Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 4 (1863)
- Issue
- Heft 23 (10.6.1863)
- Date
- 1863-06-10
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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276 Oesterreichischer Kaiserstaat. Pest, den 28 Mai. Die hier in jüdisch-deutscher Schrift erscheinende Zeitung „die neuste Post" ist von der Behörde auf sechs Monate suspendirt worden. Pest, Ende Mai. Herr Oberrabbiner Meisel hier ist gerettet. Der magyarische Vorstand ist nunmehr von der Leitung der Gemeindeangelegenheiten definitiv zurückgetreten. Der behördlich rehabilitirte Vorstand aus dem Jahre 1861 ist demselben überaus zugethan. Doch der vom Schauplatze öffentlicher Thätigkeit abgetretene Cultusvorstand war bei weitem nicht — der ärgste Feind Meisels. Es muß zu bessern Lobe hervorgehoben werden, daß dieser zur Hintanhaltung jedes öffentlichen Skandals nichts sehnlicher wünschte als die Lokalisirung des Krieges. Anderer Meinung waren hierin jedoch die minder fein besaiteten Herren: Löw in Szegedin und Szanto in Wien. Diese legen bekanntermaßen den Schwerpunkt ihrer journalistischen Thätigkeit darauf, sich um jeden Preis einen europäischen Namen zu verschaffen Nicht so anmaßend zu glauben, daß dies schöne Ziel einfach durch den innern Gehalt ihrer weniger denn mittelmäßigen Leistungen erreichbar sei, wählten sie beide ein und dasselbe Mittel zur Erlangung ihres Vorhabens. Sie wählten überaus glücklich: sie traten als professionelle Krakehler auf. Die riesenhafte Thätigkeit, die sie auf diesem Gebiete mit ebenbürtiger Meisterschaft entfalten, muß unstreitig jedem Unbefangenen die anerkennende Worte abringen: „Wahrlich, diese Herren scheinen ganz dazu geboren zu sein!" — Welch schönen Dienst Herr Or. Meisel diesen kampflustigen Aesthätikern durch seinen bekannten Mißgriff rückfichtlich des „Judeneids" geleistet habe, hat das große Publikum aus den allen Anstand verletzenden Schmähartikeln der unsterblichen „Szegediner Theologie" und der „Wiener Neuzeit" zur Genüge erfahren. Im höchsten Maaße skandalsüchtig, waren diese die entschieden gefährlichsten Antagonisten des Pester Oberrabbinen. Diese beiden Herren sind nun zum größten Bedauern aller „Meisel-Feinde" mit und unter einander in einen heftigen Streit gerathen. Herr Löw nennt den Redakteur der „Neuzeit" in der schonungslosesten Weise — den „Philosophen Szanto"! Wir gestehen es offen, die Satyre ist eine höchst verletzende, eine empörende. Darauf konnte der Arme nicht vorbereitet sein. Mt solchem Prädikat wurde Herr Szanto gewiß noch nie behelliget. Wollte ihm Herr Sz. Gleiches mit Gleichem vergelten, er könnte demselben nicht minder sarkastisch erwiedern: Der „Lamdon Löw!" Der Angegriffene war indeß großmüthig, er that dies nicht. Er beschränkte sich einfach darauf, den Szegediner Seelsorger „Leopolo den Zänker" zu benamsen und wahrlich, dies ist — keine Satyre. — Herr Meisel liest diese literarischen Katzbalgereien mit großer Genugthuung und denkt sich: '12 ,','71821 1P22 w'8 217! l 711^11 bTirn 2^28 '1« Sie hätten von uns unstreitig viel lieber einen ergötzlichen Bericht entgegen genommen. Nun es würde dies uns selbst allerdings nicht minder angenehm sein. Leider gestalten sich die Thatsachen nicht nach dem Wunsche des Referenten. Wäre dem so, wir würden stets über Friede referiren, über Friede, Eintracht und Glückseligkeit in Israel. Der „Magyar Jsraelita" entwirft in einer Reihe von Artikeln einen Plan zur Gründung eines Lehrerpensionsfondes. Wir wollen dieses Elaborat an diesem Orte nicht näher besprechen. Dasselbe scheint eben so wenig Lebensfähigkeit in sich zu tragen als all' die unglücklichen Geschöpfe, die durch dessen Vermittelung bisher zur Welt gekommen. Einen Passus desselben können wir jedoch um so weniger unberührt lassen, als derselbe von der eigentümlichen gesunden Logik erwähnten Journals das reellgiltigste Zeugniß ablegt. Ueber die Notwendigkeit eines ähnlichen Pensionsfondssprechend, leitet der Hauptmitarbeiter des „M.J." seinen hochweisen Entwurf etwa in folgenden Worten ein: „Wie sollte wohl ein intelligenter Mensch, einer der auch nur ein bescheidenes Maß geistiger Fähigkeit besitzt, unter solch' mißlichen Umständen dem Lehrerberufe sich widmen? Daher kömmt es, fährt der Leitartikelfabrikant fort, daß nicht bloß die entschiedene Mehrzahl der gegenwärtigen Lehrer jeglichen Wissens bar ist, sondern daß man unter den vielen werthlosen Raden äußerst selten nur ein genießbares Fruchtkörnlein findet. Nun fragen wir ganz bescheiden: „Sollten etwa die Gemeinden dadurch, daß über den gesammten jetzigen Lehrerstand von un-