Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 4 (1863)
- Issue
- Heft 21 (27.5.1863)
- Date
- 1863-05-27
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2446951-2447089-2447110--01908-2457206- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
249 wagt, Direktor einer — echtjüdischen Lehranstalt zu sein!! Heben wir aber noch hervor, daß der schwergeprüfte Mann dies unheimliche Gerede der Leute j kennt, und daß er dennoch ferner auch Direktor der Lehranstalt blieb und nicht einen Augenblick lang der! Pietät und der menschlichen Schwäche Gehör gab, I das beweist entschieden jene starke und gelauterte Willenskraft, die den schweren, meist auch erfolglosen Kamps mit dem ungreifbaren und nebelhaften Aberwitz frischen Muthes wagt. Nun, eine solche Willens-! kraft, ist sie nicht ehrenwerth? Und dennoch ist sie keine ungewöhnliche oder gar außerordentliche, indem! jeder Schulmann, der hier zu Lande wirken, in der! wahrhaften Bedeutung wirken will, sie in sich tragen! muß, unablässig, wenn er sitzt in seinem Hause, - wenn er geht auf der Straße, wenn er sich niederlegt und wenn er aufsteht, weil sein Leben und Wirken ein Kampf mit der Umgebung, mit der aber-! gläubischen, bildungslosen ist. Aber der Sieg? der Lohn? Nein, hievon kann kaum die Rede sein, ohne daß man sich einer Selbsttäuschung überlassen wollte, - denn, jeder Vortheil, den hier der Lehrer mit Aufopferung feiner besten Kräfte den Zeitumständen ab-! gerungen hat, war noch immer ein scheinbarer, nicht in den Tiefen des Gemüthes wurzelnder geblieben, und ein solcher macht, wie jeder Fortschritt mit temporärem Charakter, nur so lange seine Rechte an die Menschen geltend, als ihm die Zeitumstände günstig sind. Wir haben's ja erlebt. Was noch vor drei Jahren höchstes Bedürfniß war, wird heute als unnützer Plunder bei Seite geschoben, und grenzt es denn durchaus an die Unmöglichkeit, daß einmal wieder das Untere nach Oben zurück kehrt? Wer will denn die ewigwechselnde Ebbe und Fluth der Politik und ihrer Jtentionen von vorn herein bestimmen x wollen? Aber der jüdische Lehrer sollte nimmer für die Mode arbeiten und dem Wechsel sich unterordnen, nachdem ihm gegeben ist, lauter und wahr das heil. Gotteswort zu lehren, welches ewig wie der Himmel ist. Deshalb sollte in unfern Schu-! len dieses Gotteswort zumeist und vor allem vorgetragen werden, weil es bleibend ist, und es wird sich j Bahn brechen, weil es wahr ist, und wie die Sonne s herrlich und rein am Firmament sich erhebt und die - dunkeln Schatten zerstreut, worauf ein lachender Morgen die Fluren verklärt, also müssen vor dem echten Gotteswort all die Nebel fliehen, die wir Unsinn, Aberglauben und wie sonst noch anders heißen« Somit wird uns ersichtlich und klar, was wir zu thun haben um dahin zu kommen, wo viele unserer Brüder, die von den Verhältnissen begünstigt, bereits angelangt sind. Wir müssen auf der geheiligten Stätigkeit unseres Glaubens das Fundament der Schulen gründen, in denen wir die Jugend für das Leben und seine Bedürfnisse tüchtig vorbereiten wollen. Die sogenannten profanen Wissenschaften können deshalb immer als „die Seulen zu dem Tempel der Erkenntniß" dienen, weil sie nicht diametral zu unserm Glauben laufen und der Satz gii px O-r steht. Thora und Wissenschaft gehen Hand in Hand, und das muß bei uns um so mehr berücksichtigt werden, je weniger noch das Bedürfniß nach Bildung Wurzel geschlagen hat. Ja wohl, ich wiederhole es, in unserer Geisteseinöde, wo der Aberglaube seinen häßlichen Spuk noch treibt, soll und muß uns die durch die Wissenschaft geklärte Feuerseule des Glaubens leuchtend uno leitend voran schreiten, aber vor allem müssen wir viel Bibel im Urtext und mit Verständniß*) lehren, damit wir allenfalls für den Himmel arbeiten, wenn die Menschen uns ihren zweideutigen Beifall versagen. Jacob Heinrich Lörv. Frankreich. Paris. Herr Oberrabbiner Isidor hat einen besondern Gottesdienst zur Erbauung und Belehrung der Jugend für jeden Samstag Nachmittag eingerichtet. — England. London. (Privatmittheilung.) Zum Andenken der Lady Judith Montefiore .1"^' wird eine Stiftung in's Leben gerufen werden. Frau Oberr. vr. Adler, die an der Spitze des Unternehmens steht, hat bereits zu diesem Zwecke über 2000 L.-St. (circa 24,000 fl.) gesammelt. *) Das heißt, im Geiste und in Verbindung mit der mündlichen Lehre. Red.