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Der Israelit · 1863-05-27 · Heft 21 (27.5.1863) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
4 (1863)
Issue
Heft 21 (27.5.1863)
Date
1863-05-27
Page
– (sequence 5)
Language
German
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247 Versuchung geführt werden, Muth und Kraft geben, dieselbe zu überwinden. Groß aber ist der reuige Sünder, der aufrichtig und ernst sich freimacht von bedrückenden Fesseln, um wiederum ganz seinem Gotte anzugehören. — Preußen. Berlin, den 15. Mai. Die Leser dieses Blattes werden sich noch erinnern, daß der hiesige Restaurateur Mäder versuchte eine jüdische Hochzeitsgesellschaft von 40 Personen durch in den Kaffee gemischtes morpbium purum zu vergiften; derselbe wurde unlängst zu drei Jahren Arbeitshausstrafe verurtheilt. Welch saubrer Familie der Verbrecher angehört, beweist ein neuer Proceß gegen die Mutter desselben. Nachdem diese bereits wegen Kindesmordes eine zweijährige Zuchthausstrafe abgebüßt, wegen Diebstahls, bei welcher Gelegenheit ihre Mutter sich erhängte, versuchter Gattenvergiftung und Brandstiftung, die acht Menschenleben kostete, in Untersuchung gestanden, steht sie jetzt wegen wiederholter Brandstiftung, Betrugs, Meineids und Wechselfälschung vor den Schranken. Ihre an einen Juwelier verheirathete Tochter starb vor 14 Tagen eines plötzlichen Todes, in Folge dessen sich ihr Mann mit Blausäure tödtete. — Diese Familie gehörte durchaus nicht der untern Volksschichte an; die Angeklagte ist sehr reich und hat ein Depositum von 70,000 Thlrn. gestellt; „man sieht", fügen die Berliner Blätter, welche diese traurigen Thatsachen constatiren, hinzu, „wie wenig Geld oft glücklich macht." — Oefterreichischer Kaiser st aat. S. «r Ujekly, 15. Mai. Vereintester Herr Redakteur! Sie fordern mich auf zur Fortsetzung meines Referats über die Gemeinde- und Schulverhältnisse Oberungarns, weil Sie ein Recht dazu haben, indem ich selbst in einem früheren Artikel detaillirende Berichte über den angeregten Gegenstand versprach.! Doch, wie, wenn ich hintennach gefunden hätte, daß! hier zu Lande auch das kräftigste Wort auf taube! Ohren fällt, sollte ich dann noch den Prediger in der i Wüste machen? Was schlimmer noch, daß Männer, die im engsten Gesellschaftszirkel jedes losgelaffene Wort vielfach verklauseln, eben just von Ihrem Correspondenten solche nackte und ungeschminkte Wahrheit begehren, als ob der „Israelit" aus Tausenden heraus berufen wäre, den Augiasstall der Dummheit zu säubern Sagte man mir doch, wir gingen katzenartig um den Brei herum! Aber, ihr Männer des unbedingten Fortschritts, versucht's doch ihr und holt euch selbst die Kastanien aus dem Feuer, während wir fein sachte, ohne irgend wohin auszuschlagen, die Uebelstände unserer Zeit darlegen und mit nie ermüdender Geduld besprechen. Ich gebe also nach wie vor keine Namen, wo ich das Gebreste unserer Gemeinde-Verhältnisse schildere, und dennoch — ich bin deß gewiß, wird sich gar Mancher getroffen fühlen. Freilich ist nicht zu leugnen, daß es solcher nicht nur manche, sondern recht viele geben sollte, da die Wenigsten einen Hang zum Bessern zeigen, und die Schattenseiten des Gemeindelebens so allgemein sind, daß 'man, ohne zu zielen, nicht weitab vom rechten Punkte trifft .... Zerissenheit, Zerfahrenheit, und wie die Schäden alle heißen, sie findet man leider allerseits in Israel, dennoch ließe sich eben aus unsere Zustände das nur zu bekannte „e'ekt tvul eomme ebe? nous" nicht leicht anwenden, nachdem wir hier, wie kaum mehr in andern Orten, an der Grenze zweier scharfgeschiedenen Zeiten stehen. Wir haben eben so wenig die Vergangenheit mit ihrer Verdumpfung überwunden, als uns in die Gegenwart gläubig frommen Sinnes hinein gelebt! — Um mich aber recht deutlich zu machen, werde ich diesmal in den reichlichen Vorrath meiner tristen Erlebnisse greisen und daraus eine Erinnerung holen, die vielleicht mehr als die breiteste Contemplation zu sagen vermag. Es war im Herbst des Jahres 1856, als ich in eine gewisse Gemeinde an die daselbst nencreirte Schule berufen wurde. Von dieser aber fand ich bei meinem Eintreffen in den Ort meiner künftigen Funktion nichts anders vor, als luftige, hübschausgeweißte Lehrzimmer. Nun können Sie sich denken, was ich alles zu thun, welche Fülle von Geschäften und Plackereien ich zu überwinden hatte, ehe wir, d. h. ich und meine zwei College», den eigentlichen Unterricht beginnen konnten. Eine zahlreiche Jugend war mir vorgeführt worden, die ich vorprüfen, nach Klassen Lheilen, mit den nöthigen

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