Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 4 (1863)
- Issue
- Heft 21 (27.5.1863)
- Date
- 1863-05-27
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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248 Büchern versehen sollte, was noch alles gut gewesen wäre, wenn nicht ein unauföhrliches Zuströmen neugieriger Besucher mich in meinem Vorgehen gehindert und die vorwitzigen Fragen derselben der kostbarsten Zeit mich beraubt hätten. Es war um den Verstand zu kommen und dennoch mußte ich es geschehen lasten. Denn als ich dem Gemeinde-Vorstand mein Leidwesen mit dem Beifügen klagte: er möge den Eintritt in die Schule in poipetuum verbieten, gab er mir folgende Antwort, die noch jetzt frisch in meinem Gedächtnisse lebt, und die ich deßhalb ziemlich genau wieder zu geben vermag. Junger Mann, sagte er mir, Sie kennen unsere Gegend und ihre Menschen nicht, die in vielen Stücken anders als anderer Leute Kinder denken und thun. Z B. was unsere Frage betrifft, nicht wahr — Sie haben alle Ursache eine gutorganisirte, von jüdischem Geist durchwehete Schule sich als das Beste und Heilsamste zu denken, was man der heutigen Jugend bieten kann. Nun him melweit anders denken hievon unsere Leute, die eine Schule hart an die gotteslästerlichsten Institute setzen, indem sie behaupten, daß in jeder organisirten Schule, ohne Unterschied der Richtung, der sie angehört, jüdische Kinder der Taufe zugeführt werden. So, Sie entsetzen Sich vor solchem Vorurtheil? Wie erst, wenn wir den Eintritt in die Schule wirklich verwehren! Dann würden die Leute von der freilich garstigen Präsumtion nicht abzubringen sein, daß in dem Schullocale die schrecklichsten Dinge geschehen und mit den Kindern vorgenommen werden. Verstehen Sie nun, fuhr der wackere Vorstand fort, weshalb sich die Maste in Ihre Nähe drängt? Lasten Sie diese nur gewähren und es wäre schlimm, wenn es anders wäre, weil nur nach einer gewonnenen Ueberzeugung von der Lauterkeit Ihrer Absichten der vorgefaßte Wahn einer bessern Ansicht weichen wird. Und er wich und man zählte hintennach die Schule zu den blühendsten Lehranstalten unseres Vaterlandes. Also hatte ein redliches Zusammenwirken der Lehrer, gehalten von dem Streben einer unermüdlichen Direktion, den Sieg über erbärmliche Superstition davon getragen. Und die Schule war ins Leben gerufen und dirigirt worden von einem Neck. Or., einem genialen Manne, besten Namen hier nicht niederschreiben zu können, ich als ein mir schwerauferlegtes Opfer bezeichne. Anders erging es in einer andern „großen und frommen" Gemeinde einem der hervorragendsten und achtungswerthesten Rabbinen. Dieser hatte eine Talmudschule creirt und sie mit reichlichen Mitteln ausgestattet, in der einer unbemittelten Jugend von religiös gesinnten Lehrern das heilige Gotteswort vorgetragen und Mischna und Gemara gelehrt werden sollte. Aber die Anstalt konnte trotz aller angewandten Mühe nicht Platz greifen. Auch vegetirte sie nur so lange, bis der gelehrte Rabbiner, von der bittern Ueberzeugung durchdrungen, daß seine edle Schöpfung keine Zukunft habe, sie den Weg alles Fleisches gehen ließ. Dort und hier — wie sich dieses Dilemma erklären mag? und worin liegt die Ursache, daß der Neck. Di*, reüssirte, während der Rabbiner mit seinem jedenfalls nicht weniger heiligen Vorhaben scheiterte? Ei, sagte ich doch, daß hier zu Lande keine Art Anstalt gedeiht, gedeihen kann, ob auch ihre Leiter die gediegensten Kräfte sind und sie die ergiebigsten Mittel besitzt; hilft alles nichts: die Begegnung des Chassidismus mit dem Materialismus hat eine nicht zu besiegende Eingenommenheit gegen alles Treffliche und Gute erzeigt, oder richtiger, aus dem Aufeinandtreffen dieser äußersten Extreme hat sich eine Art Stickgas entwickelt, der die Geistesatmosphäre vergiftet, die Herzen für das Gute und Schöne tödtet, wie jeweilen die Mischung des Feuers mit dem Master einen unerträglichen Dampf producirt, der die allerstärksten Sinne betäubt. Was aber hier das Traurigste ist, daß wir selbst die Besterung der Verhältnisse nicht erwarten können, so lange der Chassidismus jedes Medium, das Glauben und Wissenschaft verknüpft, mit echter Berserkerwuth zerstört. Dieser Punkt, einmal angeregt, wüßte ich auch an ihn manches Beherzigenswerthe anzuknüpfen, wenn ich nicht fürchten müßte den beschränkten Raum Ihres Blattes gar zu sehr für mich in Anspruch zu nehmen, weshalb ich nur in einer, wie ich meine, nicht uninteressanten kleinen Anekdote das unsäglich Traurige der Situation markire. Dem Direktor einer höhern Lehranstalt war vor etlichen Monaten sein einziges hoffnungsreiches und selten schönes Söhnlein gestorben, worauf die bornirte Maste, der selbst der Tod nicht unantastbar ist, schnell in dem Hinsterben des unschuldigen Kindes die züchtigende Hand des Herrn erklärte, die deshalb gar so schwer den sonst biedern Vater traf, weil er es ge-