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Der Israelit · 1863-06-03 · Heft 22 (3.6.1863) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
4 (1863)
Issue
Heft 22 (3.6.1863)
Date
1863-06-03
Page
– (sequence 7)
Language
German
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261 Man petitionire daher um die Errichtung eines Lehrerseminars, wo der angehende Lehrer in den nöthigen jüdischen Wissenschaften unterwiesen, und mit dem Fähigkeitszeugniffe versehen werden würde. Die sonstigen nöthigen Wissenschaften müßte er sich aus anderen Schulen mitbringen. 3. Es ist eine zeitgemäße Frage, warum jüdische Volksschulen der Aussicht der katholischen Geistlichkeit unterworfen sein sollen? Warum soll der katholische Dechant die Kinder selbst aus der jüdischen Religion prüfen? Ja, es ist eine notwendige Folge der konfessionellen Gleichstellung, daß ein israelitischer Schulrath von der hohen k. k. Behörde ernannt werde, der von den Einkünften des jüdischen Fondes honorirt, das jüdische Schulwesen im ganzen Lande zu leiten hätte. In brüderlichen Liebe Herrmanu Hvtli, Rabbiner. England. London, den 26. Mai. Der Plan zu der von uns in voriger Nummer erwähnten Stiftung zum Andenken an die verewigte Lady Judith Montefiore ist nunmehr veröffentlicht worden. Es soll ein „Oonval6866nt6 Homo" (das ist wörtlich Genesungshaus, wir würden es mit Jnvalidenhaus oder Alterversorgungsanstalt bezeichnen) gegründet werden; die Voranschlagssumme der zu creirenden Stiftung beläuft sich auf 10,000 L.-St. (circa 120,000 fl.) Man muß es rühmend anerkennen, daß die Engländer es verstehen, das Andenken ihrer großen Todten in würdigster Weise zu ehren. — London. Hier wohnen circa 25,000 Glaubensgenoffen; dieselben besitzen 14 Synagogen und 45 Institute, welche theils der Wohlthätigkeit, theils dem Unterrichte der Jugend gewidmet sind. Der Reichthum der Londoner Israeliten ist allgemein bekannt, aber weniger bekannt ist es, daß hier 1475 arme Familien mit 5729 Individuen wohnen, welche meist von Unterstützung leben. (Jew. Chron.) Feuilleton. Z PKWikr W Die Leipziger illustrirte Zeitung v. 9. Mai d. I. veröffentlicht einen größeren Artikel über die Pariser Börse, dem wir folgende Notizen entnehmen, welche auch die Leser unseres Blattes interessiren werden: „Daß „„Rothschilds Söhne"" die Repräsentanten des Kapitals sind, braucht nicht besonders gesagt zu werden; jeder weiß, daß man den Besitz der ganzen Famile auf 6—800 Millionen schätzt! In kaum 60 Jahren ist es erworben worden durch eben so geschickte wie ehrenhafte Leitung. Als der Stifter des Hauses Mayer Anselm Rothschild im Jahre 1812 zu Frankfurt a. M verstarb, hinterließ er zehn Kinder und ebenso viele Millionen. Die beiden Brüder Salomon (geb. 1774) und James (geb. 1792) gingen noch in demselben J.ihre nach Paris und gründeten hier das Bankhaus, dessen alleiniger Chef noch heute der letzgenannte ist. Durch kaufmännische Circulare sind freilich die ältesten drei Söhne desselben, Alfons, Gustav und Salomon, zu Theilnehmern erklärt worden; aber dies geschah nur, um ihnen die im gesellschaftlichen Leben nothwendige Selbstständigkeit zu geben; der That nach gilt nur ein Wille: der des Barons James, und zvar hängt dies zusammen mit den ausdrücklichen Bestimmungen der Rotschild'schen „Hausgesetze" und Familientraktate, welche die Leitung des ganzen, die letzte entscheidende Stimme über Alles, wobei der Name des Hauses ins Spiel kommt, dem jedesmaligen Aeltesten übertragen. Eine andere Bestimmung setzt fest, daß sämmtliche fünf Häuser: in Paris, Frankfurt, Wien, London, Neapel, bei den Geschäften der einzelnen betheiligt sein müssen, wenn auch in geringem Grade, und daß kein Tag vergehen darf, ohne daß — außer den geschäftlichen Mittheilungen — Privatbriefe gewechselt werden. Gewöhnlich sollen auch die Ehen nur in der Familie geschlossen werden; indessen hat der Baron Gustav es durchgesetzt, daß ihm erlaubt wurde, die Tochter des Gerichtspräsidenten Anspach zu heirathen. Die junge Dame bekam von ihrem Vater eiae Mitgift von l 00,000 Fr. und fand in ihrem Oordsillo äo mariaFtz unter anderm eine Rentenverschreibung über dieselbe Summe aus ihren Namen, also etwa 3 Mill. „Nadelgeld". — Bald nachdem Baron James seinen festen Aufenthalt in Frankreich genommen hatte, wurde ihm das österreichische Generalconsulat übertragen, dessen Inhaber er mithin seit 40 Jahren ist; allerdings werden die eigentlichen Geschäfte durch einen Consul besorgt, so daß dem stark in Anspruch genommenen Bankier nur da etwas zu thun bleibt, wo, wie beim Empfang des diplomati-

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