Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 4 (1863)
- Issue
- Heft 19 (13.5.1863)
- Date
- 1863-05-13
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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229 Naööi Umrams Tod.^) (Schluß.) Jetzt war die Todeskund' gewiß, Wer malt den tiefen Schmerz! Sie reißen sich den Trauerriß, Er dringt bis in das Herz. Stumm bringen sie den Sarg heraus, Zu wallen nach dem Gotteshaus. Doch kaum gestiegen an das Land, Empfängt sie Spott uns Hohn; Den Sarg entreißt man ihrer Hand Und jagt sie selbst davon: „Nicht Euch geziemt der heil'ge Mann! Der Mann gehört der Kirche an! Der Kirchenvogt sogleich gebeut, Zu bringen Kreuz und Krön; Daß er den Sarg zur Kirch' geleit In heil'ger Prozession. Und Alles drängt sich Groß und Klein, Ein Jeder möchte Träger sein. Doch sieh der Sarg vorhin so leicht, Wird plötzlich mächtig schwer; Umsonst ist alle Kraft, er weicht Nicht von der Stelle mehr. „Er bleib'!" ruft jetzt des Fürsten Grimm, „Wir bau'n die Kirche über ihm." Umsonst der Juden Ach und Weh, Umsonst ihr brünstig Fleh'n; Die Amrams-Kirch steigt in die Höh, Der Sarg bleibt drunter stehn Und eine Wache steht dabei, Daß sie der Leiche Hüter sei. Da zeigt der Rabbi sich im Traum Zu Cöln der Jüngerschaar: „Nicht ruhen darf in fremdem Raum, Was einst mir Hülle war. Zur heil'gen Stund', um Mitternacht, — Die Wache schläft, Gott schützt und wacht." — Sie schreiben gleich nach Mainz hinauf An ihre Brüderschaft, Die leget sich ein Fasten auf Und sammelt Gotteskraft. Um Mitternacht, zur heil'gen Stund', Umgehen sie der Kirche Rund. „Die Wache schläft, Gott schützt und wacht,"— Sie treten ein mit Muth; Der Leichentausch ist schnell vollbracht, Und Alles ist nun gut. Jetzt ruht er bei den Seinen doch, — Die Kirche auch steht heute noch. — der Anmerkung dazu mitgetheilt haben, als Originalarbeit eingesandt war. Beim Schluffe des Blattes erfuhren wir, daß diese Dichtung schon gedruckt und Herrn A. Tendlau in Frankfurt a. M. zum Verfasser haben soll. Herr T. theilte uns darauf mit, daß die erwähnte Dichtung unter dem Titel „die Amramskirche zu Mainz" in seinem „Buch der Sagen und Legenden, zweite Auflage, Stuttgart bei Cast," abgedruckt sei. Das betreffende Buch liegt uns jetzt vor, und wir geben hiermit den Schluß, durch welchen unsere Nachbemerkung in Nr. 16 erledigt wird. Zugleich erfahren wir aus Hrn. T.'s Anmerkungen und Erläuterungen, daß nicht Maaße Nißim, sondern „das Maaße-Buch" und Schalscheleth Hakkabalah die Quellen der Sage sind Zugleich erzählt Herr T., daß er, als er einst als Knabe mit Rabbi Herz Scheuer spazieren ging, von diesem aus ein altes Gemäuer in der Nähe des Holzthores in Mainz aufmerksam gemacht worden sei, woselbst ein Schiffchen, auf dem Rheine treibend, und eine Menge Volkes, darunter der Bischof, staunend am Ufer, in hochrother Farbe abgebildet zu sehen war. Dieses alte Gemäuer existirt nicht mehr; wie uns berichtet wird, stand in der Nähe des Holzthores ein altes Haus, welches den Namen „zum Schiffchen" trug; dasselbe ist jedoch niedergerissen, überhaupt ist der ganze Stadttheil in der erwähnten Gegend durch den Bau der hessischen Ludwigsbahn und deren großartigen Bahnhof durchaus verändert Herr Tendlau ertheilt uns in seinem Schreiben die Ermächtigung zum Abdrucke seines Gedichtes; er spricht ferner die Vermuthung aus, „daß uns Jemand mit der Einsendung einen Streich habe spielen wollen, um darauf Weiteres zu bauen." Wir stimmen dieser Vermuthung bei; hätten wir nicht noch zur rechten Zeit von dem wahren Sachverhalte Kunde erhalten, wir würden wahrscheinlich bald darauf in dm uns feindlichen Blättern des Plagiates angeklagt worden sein. Der verehrliche Leser ersieht daraus, wie man sich bemüht, uns Fallstricke zu legen. — *) Wir haben in Nr. 16 d. Bl. unter obigem Titel eine Dichtung gegeben, die uns, wie wir bereits in