieferten Gottesgesetzes unter den schwierigsten Umständen zu heben, zu befördern, mit allen ihm zu Gebote stehercken Mitteln und der ganzen des Gegenstandes würdigen Hingebung zu unterstützen suchte, sich unlerer nothleidenden Brüder in dem heiligen Lande unserer Vergangenheit und Zukunft mit einer Wärme j und Sorgfalt annahm, durch die er sich ihren tiefgefühltesten und unauslöschlichen Dank erworben hat. Wir unterlaffen eine Detaillirung der Verdienste, die sich Herr Deutsch in verschiedenen Beziehungen um unsere Interessen erworben hat, da wir mit diesen Zeilen durchaus keine Lobeserhebung beabsichtigen und es bekannt ist, daß Hr. D. nie eine Anerkennung wollte, als die, welche er in dem Tadel seiner Gegner erblickte. Wir glaubten aber auf das Wirken des Herrn D. darum mit diesen wenigen Worten hindeuten zu müssen, weil so viele der Meinung sind, daß man nur auf dem Wege des Abfalls, nur durch das so sehr verbreitete Temporisiren zu bürgerlicher Auszeichnung gelangen könne. Wenn dies nun wirklich der Fall wäre, müßten wir allerdings auf bürgerliche Auszeichnung verzichten, ehe wir uns zu irgend einer Conzession auf religiösem Gebiete entschlössen; die Herrn Deutsch gewordene kaiserliche Gnade zeigt aber, daß man auch bei entschiedener Anhänglichkeit an das alte Judenthum und bei der eifrigsten Vertheidigung jener Prinzipien, die von der Neuerungssucht als veraltet und unzeitgemäß verschrien werden, der Auszeichnung im socialen Leben theilhaftig werden kann. Ueberdies haben wir Grund an das obenerwähnte Ereigniß manche Hoffnungen für unsere Zustände zu knüpfen, da die Vergangenheit des Herrn Deutsch zu der bestimmten, zuversichtlichen Erwartung berechtigt, daß derselbe von der ihm gewordenen Auszeichnung keinen andern Gebrauch machen wird, als bei und mit derselben unsere höchsten Interessen mit der ihm eigenen Umsicht und Energie zu verteidigen und zu vertreten, und von diesem Gesichtspunkte aus glauben wir die Erhebung des Herrn Deutsch als ein für das gesetzestreue Judenthum erfreuliches und bedeutungsvolles Ereigniß betrachten zu müssen. England. London. Im Parlament hat Lord Shaf- > tesbury folgende denkwürdige Worte gesprochen: i „Noch niemals hat Jemand Hand an das jüdische Geschlecht gelegt, um ihm Böses oder Gutes! zu thun, ohne auf die Länge für das Eine bestraft i oder für das Andere belohnt zu werden." —