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Der Israelit · 1863-05-20 · Heft 20 (20.5.1863) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
4 (1863)
Issue
Heft 20 (20.5.1863)
Date
1863-05-20
Page
– (sequence 4)
Language
German
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234 Hebung nur Gott allein verdanke, damit es befähigt .werde, den erhabenen Endzwecken zu dienen, die auf die Geschichte der Welt am einflußreichsten sein sollten. — Nun aber war die Zeit der Befreiung herangekommen und mit ihr die Zeit der Erhebung. Gleich wie auf Adlerfittigen Hub Gott das Volk empor; wie der Adler seine Jungen auf seinen Flügeln trägt, Niemanden fürchtend, der von Oben herab ihnen zu schaden vermöchte, also hat Gott sein Volk getragen. In dem kurzen Zeitraum von sieben Wochen sind aus den Sklaven wahrhaft freie Männer geworden, würdig, Gottes unschätzbares Kleinod, die Thora, zu empfangen, Männer, die gleich den Engeln das hohe Geheimniß der That gefunden und das Thuen dem Verstehen vorausschickten Männer, die da bezeichnet werden als göttliche Wesen und Söhne des Höchsten (Ps. 82, v. 6). Also hatte Gott unsere Voreltern emporgetragen und mit unnennbarer Vaterliebe sie erzogen. So ist Israel angelangt in der Wüste Sinai und lagert einmüthig, eines Sinnes (;tiv) dem Berge gegenüber, von dem aus sich sein Gott ihm offenbaren wird, von dem aus ihm die höchste Beseligung zu Theil werden soll. — III. 'bn '2^tt ''2tti und ich brachte euch zu mir! Rabbi Josua ben Lewi erzählt (Sabbat f. 88 u. 89): Als Moscheh zur Höhe emporftieg, da sprachen die Engel vor dem Heiligen, gelobt sei er: „Was soll der Weibgeborne unter uns?' Und Gott sprach: „„Er ist gekommen, die Thora zu empfangen.' " Die Engel entgegneten: „Dein köstliches Kleinod, das Du Jahrtausende bewahrt hast, willst Du Menschen geben? Was ist der Mensch, daß Du sein gedenkst, der Erdensohn, daß Du Dich seiner annimmst; laß Deine Herrlichkeit am Himmel walten!" Da sprach Gott zu Moscheh: „„Gib Du ihnen Antwort."" Und Moscheh sprach: „Ich fürchte, sie möchten mich verbrennen mit dem Hauche ihres Mundes." Darauf sprach Gott: „„Erfasse den Thron meiner Herrlichkeit und gib ihnen Antwort"" denn also heißt's: er ließ ihn erfassen den Thron und bereitete über ihn aus seine Wolke — das lehrt uns, daß Gott ihn schützend mit dem Glanze seiner Herrlichkeit umgab. Da sprach Moscheh: „„Herr der Welt, die Thora, die Du mir gibst, was steht in ihr? Ich bin der Ewige, Dein Gott, der ich Dich aus Mizrajim geführt habe"" Und er sprach zu den Engeln: „„Seid ihr etwa nach Mizrajim hinabgezogen und habt ihr dort dem Pharao gedient? Was soll euch die Thora? Was steht ferner in ihr: Es sollen Dir nicht sein andere Götter. Wohnt ihr etwa zwischen götzendienerischen Nationen, daß ihr verführt werden könntet von ihnen? Und ferner: Du sollst den Namen Deines Gottes nicht vergeblich aussprechen. Seid ihr etwa versucht, im Handel und Wandel durch Anrufung des göttlichen Namens Euer Wort zu betheuern? Ferner: Sei eingedenk des Ruhetages, ihn zu heiligen. Arbeitet ihr denn, daß ihr der Ruhe bedürftet? Ferner: Ehre Deinen Vater und Deine Mutter. Haben euch denn Eltern gezeugt? Ferner: Du sollst nicht morden, nicht ehebrechen, nicht stehlen, nicht falsch zeugen, nicht gelüsten. Herrscht Neid und Eifersucht unter euch, seid ihr von Leidenschaften und bösen Trieben erfüllt?" Sofort gaben die Engel ihre Zustimmung; ein Jeder von ihnen ward fein Freund und gab ihm ein Geschenk; auch der Engel des Todes beschenkte ihn und vertraute ihm das Geheimniß, wodurch der Tod zu bannen; denn also heißt's (4. B. M. c. 17. u. 13): und erstand zwischen den Lebenden und zwischen den Tobten und der Plage geschah Einhalt. Hätte es ihm der Todesengel nicht gesagt, woher denn hätte Moscheh es gewußt? — In dieser Erzählung Rabbi Josua's ist das beseligende Glück der Vereinigung mit Gott, zu der die Thora den Menschen zu bringen vermag, dargestellt. In drei große Klassen kann man alle erschaffenen Wesen theilen: rein geistige, rein irdische Wesen und solche, die zwischen beiden stehen, in denen Geist und Körper miteinander verbunden sind Dieses Mitelwesen ist der Mensch. Seine doppelt geartete Natur liegt stets im Kampfe mit sich. Durch die Thora gewinnt das geistige Element die Oberhand, und der Mensch steigt höher als die Engel stehen. Denn der Mensch muß erst nach harten Kämpfen Begierden und Leidenschaften überwinden, ehe er die Höhe erklimmt, zu der emporzusteigen der Besitz der Thora ihn berechtigt. Wird denn der Mensch aber auch die Thora zu würdigen wissen, wird er das köstlichste Kleinod nicht frech verletzen, verlästern und verhöhnen? Das war die Befürchtung der Engel. — Die ganze Thora ist nichts als der Name Gottes — die ganze Welt ist nichts als der Name Gottes. Die Thora und die geschaffene Welt sind eigentlich identisch; sie verhalten sich zu einander wie Bauriß und Gebäude, wie Verfassung und Staat; die Gesetze der Thora könnten aus der Welt und die Naturgesetze aus der Thora abstrahirt werden. Daher kam es auch, daß die Weisen des Talmuds bereits Naturgesetze kannten, welche die Naturwissenschaft erst viel, viel später gefunden hat — sie hatten sie aus der Thora geschöpft, in der das physische Weltall geistig enthalten ist. Aber die Thora als rein-geistiges Element ist viel kostbarer als die Körperwelt. Daher sprechen die Engel: Gib doch nicht Dein ,->-i!2ki nrm, Dein verborgenes Kleinod den Menschen, laß Deine Majestät am Himmel walten und laß die

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