Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 4 (1863)
- Issue
- Heft 23 (10.6.1863)
- Date
- 1863-06-10
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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287 Eine Musterleistung von Kanzelberedsamkeit aber nach dem einstimmigen Urtheile aller, die ihn hörten, bot der gefeierte Volkslehrer uns am vergangenen Sabbat vor dem Wahltermine. Als Ausgangspunkt wählte er sehr paffend in der laufenden Sivrah Capitel 11. Vers 16 bis 17: „Da sprach der Ewige zu Moscheh: versammele mir 70 Männer aus den Nettesten Israels--und ich werde entnehmen von dem Geiste, der auf dir ist und auf sie legen." Hierauf ging er nach einer kurzen Einleitung direkt auf den Zielpunkt feiner Predigt, die Wahlen, die auf den kommenden Montag angesetzt waren, über. Schon unsere Alten, sagte er, auf die unsere Zeit vornehm herabzusehen pflegt, sprachen das große Wort: „Die, welche sich mit den Bedürfnissen der Gemeinde beschäftigen wollen, sollen sich diesem widmen um des Himmels willen. Nicht wie heute Männer, ohne sonst irgend welches Verdienst oder Anrecht aus eine derartige Stellung zu haben, eben deshalb diese mit allen Mitteln zu erlangen suchen, um sich einen hohen Platz in der öffentlichen Gesellschaft zu reserviren. Würde sich doch Keiner einreden lassen, er sei reich, der den Mangel daheim sehr wohl kennt, Keiner durch Andere zu der Ueberzeugung kommen, er fei gesund, wenn er von Schmerzen geplagt wird; unseren wahren Werth suchen wir aber so häufig und so falsch nur in dem oberflächlichen Urtheile der Welt statt in der Wagschale unseres eigenen Gewissens und der ewig giltigen Normen, die uns unser ewiges, heiliges Gesetz bietet. Wir brauchen, fährt der Redner fort, Männer, wie sie der Prophet Jesaia zeichnet C. 41, 5: Dieser sagt: Ich gehöre dem Ewigen an, dieser nennt sich nach Jakobs Namen, jener schreibt sich dem Ewigen zu, führt Israel als Ehrennamen. Männer also sind uns nüthig, die Wort und Schrift nur zu Ehren ihres Gottes führen wollen, die ihr Judenthum als Schmuck auf ihrer Stirn tragen und nicht Menschen, die. während sie sonst dem Judenthume entfremdet sind, doch den Namen Jude sich gefallen lassen, wenn es gilt, nach Außen dadurch mit Titel und Würde zu glänzen. Wichtig, fährt er fort, ist unsere Wahl; man droht die Brücke abzubrechen, die uns zu unserem Allerheiligsten führt, unsere heilige Sprache, die allerdings Vielen durch eigene Schuld entfremdet ist, jetzt gänzlich aus unfern heiligen Räumen zu verbannen, sie, in der unser köstlichstes Gut die Thora uns gegeben ist, in der (was unsere immerwährende Aufgabe und Arbeit sein soll, der Welt zu zeigen) für alle höchsten geistigen und sittlichen Beziehungen Anregung, Ausgangspunkte und Wegweiser zu finden sind. Ein Feind unseres Volkes, der ihm auf alle Weise wollte beikommen, erhielt von einem Kenner unseres heiligen Glaubens die Weisung: Gehe hin in die Bothe Kneßijoth und Bothe Midraschim jenes Wundervolkes; so lange du dort die Kinder die Laute ihrer heiligen Sprache lallen hörst, wird es dir nicht möglich sein, ihm beizukommen; denn diese Verheißung gab ihnen schon der Erzvater: Die Stimme ist Jakobs Stimme und die Hände Esavs Hände; so lange Jakobs Stimme vernommen wird, können Esavs Hände nichts dawider unternehmen. Den Schluß machte er, nachdem er für den Ausgang der Dinge, Alles pflichtgemäß zu thun empfahl, das Uebrige aber Gott anheimzustellen, mit dem Zuruf, der der ablösendsn Wache im Heiligthume zugerufen wurde: .-NlIXI .-I27IX Wohl erkennen wir die Unzulänglichkeit unserer Kraft, nur einen Abriß jener herrlichen Predigt wiederzugeben, aber auch wenn wir sie wörtlich wie derzugeben im Stande wären, wir vermöchten nich^ den Eindruck zu schildern, den sie auf die während der ganzen Zeit in gehobener Stimmung und gespannter Aufmerksamkeit lauschenden Hörer machte. Wahrlich wir glauben, wenn d-r Erfolg sich günstig erweist, so darf Herr Or. Sachs einen schönen Antheil des Siegeskranzes auf sein Haupt setzen. Sollte aber, was Gott in seiner Gnade verhüten möge, die fromme Sache diesmal unterliegen,! so hat unser geliebter Prediger uns den Trost gegeben, den Muth nicht sinken zu lassen. Schon im Eingänge seiner Rede verwahrte er sich gegen die Meinung, als wollte er deßhalb etwa, weil er von jenem großartigen und wichtigen Punkte in der Geschichte des größten unserer Propheten ausginge dem vorliegenden Ereignisse eine solche Bedeutung und Tragweite zuerkennen.