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Der Israelit · 1863-05-27 · Heft 21 (27.5.1863) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
4 (1863)
Issue
Heft 21 (27.5.1863)
Date
1863-05-27
Page
– (sequence 2)
Language
German
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244 Errichtung einer den Anforderungen der Zeit entsprechende Pflanzstätte des ewig kraft- und saftvollen Lebensbaumes als unnöthig, vielleicht gar als gefährlich zu bezeichnen. Ja, vielleicht gar als gefährlich, sage ich; denn für das Unkraut taugt jeder Boden, dieses wuchert in jeder Himmelsgegend, jeder Erdgürtel trägt es O'XL' j.i nicht so aber die edle Frucht, die gepflanzt, gehegt und gepflegt werden muß; sie gedeiht nicht überall und läßt sich nicht an jeden Ort verpflanzen; von der leisesten unfreundlichen Luft angeweht, verkömmt sie im Keime 1^.-1 wU'NT, 1^' X7L7 ip und wer soll, wer darf, wer wird es wagen, um den Schatten wohlthuend und die Früchte des Baumes der Erkenntniß unschädlich zu machen, Hand zu legen, an den Baum des Lebens? „Ist es die Eiche," ist es der seit Jahrtausende allen Stürmen und Strömungen der Zeit trotzende, Hunderte und abermals Hunderte von Generationen schützende und nährende Stamm unserer heiligen Gotteslehre, der diese Auswüchse hervorbringt, um derentwillen wir ihn in ein fremdes Gebiet zu versetzen Ursache hätten? — Nein, es ist vielmehr der seit einiger Zeit um denselben aufgehäufte fremde Boden, der diese Giftpflanzen als Ziergewächse im Lustgarten der Zeit um ihn und an ihm zum Wachsthume befördert. Wenn nun der Gipfelpunkt des wahren Talmudstudiums und der vollen Gesetzestreue nicht mehr feine einstige Erhabenheit und Lebensfrische bewahrt hat, weil fremde Elemente den Baum des Lebens umwuchern, so können doch diese Schmarozerpflanzen niemals gleich ihm festwurzeln. — Die Gefahr der gegenwärtigen Zustände ist also nicht so groß, aber die Gefahr könnte groß werden, wenn wir durch Beimischung fremder Elemente selbst die Wurzel gefährden. Machen wir daher unseren orthodoxen Opponenten keinen Borwurf, daß sie in ihrer reservirten Stellung diesmal gar zu beharrlich sind ni'lD selbst das Einreißen, wenn es von erfahrenen, frommen, weisen Männern geschieht, bezweckt einzig den tüchtigen, kraftvollen Aufbau. Wenn diese orthodoxen Opponenten die entsprechende Garantie für den zu erreichenden Erfolg haben werden, so werden sie gewiß die ihnen gebührende Stellung einnehmen. Daß sie aber ihr Theuerstes nicht so leicht aus den Händen geben wollen, das darf uns nicht im Geringsten an ihrer intensiven Sympathie zweifeln lassen. Es ist daher vor allen Dingen nothwendig, daß Herr Dr. Hildesheimer — — im Einverständnisse mit den bedeutendsten rabbinischen Autoritäten Ungarns einen Entwurf zur Verwirklichung des Planes vollende und der Oeffentlichkeit vorlege; zu diesem Zwecke scheint mir der von Herrn Rabb. Fi sch mann in Nr. 3 dieser Blätter gemachte Vorschlag über die Art und Weise der praktischen Erörterung dieses Aktes sehr plausibel. Die Mehrzahl derjenigen Rabbinen, welche eine Modifikation oder Reorganisation des seit Jahren wankenden Jeschibahwesens wünschen — und dieses ist nach meinem Dafürhalten die an Quantität und Qualität gleich bedeutende und wichtige Mehrzahl der Rabbiner Ungarns — hat sich bis jetzt in dieser Angelegenheit passiv verhalten; die Ursache davon ist wohl keine andere, als daß uns bisher kaum das Skelett eines Schemas gegeben, Nichts aber von der Sache selbst anschaulich gemacht worden ist, so daß also die Meisten wohl mit Recht fragen: .-1^.-1 7U"^r>.-i?— Daß aber dieser Plan seiner Vollendung harre und zugeführt werden wird, hoffe ich selbst Angesichts beider opponirender Lager. Nur dürfen wir keinesfalls erwarten oder gar beanspruchen, daß die „sehr vielen und bedeutenden Rabbinen" „uns als ihren Vorkämpfern" das Feld räumen und unbedingt Machtvollkommenheit ertheilen werden; wir bedürfen dieses ebensowenig, als „die vielen bedeutenden Rabbinen" persönlich unseres „Vorkampfes." Wenn wir je für sie zu Felde gezogen sind, so geschah dies nicht ihretwegen, sondern des Publikums wegen, damit dieses sich nicht vom falschen Siegesgeschrei der Gegenpartei betäuben und beirren lasse. Vergessen wir nur nicht im frohen, wenn auch gerechten Selbstbewußtsein, was wir, was das Judenthum diesen Männern in ihrer defensiven Stellung zu verdanken haben! ich kenne G. s. D. viele dieser wahrhaft jüdischen „Seelsorger", die zwar wenig oder gar kein literarisches Verdienst haben, aber ein um so größeres, unschätzbares Verdienst, um das wir uns erst bewerben — und wie viele dieser hochherzigen Männer haben ausschließlich wegen ihrer alten Richtung Siege erkämpft, die uns ehrfurchtsvolle Bewunderung gebieten! Wir können uns sicherlich, nachdem wir das Zweckmäßige unseres Vorhabens erläutert und dargestellt haben werden, der freudigen Hoffnung hingeben, daß wir unter diesen unseren Gegnern (?) nicht nur sichere Stützen, sondern auch mächtige Vorkämpfer für unsere Pläne gewinnen werden. Der entgegengesetzten Partei, der entschiedenen Linken gegenüber, bin ich der Ansicht, daß im Interesse des spätesten Heiles und segensreichen Fortbestandes dieser ins Leben zu rufenden Anstalt keine Coalition heterogener Elemente gewaltsam anzustreben sei, sondern daß nach dem ersten erfolglosen gütlichen Vereinigungsversuche diese Partei in ihrem Systeme zu belassen sei, während die Orthodoxie unbeirrt ihrem Ziele zuschreite. Demgemäß glaubeich meine obenerwähnte Worte, daß diese Aufgabe ihrer Lösung harre und zu-

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