Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 4 (1863)
- Issue
- Heft 19 (13.5.1863)
- Date
- 1863-05-13
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Beilage za Nr. IS des Israelit. Zeitungsnachrichten u. CorrespondenM. Amerika San Francisco (Californien), im December.*) Mein Bericht in Nr. 18 v. I. hat dem Herrn Prediger Or. Cohn durchaus nicht gefallen. Derselbe hat daraus den Stoff zu einer Predigt genommen, und die Gelegenheit ergriffen, gegen die Orthodoxie im Allgemeinen loszuziehen. Nichtsdestoweniger wagt er doch nicht zu behaupten, daß mein Bericht eine einzige Unwahrheit enthalten Härte. Da nun Vielen der Sinn der Predigt unverständlich war, so gab ich darüber Aufschluß und bekannte mich als den Verfasser des Berichts. Sie können sich die hiedurch hervorgerufene Aufregung des Or. Cohn und seiner Anhänger kaum vorsteüen, sie hätten mich gern gesteinigt oder verbrannt — wenn sie die Macht dazu gehabt hätten; ich aber stellte ihnen einfach folgendes Argument entgegen: „Hat vc. Cohn mit seinen Reformen nur Gutes und Redliches im Sinne, beabsichtigt er durch dieselben unserer heiligen Religion zu nützen, so sollte er mir dafür danken, daß ich solches der Welt verkünde; vielleicht folgt sie seinem Beispiele. Da es ihn aber verdrießt, so fürchtet er das Urtheil der Welt und hat Unrecht." Während der hohen Festtage (ll'ttiv.-i v'v') waren hier, außer den zwei ständigen Synagogen, noch sieben provisorische errichtet, welche alle sehr besucht waren; man darf die Anzahl der hierwohnenden Israeliten auf 2,500 anschlagen, von denen 700 zur Gemeinde „Emanuel" gehören. Acht von diesen Synagogen hielten den Gottesdienst in altherkömmlicher Weise ab; nur die Gemeinde „Emanuel" läßt sich die höchst lächerlichen Reformen ihres Predigers gefallen; um nur eine davon anzuführen, bemerke ich, daß die Keduschah nicht mehr von der Gemeinde gebetet, sondern von christlichen Chorsängern im Vereine mit jüdischen Mädchen und bei den Klängen der Orgel abgesungen wird. Die Gemeinde hat nur das Vergnügen des Zuhörens. Uebrigens ist Herr I)r. C. ein vorzüglicher Prediger; auch predigt er manchmal gegen die leider allgemein gewordene Sabbathverletzung. In anderer Beziehung aber steht er nicht auf dem Boden des Judenthums. Seine Tiraden gegen die Messiasidee sind wahrhaft lächerlich, „wer wollte wohl, sagte er unter Anderm, nach Jerusalem zurückkehren und sich unter das Joch eines Königs beugen, während wir hier irr voller Freiheit leben!" So wahnbefangen faßt ein jüdischer Prediger das Judenthum auf! Nach seiner Ansicht ist die Zerstörung Jerusalems die Realisirung der Messiasidee, weil dadurch die Juden nach allen Weltgegenden zerstreut wurden, um dadurch das Licht der Wahrheit, die Erkenntniß des einzigen Gottes in allen Weltgegenden zu verbreiten. Wie ich Ihnen bereits mitgetheilt habe, geht man damit um, das Merzbach'sche Gebetbuch dahier einzuführen. Dieses enthält nicht allein nur sehr wenig, dieses Wenige ist auch durchaus nicht dem Geiste des Judenthums entsprechend: kein Messias, keine Auferstehung der Todten, kein Jerusalem, kein Muffaphgebet. Doch das ist ja das Ideal des Reformjudenthums, die Synagoge in ein Schauspielhaus zu umwandeln, in welchem die Herren und Damen um 9^ Uhr im Parterre erscheinen, um zu hören und zu schw... eigen. Christen spielen die Orgel und singen dazu, man declamirt einige Verse aus der Thora, der Prediger verliest eine deutsche Haphtharah, (durch den dreijährigen Ciclus gibt es jetzt deren 150), die Thora wird wieder in den Hechal getragen, die jüdische Gemeinde schw.eigt und die christlichen Choristen singen dazu. — In der Religionsschule der Gemeinde „Emanuel" wurden bisher die von dem frommen Rev. Isaak Leeser in Philadelphia verfaßten Schriften benutzt; diese sind jedoch für Hrn. vr. L. zu finster; das Helle Licht der Reform soll schon in dem jugendlichen Herzen angezündet werden; die Kinder sollen nicht mehr erfahren, was Ztzith, Tephillin oder Mesrffah ist, nicht mehr was Pefach, Mazah und Maror, nicht mehr was Asarah betebeth und Tischah beab — das reine Judenthum sollen sie lernen, und dieses besteht nach unfern Reformhelden darin, daß man gar Nichts zu halten braucht. Durch Zufall verspätet! Red.