Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 4 (1863)
- Issue
- Heft 19 (13.5.1863)
- Date
- 1863-05-13
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2447089-2447108--01885-2457181- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
228 Vor einigen Monaten verlor hier ein jüdischer Vater ein Kind; am Grabe erklärte Herr vr. C. die Keriah nicht mehr für zeitgemäß, der Vater aber kehrte sich nicht daran. Ein hiesiger Einwohner hatte das Glück, daß ihm am Fasttage Gedaljah ein Sohn geboren wurde; er freute sich über die Sechijah, am Versöhnungsfest das Beschneidungsfest feiern zu können und wünschte die Beschneidung in der Synagoge vornehmen zu lassen. Herr vr. C. gab das jedoch nicht zu, weil es unschicklich sei einen solchen Akt in Gegenwart von Damen vorzunehmen. Ein Seitenstück hiezu ist der Umstand, daß jedesmal, wenn in der Hapharah etwas von Beschneidung oder Derartigem vorkömmt, Herr Or. Caus Anstands- oder Zartgefühl den betreffenden Passus wegläßt. Am Sabbath Wajezeh wurde hier im dreijährigen Cyclus Paraschath Zizith vorgelesen. Bei dieser Gelegenheit erklärte Herr Dr. C. das Tragen von Talith. und Arba Kanfoth für überflüssig und nicht mehr zeitgemäß. Was wird noch alles von den Geboten unserer heiligen Religion für überflüssig und nicht mehr zeitgemäß erklärt werden? Sonderbar ist, daß Herr vr. C. selbst noch immer ein Talith in der Form einer Stola trägt, wahrscheinlich weil er glaubt, daß ihm das gut steht. Sonderbar! in Brandenburg war Herr vr. C. orthodoxer Rabbiner, in Albany gemäßigter Reformer und hier ist er Ultrareformer; wieviel Wandlungen wird derselbe noch durchmachen? Allein die hiesigen Israeliten kommen allmählich zur Besinnung und fangen an einzusehen, daß es unmöglich weiter so fortgehen kann, 'ib LvKlLuäer. Feuilleton. Wenn am Sabbath fromm wir rasten, Uns mit Sorgen nicht belasten. Gnädig, traun, vor Leid', Gefahren; Wird der Herr uns dann bewahren. Allen wird Gott Glück verleihen, Die den Sabbath nicht entweihen, Das Gesetz an ihm ergründen, Im Gebet Erhebung finden. Tag des Heiles, laßt uns nennen Ihn, den Sabbath, Ruh uns gönnen; Von der Arbeit von Geschäften. Ehren ihn aus allen Kräften. Manna, süße Himmelsspeise, Fiel den Vätern auf der Reise In der Wüst' vom Himmel droben, Unser Speis auch kömmt von oben. Sabbathstag ist Bundeszeichen, Laßt vom Bund uns nimmer weichen! Und am heil'gen Tag der Weihe Sich der Arme mit uns freue. Ja, Bedrängter, komm zu Tische! Iß vom Wein, vom Fleisch und Fische! Die der Güter wenig haben: Soll des Reichen Spende laben. In des Fisches Eingeweide Fand ein Mann zu seiner Freude*), Weil den Sabbath fromm er ehrte: Eine Perl von hohem Werthe. Nach der Werketag Getümmel Freundlich kommt dann stets vom Himmel Zu Jeschuruns Kindern nieder Sabbathruh, bringt Tröstung wieder. Sabbath kommt im Brautgeschmeide Und im heil'gen Feterkleide, Abglanz ist er ew'gen Lebens, Sabbath kommet nicht vergebens! Wie auf heil'gen Engelsschwingen, Sabbath, Feiertag uns bringen: Edensvorschmack; Hochgenüsse, Und aus bessern Welten Grüße! Darum laßt der Ruh uns pflegen, Uns beglückt dann Gottes Segen, Laßt Geschäft und Sorgen fahren Und vor Leid wird Gott bewahren. 8. Mas, Religionslehrer. ') Joseph Mokir. Stehe Tal. Sabb.