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Der Israelit · 1863-06-10 · Heft 23 (10.6.1863) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
4 (1863)
Issue
Heft 23 (10.6.1863)
Date
1863-06-10
Page
– (sequence 17)
Language
German
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„Auszeichnung erhallen für Hebung des jüdischen Schul- „Wesens d. i. der Mischen Literatur (??)" — u. s. „w. indem ich die mosaisch-rabbinische Tugend und „Rechtslehre, das mosaisch-rabbinische Civilrecht u. s. „w., in einer lebenden Sprache wiedergegeben." — Die Gelegenheit der früher erhaltenen Medaillen Erwähnung zu thun ist zu verlockend, als daß Herr F. der Versuchung widerstehen konnte, in einer Note des weitem darauf zurückzukommen. Warum aber spricht sich Herr F. nicht über das Schulwesen im eigentlichen und engeren Sinne und seine Verdienste auf diesem Gebiete aus? Warum schiebt er andere Leistungen unter, die mit dem jüdischen Schulwesen nicht den mindesten Zusammenhang haben? Weil —? weil man in der Gemeinde K. selbst wohl wenig von dem günstigen Einfluß F.'s für Hebung des Schulwesens verspürt und im Gegentheil die Klage allgemein ist, daß die Schule in K. seit einigen Jahren weniger blühend und was speziell das jüdische Schulwesen «»belangt, ein Rückschritt unverkennbar sei. In dem weitern Verfolg der Einleitung läßt der Herr Redner „bei diesem Ereignisse auftauchen „vor nnsern Augen die Jahrhunderte der Vergangenheit, hlurauschen vor unseren Ohren den Zeit- „strom" und schlägt „die mit Blut geschriebenen Blätter unserer Geschichte der früheren Zeiten" aus, um zu dem Resultat zu gelangen, „hier waltet „„ein Finger Gottes"". Aber, dann Herr Fasset, warum die Streichung der Sephira-Jozeroth? — Warum die Perhorreszirung aller Gebetftücke, die an Israels blutige Vergangenheit erinnem? — Seite 23 wird Jehuda der unedlen Absicht beschuldigt, nur des Eigennutzes halber den Bruder Joseph vom Tode errettet zu haben, um ihn zu verkaufen; eine Auslegung, die zwar nicht neu, aber sehr gehässig ist. Seite 24 der so schön klingende Ausdruck: „So schrie Jermia: das Wort Gottes ist mir zur Schmach geworden." Der zitirte Bers ist 20. 9. und nicht „20 8" und steht auch dort nichts vom Schreien. Seite 26, der eigentliche Kern der Rede: Es steht von Gad geschrieben: „„Er liegt wie eine Löwin und zerreist Arm und Scheitel" , das paßt auch auf Israel." (Wie eine Faust auf das Auge.) Bei allem Druck und Leiden „liegt Israel wie eine Löwin stark und unerschütterlich, — es ließ alles über sich ergehen und wich kein Haarbreit" — von seiner heiligen Lehre, von den Vorschriften seiner Weisen '2.-UO O'OVM so sollte es in Wahrheit heißen, aber wie paffe sich dieses für Herr F., und mit Handumwenden haben wir ganz ein anderes Bild von Israels Geschichte, Israel „wich kein Haarbreit.von seiner — inneren Ueberzeugung". — „Und in diesem Liegen wie eine Löwin u. s. w. hat es zerrissen Arm und Scheitel," Redner befindet sich in seinem Geistesfluge auf emem Hohlwege; und es ist eine hübsche Hermeneutik, die in der liegenden Löwin, welche dem nur Herannahenden — von einem Angriff gegen die Löwin ist natürlich nicht die Rede — „Arm und Scheitel zerreißt" das Bild des duldenden Israels, das „alles über sich ergehen läßt" erblickt; aus diesem Labyrinth der Jdeenverwirrung kömmt der weitschweifige Redner nicht mehr hinaus. S. 27. „Aber auch mit dem Scheitel wurde gegen Israel gekämpft, mit dem fliegenden Geschoß aus dem Gehirn in Flug- und Tagsblättern, und dieser Kampf ist noch nicht zu Ende." — Nach solchen schwunghaften rhetorischen Schönheiten kommen aber auch einige Sätze tiefer philosophischer Weisheit. S. 30. „Die Nei- „gung zur Strenge, ja zur Barbarei tragen gar viele „Menschen in ihrem Innern, und nur die Entwickelung der Vernunft und Erkenntniß, kann diese schädliche Neigung auslöschen" — daher, docirt unser Decorat, sollte Israel nicht die Neigung zur Barbarei unauslöschlich hegen -- sollte Israel nicht unterdrücken —, so mußte es seine Vernunft und Erkenntniß entwickeln —? Nein, bei Leibe nicht — „es wurde niemals zu einem unterdrückenden Volke — weil es überall ein unterdrücktes war." — In der dritten und letzten Abtheilung der „Festesrede" kommen wir endlich zur Entwicklung der Messiasidee; der bedeutende Anfang zur Verwirklichung derselben ist natürlich die Dekorirung des Redners selbst. S. 35. Doch sagt Redner erst S. 32. „Selbst jene „Altrabbinen, die von dem Messias die Wiederein- „räumung des palestinischen Reiches erwarteten, befrachteten dieses nicht als Zweck, sondern bloß als „Mittel. " — Zwar scheint H. F. sich nicht zu diesen Altrabbinen zählen zu wollen, doch gesteht er ein, daß Maimonides zu diesen gezählt habe und zitirt die bezügliche Stelle (Hil. Melachim 12, 4, 5). Eme dankeswerthe Gabe von einem Schildknappen des Ben Chananja, dessen Redakteur bekanntlich Maimonides den Altrabbinen streitig macht. — Schließlich zitirt H. F. noch einmal seine auf dem Stadthause gehaltene Rede, versteht sich, mit allen Schnitzern in Wort und Gedanken mit noch reichlicheren Zuthaten, die wir aber nicht weiter zu zrtiren Veranlassung finden. — Jedenfalls ist es Schade, daß diese Rede anstatt in deutscher Sprache nicht in Sanskrit erschienen ist Herr F. hat bekanntlich O')'2.-i rw-,2 abgeschafft und dafür eine neue rwiv eingeführt; wir glauben wohl nach Borgehendem beantragen zu dürfen, den Tausch rückgängig zu machen. L. kriellviu

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