Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 4 (1863)
- Issue
- Heft 25 (24.6.1863)
- Date
- 1863-06-24
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Beilage zu Nr. 25 des Israelit. Zeitungsnachrichten u. Corrrjpon-enM. Preußen. Filehne» am 10. Juni. Ein Ereigniß sehr eigenthümlicher Art, das sich vor einigen Tagen hier zugetragen, bietet so viele Lehre, daß eine weitere Kenntnißnahme desselben durch diese Blätter nur gewünscht werden könne. — Das hiesige, weit und breit berühmte Pädagogium des vr. Beheim Schwarzbach zählte bis zum Eintritt dieses Ereignisses unter seinen vielen Zöglingen auch einen jüdischen Knaben aus Warschau, dessen zum Christenthum übergetretener Vater bereits verstorben ist, dessen Mutter aber dem Judenthum noch angehört. Inwieweit nun der Letzteren die Bestimmung über die confessionelle Erziehung ihres Kindes gelassen worden war, haben wir nicht erfahren können; wir wissen nur. daß der Onkel des Knaben zur Zeit als dieser der oben erwähnten Anstalt übergeben wurde, bestimmt hatte, daß sein Neffe den christlichen Religions-Unterricht mitgenießen solle. So dem praktischen Leben des Judenthums und seiner Lehre ganz entrissen, überdies noch für den Glauben einer anderen Religion empfänglich gemacht, glaubte man aus diese elende Weise dafür Sorge getragen zu haben, daß der Knabe recht bald dem traurigen Beispiele seines Vaters Nachfolge. Am 5. dieses Monates verunglückte jedoch dieser Knabe im Spiele mit anderen Genossen der Art, daß er bald darauf seinen Geist aufgab. Der Direktor der Anstalt benachrichtigte sofort die Mutter von ihrem Unglücke; diese ließ sogleich telegraphisch eine Antwort ergehen, welche melden sollte, daß sie selbst herbeieile, um über die Beerdigung ihres Kindes zu bestimmen. Die Depesche gelangte aber nicht hieher, weil inzwischen die telegraphische Verbindung durch die polnischen Insurgenten gestört worden war. Der Direktor, ohne Antwort auf seine Anzeige, glaubte annehmen zu dürfen, daß die Leiche auf dem evangelischen Kirchhofe beerdigt werden solle, was er auch in Folge dessen am folgenden Tage vor sich gehen ließ. Wer malt nun das Entsetzen der so unglücksreichen Mutter, als sie, wie bestimmt, vorgestern hier ankam und die bereits erfolgte Beerdigung ihres Kindes erfuhr! Hatte sie auch nicht für das jüdische Leben ihres Kindes gesorgt oder sorgen können, das gebrochene Mutterherz wollte sich den Trost nicht nehmen lassen, wenigstens ein jüdisches Begräbniß ihrem Kinde zu verschaffen. Es gelang ihr, einige entgegengestellte Hindernisse zu beseitigen, das erst vor wenigen Tagen geschlossene Grab wurde geöffnet und der herausgenommenen Leiche nach erfolgter rituellen i-n.-D eine Ruhestätte auf dem hiesigen Friedhofe gegeben. Bei Gelegenheit dieses merkwürdigen Begräbnisses, welchem der größte Theil der hiesigen Gemeinde, der Direktor und die Lehrer des Pädagogii beiwohnten, hielt unser verdienstvolle Rabbiner Herr Freimann, eine tief ergreifende Rede, in welcher er die vielfachen Lehren, welche dieser Fall so laut und eindringlich predigt, nach allen Seiten hin beleuchtete und den Anwesenden an's Herz zu legen suchte. Wir brauchen Wohl nicht erst versichern zu müssen, daß diese Rede den sichtlichsten Eindruck bei allen Anwesenden ohne Unterschied der Confesston hervorrief; wir wünschen nur, daß die Stimme der Mahnung, welche aus diesem Factum spricht, auch in viele andere Kreise dringe, namentlich in solche, welche den Ausspruch jenes heidnischen Propheten: "O'-M' rnro kuvri,, für einen leeren Wahn halten. -ox Oesterreichischer Kaiser st aat. Peft, am 11. Juni. Es gereicht mir zum besondern Vergnügen, Ihnen, hochgeehrter Herr Redakteur! heute eine Thatsache mittheilen zu können, die alle, denen auch die äußere Anerkennung, die den Anhängern des alten Judenthums zu Theil wird, nicht gleich giltig ist, mit aufrichtiger Freude erfüllen muH. Der durch feine mannigfachen hohen Verdienste um die Förderung unserer religiösen Interessen in den weitesten Kreisen rühmlichst bekannte Herr Jgnat> Deutsch, k. k. Hofwechsler in Wien, wurde von Majestät, unserm allergnädigsten Kaiser, zum ^^ter