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Der Israelit · 1863-05-13 · Heft 19 (13.5.1863) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
4 (1863)
Issue
Heft 19 (13.5.1863)
Date
1863-05-13
Page
– (sequence 3)
Language
German
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221 Sehnsucht aller glaubens- und vertrauensvollen Israeliten ist: 112p 12M 1121 sl'L 1' '2 M-dufch Halrbanah, von H. Die liefe Bedeutung jüdischer Ritualvorschriften zu zeigen, ist den Verhältnissen der Neuzeit gegenüber, als Pflicht und Aufgabe der jüdischen Presse zu bezeichnen. Denn nur die Unkenntniß von den Lehren des Judenthums und deren erhabenem Sinne bewirkt häufig den Abfall von denselben, und hierüber aufgeklärt, würde Mancher der Religion seiner Väter getreu bleiben. Versuchen wir es mit dem Kiddusch ha-lebanah 7122^.-1 eine bei Ansicht des Neumonds zu sprechende Gebetsformel. Die Unwissenheit findet hierin ein Anbeten des Mondes. Der Widersinn dieser Behauptung liegt zu deutlich; das Judenthum, dessen alleinige Basis die Einheit Gottes ist, sollte die Verehrung eines Himmelskörpers anordnen! Doch lassen wir den gelehrten Rabbi Jsak Ermai sprechen. Was derselbe in seinem trefflichen Werke Akedath Izchak, Abschnitt 37, über den ehemaligen Opferkultu: am Tage des Neumonds sagt, kann auch zum Theit für das Kiddusch ha lebanah gelten. Wir geben seine Worte theilweise wieder — „Dem aufmerksamen Beobachter kann die Abhängigkeit des Mondes nicht entgehen. Keine eigne Lichtmaterie besitzend, ist er auf die Sonne angewiesen, deren Strahlen ihn nach seiner Stellung zu derselben theilweise oder ganz beleuchten Trifft ihn nun gar der Schatten der Erde, so ist es mit seiner Herrlichkeit vollends dahin. Diese Botmäßigkeit, welche andere Himmelskörper theilen, zeigt die Unfähigkeit, selbst mächtig zu sein und läßt auf ein höheres Wesen schließen, das diese Anordnungen getroffen hat — — auf Gott. So ist also der stete Lichtwechsel des Mondes ein sprechendes Zeug n iß von der Einheit und Allmacht Gottes und dieses Moment benutzt das Judenthum, um in den Worten: „Gepriesen seist Tu, Ewiger, der Du durch Dein Wort den Himmel und seine Heerschaaren geschaffen," seine Religionsbast's niederzulegen. Hierzu kommt noch, daß der Mond einen getreuen Abdruck der Erlebnisse, überhaupt der Geschichte des Judenthums darstellt. Während fünfzehn Herrschergeschlechter, von Abraham dem Patriarchen bis Salomon, war die. Macht der jüdischen Nation, gleich den fünfzehn Tagen des wachsenden Mondes, im steten Zunehmen Die bescheidene Familie Jacob s ward zum Volke, das sich mit den Waffen in der Hand ein Vaterland eroberte, welches unter David der Schrecken seiner Nachbarn wurde. Ein mächtiges, geistig vorgeschrittenes Reich übernahm dessen Nachfolger Salomo und brachte seinen Ruhm und Glanz auf den Gipfelpunkt — der Vollmond Seine Regierung war das goldene Zeitalter der Juden. Dann schritt die Nation allmählich ihrem Untergange entgegen, das schöne Reich ward zek stückelt und in Folge hiervon unterjocht Immer schwächere Regenten folgten auf einander, bis nach fünfzehn Königsgeschlechtern unter Zidkiah der volle Ruin eintrat. Das waren die fünfzehn Tage des abnehmenden Mondes und endlich „er blendete die Augen des Königs Zidkiah" (Kön. 2 25, 7) Treffender kann die Geschichte der jüdischen Nation nicht versinnlicht werden, getreuer kann sie kein Bild wiedergeben. Darum richtet und rechnet das Judentbum seine Fest- und Feiertage nach dem Mondlauf; darum spricht es bei Ansicht des Neumonds die hoffnungsvollen Worte: „Wie Du den Mond erneuest, das Sinnbild der jüdischen Nation, wirst Du auch diese neu aufblühen lassen." Möge dieser Zeitpunkt recht bald eintreten! Dr. Gabriel Rieffer. Wir haben bereits in Nr. 17 d. Bl. den Tod Gabriel Rieffer's gemeldet und haben zugleich mit wenigen Worten den Standpunkt gekennzeichnet, welchen wir dem hervorragenden Manne gegenüber einnehmen : „R. hat sich große Verdienste, nicht um das Judenthum, doch um die staatlichen und bürgerlichen Verhältnisse der Juden erworben." Gabriel Riester wurde am 3. April 1806 in Hamburg geboren. Sein Vater Lazerus Riesser var ein talmudisch gebildeter Mann, seine Mutter war die Tochter des berühmten Oberrabbiners von Altona, Hamburg und Wandsbeck, R. Raphael Cohen In der Zeit von Riesters Jugend fallen die ersten Kämpfe gegen die sog. Reform In Hamburg war der berüchtigte Tempel errichtet worden, an welchen erst Kley und dann Salomon als Prediger berufen wurden. Um diese verderbliche Richtung mit den eigenen Waffen zu bekämpfen, wußte es Lazarus Riester durchzufetzen, daß der selige Chacham Bern eis als Oberrabbiner in Hamburg angestellt wurde; leider wurde das gute Einvernehmen zwischen diesen beiden Männern bald gestört, so daß dem vorzüglichen Denker B wohl wenig Einfluß auf die geistige Entwickelung des jungen Gabriel gestattet war, ein Einfluß, der, da er auf den größten Theil der Hamburger Jugend derart wirkte, daß Hamburg im Großen und Ganzen noch heute eine

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