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Der Israelit · 1863-06-10 · Heft 23 (10.6.1863) · page 20

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Journal
Der Israelit
Volume
4 (1863)
Issue
Heft 23 (10.6.1863)
Date
1863-06-10
Page
– (sequence 20)
Language
German
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288 Ginge der Eifer in dem Zerstörungswerke auch noch so weit, es würde die Sache über kurz oder lang doch selbst sich richten. Die Zeit, so materiell, so jedem ideelleren Interesse abgeneigt sie auch sei, kehrt doch zur ruhigen Betrachtung der Dinge zurück. Und in Wahrheit, die Richtigkeit dieses Gedankens, den Herr vr. Sachs schon oft zur Beherzigung seinen Hörern bot, wird jetzt auch durch den Zustand unseres Gemeindelebens, wie er sich in diesen letzten Wochen der Unruhe und des Kampfes zeigte, hinreichend erwiesen. Es ist, wir können es G. s. D. mit den freudigsten, triumphirendsten Gefühlen hier aussprechen, eine nicht hoch genug anzuschlagende Thalsache, daß hier im Mittelpunkt und der Metropole der Intelligenz, hier an dem Platze auch des größten materiellen Ringens und Strebens, an dem Orte, wo der aufklärerische Geist, der in den letzten Jahrzehnten das Judenthum bedrohte, zuerst Wurzel faßte und zahlreiche Vertreter fand, in diesem Augenblicke der Entscheidung in unserem Gemeindeleben, noch so feurige Kräfte sich kund geben, welche die Reform, wie wir m. G. H. hoffen, entschieden besiegen und zurückdrängen werden, wo nicht, doch hinlänglich bewiesen haben, daß sie stets zum Kampfe gerüstet sind und mit geringem Zufluß von Kräften noch immer in Zukunft einzulenken und das Gemeindeleben in seinen durch das ewige Gottcsgesetz festgestellten Normen zu erhalten befähigt find. Danken wir aber auch dem Höchsten, für die Gnade, daß er uns an Herrn I)r. Sachs einen so kräftigen, wahrhaft gesetzestreuen, in allen Waffen, die die letzte Zeit gegen das Judenthum geführt hat, wohlgeübten Kämpfer, um sie abzuwehren und gegen die Feinde zurückzulenken, geschenkt hat: Möge er in Eintracht mit seinem wackern College» Herrn E. Rosenstein immer mehr Einfluß auf die Gemeindeangelegenheiten gewinnen, und möge es dem Rabbinate gelingen, bei gefetzestreueren Repräsentanten die Stellung zu erlangen, die ihm gebührt, um nicht wieder die Schmach zu erleiden, etwa wie bei der Orgelfrage wie Schulknaben ausgefragt und dann von der weiseren Einsicht eines in religiösen Dingen frivolen Geiger, eines Philippson und Consorten, zu lernen und sich deren Willkür zu fügen angewiesen zu werden. Berlin, den 8. Juni. Wie wir soeben erfahren, find -ei der Reprasentantenwahl 1722 Stimmen abgegeben. Das Resultat ist noch ungewiß, doch scheint unsere Partei m. G. H. den Sieg errungen zu haben. Vor 3 Jahren stimmten nur 1200 und von den 500, die dieses Jahr mehr gestimmt haben, soll der bei weitem größere Theil der frommen Partei angehören. Großes Verdienst, unaufmerksame Gesehestreue zur Stimmabgabe veranlaßt zu haben, hat unter Andern auch Herr vr. Poppellauer. Doch auch andere, zum Theil sehr reiche und einflußreiche Männer wie die Gebr. Bamberger, Heymann haben sich mit lobenSwerthem Eifer um die gute Sache bemüht. Oesterreichischer Kaiser st Lat. Moor, im Mai. Herr Joseph Fischer, Vorsteher der hiesigen isr. Gemeinde, hat hundert Gulden öst.-W. fondirt, wovon alljährlich die entfallenden Interessen nach Jerusalem zur Unterstützung der daselbst von unfern Brüdern aus Ungarn, Böhmen und Mähren neu ereilten Chewra Kadifcha übersendet Werden sollen, Nomen est Omen — und rufen wir unfern Brüdern in Jerusalem zu: 'i ppn?It. SeüleÄnxer, Rabbiner. Frankreich. Paris. 1^.68 ^redives Isr. berichten: „Eine in Paris lebende jüdische, durch ihre Schönheit berühmte Schauspielerin lebt mit einem sehr vornehmen Herrn in einem intimen Verhältnisse, in Folge dessen sie einen Sohn gebar. Der vornehme Vater des Kindes bot der Mutter eine höchst bedeutende Summe für glänzende Erziehung und dereinstige Ausstattung des Knaben an, wenn sie ihn in feiner Religion erziehen lasten wollte; die Mutter jedoch wies diese glänzenden Anerbietungen ab, ließ das Kind beschneiden, um es als Jude zu erziehen. Sonderbare Mischung von beklagcnswerthem Leichtsinn und religiöser Standhaftigkeit! Der große Herr, durch diese Standhaftigkeit gerührt, erfüllte trotzdem seine Versprechungen ohne auf die Erfüllung seiner Bedingung weiter zu dringen. — (Hierbei eine Beilage.) Verantwortliche Redaktion: Vr. Lehmann. — Verlag der Le Ronk'fchen Hofbuchhaudlung. — Druck von I. GottSleben in Mainz.

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