Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 4 (1863)
- Issue
- Heft 23 (10.6.1863)
- Date
- 1863-06-10
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
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284 garn nicht — „in Amtstracht und vieler geachteten Bürger", diese wenigstens scheinen ihren Sonntagsputz zu Hause gelaffen zu haben. Wir gönnen dem eitlen, kindischen, ältlichen Herrn diese Auszeichnung von ganzem Herzen und finden sie ganz in Ordnung und zwar weniger wegen seiner Verdienste um das Schulwesen, die uns eine unbekannte Größe sind, als wegen der schönen anerkennenswerihen Bestrebungen und Leistungen der Cultus-Gemeinde, deren geistliches Haupt Herr Fasse! ist Daß aber Herr F. diesen Akt mit so vielen pompösen Worten begleitet, daß er dem Ersuchen des Vorstandes aus diesem Anlässe, außer den bei Gelegenheit der Anheftung gehaltenen Reden noch eine „Festrede" am nächsten MV im Tempel halten möge, nur unter der Bedingung entspricht, „daß der ganze Akt gedruckt rc " werde, finden Wir lächerlich und — entwürdigend. Wir erinnern den eitlen auszeichnungssüchtigen alten Herrn beinahe ungern daran, daß ähnliche Auszeichnungen gottlob nicht mehr zu den Seltenheiten gehören, daß in letzterer Zeit sehr viele Auszeichnungen viel höhern Grades an Israeliten ertheilt worden sind und wurde nirgends so viel Aufhebens damit gemacht. Ist es nicht selbst der wahrhaft erleuchteten Regierung gegenüber, die einen Israeliten in das Herrenhaus beruft, eine höchst übel angebrachte niedrige Heuchelei wegen eines solchen unbedeutenden Beweises von Toleranz einen solchen Lärm zu machen? Dort, wo man mit vollen Händen spendet, ist es doch unverzeihlich wegen einer kleinen unwichtigen Gabe so viele Bücklinge zu machen! Aber als eine wahrhaft anmaßende Aufdringlichkeit müssen wir es betrachten, wenn Herr F. sich den jüdischen Gemeinden gegenüber als deren Repräsentant und Ausdruck, als den Ausdruck der Judenheit, und des Judenthums gerirt und diese Anerkennung eines individuellen Verdienstes zu einer Nationalfeier stemplen will, und eine, diese Feier verewigende (?) Broschüre an die Nachbargemeinden mit der höchst unbescheidenen Forderung verschickt, 50 kr. pr. Stück einzusenden. Dieses die allgemeinen Bemerkungen über diesen Vorgang. Gehen wir nun in das Speziellere ein. Offen gestanden erwarteten wir nicht, daß Herr F. so rigoros sein und die hohe Regierung bitten werde, sie wolle für ihn und für alle Israeliten, die sie einer bürgerlichen Auszeichnung würdig hält, die zu ertheilende Auszeichnung in einer andern Form ertheilen, als die der üblichen, des Kreuzes; eines Emblemes, das eine pietätsvolle und religiöse Bedeutung für die Bekenner des christlichen Glaubens hat; aber eben aus Pietät und Achtung jeder religiösen Gesinnung überhaupt für die Bekenner anderer Religionen sich nicht empfiehlt, und wir zweifeln gar nicht, daß der erhabene und erleuchtete Geist, der bei unserer hohen Regierung waltet einer solchen bescheidenen Bitte die gnädige wohlwollende Gewährung nicht versagen würde. Aber das mußte für uns eine traurige Ueberraschung sein, daß Herr Fasse! aus Veranlassung der Verleihung des goldenen Berdienstkreuzes, dessen Anheftung am 15. April geschah, drei Tage später am omp rww vor dem p-m, — rw-c» (wohl in deutscher Sprache?) mit ov nw-v) machen und uw-w -»rm sOX.121p sein werde. Was soll man zu solchen Blasphemien sagen, um so mehr, da diese gedruckt an die Gemeinden -in s>-Or°?„ "-,-n verschickt worden? — Ueber den Inhalt der zwei Reden, die Herr F., die eine auf dem Stadthause, die andere im Tempel gehalten, läßt sich wenig sagen; ich habe eine solche Sammlung von Plattitüden und allgemeinen Phrasen schon lange nicht gesehen. Die Rede auf dem Stadthause zeichnet sich durch Taktlosigkeit durch Abgeschmacktheit in Form und Inhalt aus. Herr Fasse! spielt den Sprüben und Verschämten, er könne vor „Empfindungen" und mit „gepreßtem Herren" nicht sprechen, tischt dem Magistrat und der andern zumeist nicht jüdischen Zuhörerschaft eine Menge und ll'pios in unerquicklicher unverdaulicher Weise auf; erzählt ein Mährchen von und wendet die Lehre unlogisch genug auf sich an, indem er sagt „so wie — wir kennen die Quelle dieser Erzählung nicht — »nachdem er 500 Jahre alt war", wegen der Bagatelle von noch 469 Jahren die er nach dem „Ausspruche des Schicksals" (?) zu leben habe, sich mehr keine Hütte bauen, sondern den kleinen Rest in hergebrachter Weise in Höhlen fristen wollte; so sollte er — Herr Faffel — nachdem er bereits nahe am Ende seines Lebens steht, eigentlich sich nicht mehr freuen; er freuet sich aber dennoch und hat vor Freude „das Herz zusammengepreßt" und vor „zusammengepreßtem Herzen" könne er nicht „die paffenden Worte finden," weil in ihm die jüdische Lehre geehrt und ausgezeichnet wurde. Der Titel in der Ansprache, so wie der Schluß, die Ertheilung des Segens, läßt an Kuriosität und Hölzernheit nichts zu wünschen übrig. Ein ganz anderer Geist (?) wehet in der im Tempel gehaltenen „Festrede". War Herr F. im Stadthause bemüht, recht altväterlich zu erscheinen, nach nbwirill's Zeiten zurückzugreifen, daß „die Herren Vater der Stadt" hätten beinahe glauben können, den leibhaftigen ewigen Juden vor sich zu sehen, wenn sie nicht durch so manche verfehlte Bestrebungen des Herrn F. z. B. in Pest im Jahre 1858, von seiner Stabilität überzeugt; so tritt Herr F. in seiner Rede im Tempel in direkten Gegensatz zu den alten Zeiten. — Bor allem macht Herr F. das Kunststückchen, die Veranlassung seiner Dekorirung, die deutlich genug in dem Berleihungsdekret ausgesprochen war, zu verwechseln. Herr F. sagt Sette 18: „Ich habe die