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Der Israelit · 1863-05-13 · Heft 19 (13.5.1863) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
4 (1863)
Issue
Heft 19 (13.5.1863)
Date
1863-05-13
Page
– (sequence 8)
Language
German
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226 gebung umschauen und nur Ruinen erblicken, wo ehedem, da Israel noch in seinem Lande wohnte, um diese Zeit das freudigste Festgetümmel herrschte. Die Berge, auf denen es damals wogte von herrlichen Heerden, aus denen sich jedweder sein Peßachopfer wählte — ach, nicht einmal Gras wächst auf ihnen — nur Dornen und Disteln. Todesöde liegt auf ihnen und auch sie scheinen zu trauern ob der Herrlichkeit, die von ihnen gewichen, seitdem Juda in die Verbannung wandern mußte. — Diese traurige Stimmung zu erhöhen, dazu trägt nicht wenig das festliche Gewühl bei, welches um diese Zeit unter den Bekennern der anderen Religionen herrscht, denn auch die Beduinen und die andern Muhamedaner aus der Umgegend Jerusalems eilen nach der heiligen Stadt, um in feierlichen Aufzügen nach dem Grabe — Moscheh Rabbenu's zu Wallfahrten. Du staunst lieber Leser? Du hast ein Recht zu staunen, denn erstlich liegt unser Lehrer Moscheh jenseits des Jordans, und zweitens kennt ja kein Mensch die Stätte seines Begräbnisses. Es hat aber damit folgende Bewandtniß: vor vielen Jahren fürchtete ein Pascha von Jerusalem das Zusammenströmen der Christen zum Osterfeste. Um ein Gegenwicht dagegen zu haben, verkündete er seinen Glaubensgenossen, Moses ben Amram sei ihm im Traume erschienen, habe ihm seine Grabstätte in Jerusalem (!!) gezeigt und habe den Wunsch ausgesprochen, daß die Muhamedaner alljährlich um diese Zeit nach seinem Grabe wallfahren sollten! — So strömen denn Christen und Moßlemim in feierlichen Aufzügen nach der Stadt unseres Gottes, während ehedem Juda und Israel, zahlreich wie der Sand am Ufer des Meeres herbeikamen, um zu erscheinen vor dem Antlitze des Herrn, des Ewigen Zebaoths, um das Peßachopfer darzubringen zur bestimmten Zeit! Solche Erinnerungen umlagern das Gemüth der Bewohner Zions, so daß ihnen entschwindet die Süße des Lebens! Diesen trüben Erinnerungen entspricht denn auch die Feier des Rüsttages zum Peßachfefte an der Westwand der Tempelruine; vom Anbruche des Tages bis zum Sonnenuntergänge eilen i« großen Gruppen die Israeliten Jerusalems dorthin, und der Kummer ihrer gebeugten Herzen ist deutlich in ihren Gesichtern zu lesen. Dort erheben sie weinend und jammernd ihre Stimme, beklagen die noch immer nicht geheilte Wunde unseres Volkes, suchen durch eifriges Gebet, „durch das Ausströmen der Seele" das Peßachopfer zu ersetzen, und aus allen heiligen Schriften wird verlesen jedwede Erinnerung an das einstige Peßachfest. Herzueilen die Fremden, welche aus Europa hierherkommen, auch sie werden ergriffen vom bloßen Schauen dieser tiefen und ernsten Trauer und bekennen, daß sie Solches noch nimmer gesehen. — (Nach Halebanon). Jerusalem. Die Zeitschrift „Halebanon" berichtet, daß von Seiten eines Arabers ein Mordversuch gegen den englischen Consul gemacht worden; der Verbrecher ist gefänglich ein gezogen. Feuilleton. Sehnsucht. Kennst du das Land? das einst so schöne Land? Das heil'ge, das Wunderland genannt! Weil dort zum Staunen Großes einst geschah. Wie schrecklich liegt es jetzt verödet da, Und dem Vulkane gleich, ist's ausgebrannt! Wohl geht sein Mißgeschick mir schmerzlich nah; Darob ich ruf: O mög es wieder blüh'n! Dahin, dahin, möcht im Triumph ich zieh'n! Kennst du die Stadt, die einst so schöne Stadt, Wo Er, der einige Gott, gethronet hat, Die Salomo und David krönen sah? Wie liegt sie jetzt so einsam trauernd da; Von alter Herrlichkeit nur schimmernd matt; Wohl geht ihr Mißgeschick mir schmerzlich nah, Darob ich ruf: O, möcht ihr Glück doch blüh'n! Dahin, dahin möcht im Triumph ich zieh'n! Kennst du das Volk, bas Volk des Herrn genannt, Weil freundlich Er zu ihm sich einst gewandt, I Da Er sich ihm gezeigt auf Sinai? Ha!! Ihm ward ein Loos, wie's keinem Volk geschah, In alle Welt zerstreut ist's jetzt, verbannt! Wohl geht sein Mißgeschick mir schmerzlich nah, Darob ich ruf; O möcht sein Glück doch blüh'n! Und im Triumph mit ihm ich heimwärts zieh'n! Reichmannsdorf, den 4. Februar 1863. 8. NaL8, Religionslehrer. (Hierbei eine Beilage.) Verantwortliche Redaktion: vr. Lehmann. — Verlag der Le Rouk'schrn Hofdnchhandlung. — Druek von I. GottSleben in Mainz.

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