Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 4 (1863)
- Issue
- Heft 20 (20.5.1863)
- Date
- 1863-05-20
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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833 erkannt, daß der Idealismus dem Jrrthume und dem Wahne preisgegeben ist und daß die Phantasie mit ihren willkürlichen Gebilden sich eines Feldes bemächtigt, wo nur der reine Gedanke her schen soll. Weder der eine noch der andere ist befähigt der Welt, das Heil zu bringen Ja, wenn man Idealismus und Realismus vereinigen könnte, wenn unsere Sinne im Stande wären, Gott und die eigene Seele zu fassen oder auch Gott allein zu fassen, denn mit Ihm und in Ihm sind die Begriffe der Welt und der Seele gegeben — dann dürften wir uns freuen, die Wahrheit zum unentreißbaren Besitz erlangt zu haben! Nun wohl, das ist geschehen; es ist geschehen durch die Offenbarung ihr habt gesehen, was ich gethan habe. In Mizrajim hat sich Gott unfern Voreltern offenbart, durch die Aenderung der Naturgesetze hat sich Gott gezeigt als Schöpfer und Erhalter der Welt, und am sechsten Tage des Monats Süvan, da standen harrend zwei und ein halb Millionen Israeliten am Fuße des Berges Sinai; und der Berg Sinai rauchte ganz und gar, weil Gott sich auf ihn herabgelassen hatte im Feuer, umgeben von Myriaden seiner Engel; und es erbebte der ganze Berg gar sehr, und auf dem Berge lagerte eine mächtige Wolke, Donnerstimmen durchhallten das Weltall, fruchtbare Blitze leuchteten, mächtiger Posaunenschall ertönte und das Volk erbebte am Fuße des Berges. Da plötzlich lagerte eine feierliche Strlle auf dem gesammten Weltall, der allmächtige Gott offenbarte sich seinem Volke und sprach die großen Worte: „Ich bin der Ewige, dein Gott." Jetzt wußte Israel, und dieses Wissen ist uns niemals wieder abhanden gekommen, daß ein Gott ist, daß dieser Gott die Welt geschaffen und die Seele gegeben hat. Keine willkürliche Annahme vermag uns zu täuschen — wir sind in unwiderleglichster Weise in den Besitz der höchsten Wahrheit gelangt. Nicht Einzelnen hat sich Gott geoffenbart und es dann durch historische Ueberlieferungen der Welt mitgetheilt, wie es das Christenthum lehrt — 5121222 Ovb, sondern seinem ganzen Volke, sechsmal hundert lausend erwachsenen und verständigen Männern, ja auch den Frauen und Kindern, den Knechten und Mägden. O2^> O'2rw nicht Schriften habe ich euch gesandt, wie ja die Religion Mohameds die Göttlichkeit der Sendung ihres Stifters durch die Vorzüglichkeit des Korans beweisen will — r<b> v2Hp i'OpQ nicht Zeugen stelle ich euch aus, wie die alten heidnischen Religionen, die einzelne Naturkräfte als Zeugen vom Dasein ihrer Götter betrachteten Owxi Ltix sondern ihr selbst habt es gesehen. II. Selten jedoch ist die Erkenntniß allein stark genug, den Willen des Menschen derart zu beeinflussen, daß er in der That dann auch nur das als gut und wahr Erkannte erstrebe Daher hat der Allgütige es nicht bei der bloßen Erkenntniß bewenden lassen, Er hat dafür gesorgt, Sein Volk emporzuheben, Ovrirr und ich hob euch empor auf Adlerfitligen. Während der Jahrhunderte andauernden Knechtschaft in Mizrajim war Israel in Laster, Unreinheit, ja Götzendienst versunken. Die erhabenen Traditionen der Väter waren größtentheils vergessen; ein niederes Sklavenvolk hatte niedere Begierden und niedere Anschauungen. Was u äre aus Israel geworden, wenn nicht Gott es befreit hätte, wenn es durch andere Umstände, etwa durch eine Empörung die Freiheit erlangt hätte? Wenn der Sklave die Kette bricht, an welche er bisher geschmiedet war, wenn er nicht mehr die Peitsche des Herrn zu fürchten braucht, sondern selbst gefürchteter Gewalthalber wird, da werden all die Begierden mächtig, die bisher nicht erstorben waren, sondern nur geschlummert hatten, nur gewaltsam unterdrückt worden waren. Je straffer die Zügel bis dahin angehalten waren: desto zügelloser wird von der neu errungenen Freiheit Gebrauch gemacht, jeder Einzelne kennt keine Schranken, folgt den Eingebungen seiner Launen und Begierden, bis sich das befreite Sklavenvolk, in die schlimmere Sklaverei der eigenen Leidenschaften gebannt, selbst verzehrt in Gesetz- und Sittenlosigkeit, oder die Beute eines neuen Unterjochers wird. Solche Beispiele lehrt die Geschichte in zahlreicher Menge; solches war nur zu häufig das Loos sich selbst befreiender Sklavenvölker. Wie ganz anders war aber Israels Loos! Wir können die Geschichte unsres Volkes nur dann begreifen, wenn wir den Grundsatz fefthalten, daß es, ein besonderes Werkzeug in der Hand Gottes, von Anfang an dazu auserlesen war, zum Heile und zur Beglückung der ganzen Welt zu dienen. Zu diesem Zwecke hat Gott den Abraham erkoren, damit von ihm ein Mustervolk abstamme. (1. B. M. c. 18 v. 19.) i'inr-r 2x1 122 ri-r i'ripn' '2 'i^i „denn ich habe ihn deßhalb ersehen, damit er befehle seinen Söhnen und seinem Hause nach ihm, daß sie beobachten den Weg des Ewigen, daß sie üben Gerechtigkeit und Recht, damit Gott üb r Abraham bringe, was er über ihn verheißen hat." — In diesem Sinne hat denn auch der allmächtige Gott die dereinstige Knechtschaft seiner Nachkommen dem Abraham vorausgesagt '2 p-rri piw (1. B. M. c. 15, v. 13); zur tiefsten Erniedrigung j sollte Israel erniedrigt werden, damit es seine Er-