Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 4 (1863)
- Issue
- Heft 23 (10.6.1863)
- Date
- 1863-06-10
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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878 dazu versteht, an der Stelle des bisherigen Gotteshauses, da- Alles zu wünschen übrig läßt, ein neues geräumiges, dem Bedürfnisse als auch der Zeit, entsprechendes erstehen zu lassen. Dank den Bemühungen des Cultus-Vorstandes, an dessen Spitze der ehrwürdige, um das hiesige Gemeindeleben so verdiente Rabbiner Fromm steht, wurde diese gute Idee durch eine Zeichnungsliste vou freiwilligen Gaben angeregt und verbreitete sie sich schnell unter beinahe 70 Gemeindeglieder — also über 2/^ der jüdischen Bevölkerung — durch freiwillige Gründung eines Baufonds von nahezu 10,000 fl. Wie aber jede gute Sache oft die schwierigsten Kämpfe zu bestehen hat, um als solche anerkannt zu werden, so entging auch dieses Projekt seinem Schicksale nicht; mehrere Gemeindeglieder schlossen sich, aus von nns nicht weiter zu erörternden Motiven, von der allgemeinen Subscription aus und auf der ersten abgehaltenen Generalversammlung erschien ein eifriger Vertreter der Reform, um hier sein Wort geltend zu machen, I nachdem ihm der Versuch, einzelne Gemüther zur Hintertreibung des allem Anscheine nach nicht im Sinne seiner Clientin, der Neologie, projektirten Baues anzustacheln, nicht gelungen war. Jedoch auch hier konnte er sich keines bessern Erfolges rühmen und wurde ihm, als er im Strome seiner nichtimprovisirten Rede einige geachtete Persönlichkeiten mit ^parlamentarischen Ausdrücken belegte, das Wort entzogen. Dieses Factum läßt die Ueberzeugung gewinnen, daß die Reformsucht auch hier ihren Samen gestreut und daß ihre G. s. D. nur wenigen Bekenner auf's Eifrigste, aber vergebens, bemüht sind, ihren Einfluß und ihre Thätigkeit zu entfalten. Einen in den hiesigen Gemeindeverhältnissen Uneingeweihten könnte das Gesagte von der sonst so harmlosen Gemeinde befremden, jedoch „selbst im schönsten Borne der Lust sprudelt ewig eine heimliche böse Quelle mit auf und sprengt ihr bitteres Wasser auf die Blumen, die ihren Rand bekränzen" sagt ein bewährter, englischer Schriftsteller. — Doch dem Golde gleich, das die Feuerprobe besteht, um nur mit erhöhtem Glanze daraus hervorzugchen, wird auch dieses edle Bestreben siegreich durchdringen und mit Gottes Beistand und unter dem Protektorate des Landessürsten, der aus höchsteigener Privatschatulle und aus dem Aerar ein Namhaftes beizutragen geruht hat, wird bald das Monument der ReligivfiM, wodurch die hiesige Gemeinde im Munde des spätesten Geschlechtes sich verewigt, erstehen und ist schon zu diesem Behufs ein besonders sich dazu eignender Bauplatz käuflich erworben. kr. . . L. Mainz, den 2. Juni. Die neueste Nummer des Hamagid, Nr. 21, bringt einen Brief vom Oberrabbiner d. h. Landes an Vr. Lorje in Frankfurt a. d. Oder, der denselben in Bezug auf den Colonisationsverein ermuntert und belobt. — Dieselbe Nummer bringt einen Brief,des berühmten Rabbi Joseph Schwarz in Jerusalem, der bei Beobachtung von folgenden drei Bedingungen mit den Bestrebungen des Vereins sich einverstanden erklärt: 1) Man müsse ein Heer, gleich dem des Terxes (mehr als eine Million Soldaten) aussenden, um die zu gründenden Colonien, ihre Bearbeiter und die Feldfrüchte vor Räubern, Dieben und Mördern zu schützen. 2) Man müsse über Reichthümer, wie die des Krösus gebieten. 3) Man müsse Colonisten von Europa dort hinführen, denn im h. L. gebe es nur äußerst Wenige, die die Kraft und den Willen haben, das Land zu bebauen. Wenn diese drei Bedingungen erfüllt würden, so würde dennoch alles Mühen vergeblich sein. Rabbi Jos. Schwarz verweist demnach das Projekt des Colonisationsvereins ins Bereich der Unausführbarkeit. Da R. I. S. seit mehr als dreißig Jahren im H. L. lebt, Land und Leute und alle Verhältnisse demnach genau kennt und zugleich ein Mann von anerkannt würdigem Character ist, so müssen seine Worte bedeutend ins Gewicht fallen. — Da es sich hier aber um eine sehr ernste Angelegenheit handelt, so ersuchen Hrn. R. Jos. Schwarz, seine, den Colonisationsverein so gefährdende Ansicht zu motiviren und in ausführlicher Darlegung der Oeffentlichkeit mitzutheilen. — Bei der Wichtigkeit der Angelegenheit eröffnen wir hiezu gern die Spalten unseres Blattes. — Hannover, 15. Mai. Dem berühmten Reisenden I. I. Benjamin, ist von Sr. Maj. dem Könige von Schweden als ein Zeichen besonderer