Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 4 (1863)
- Issue
- Heft 19 (13.5.1863)
- Date
- 1863-05-13
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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220 Hände übergehen könnte, die sie nicht wieder abgeben möchten; es ist also an der Zeit, die noch nothwendigen Bauplätze baldigst zu acquiriren, Wpzu jedoch bedeutende Geldmitkl auf einmal z« verwende« wären. Da ferner die Spenden nur nach und nach eingehen, das löbliche Comits jedoch nach nur zu billigenden Grundsätzen lediglich schon eingegmgene Spende« verwenden läßt und es nicht duldet, daß Schulden contrahirt werden, so kann natürlich der Bau nur langsam und unter häufigen Störungen vorschreiten; die günstigsten Zeitpunkte müssen häufig aus Mangel an vorhandenen Mitteln versäumt — kurz, das ganze Unternehmen kann nur langsam und schläfrig betrieben werden. — Ganz anders und der Ehre und des Ruhmes unserer Nation würdiger würde sich die Angelegenheit gestalten, wenn es uns gelingen möchte, eine bedeutende Summe, vielleicht dreißig bis füufzigtausend Gulden oder rwch mehr auf einmal zu schaffen und zwar so zu schaffen, daß die gegenwärtigen Sammlungen für d. A. d. h. L. sowie für das Bauunternehmen selbst gar nicht dadurch behindert würden. Wie das möglich sein wird, wollen wir in Folgendem auseinanderzusetzen versuchen. Als im Jahre 59 die hundertjährige Geburts feier Schillers in ganz Deutschland mit großer Begeisterung begangen wurde, da erinnerte man sich tief bekümmert der äußeren Noth, mit welcher der Dichterfürst während feines Lebens zu kämpfen hatte; man gedachte seiner vielen Schicksalsgenossen unter den Dichtern und Schriftstellern des deutschen Volkes und beschloß, zur Abhilfe oder doch Linderung dieses traurigen Zustandes, eine Schillerstfftung ins Leben zu rufen. Man fing an, zu diesem Zwecke Beiträge zu sammeln, die jedoch nur spärlich eingingen. Da errichtete der nunmehr verstorbene Major Serre die Schillerlotterie, welche der Stiftung Hunderttausende zuwandte. Ein ähnliches L o L t e ri e u n t e r nehmen möchten wir zu Gunsten des Baues von Armen- und Pilgerwohnungen in Jerusalem in's Leben gerufen wissen. Vor Allem müßte für diesen Zweck ein besonderes Comite bestimmt werden, welches etwa aus fünf Mitgliedern bestände, die in den verschiedensten Gegenden wohnhaft, zugleich als Generalagenten für dieselben wirkten. Die erste Aufgabe dieses Comite's wäre dann die Erlangung der behördlichen Genehmigung; die zweite, ein Aufruf an alle wohlhabenden Israeliten, dahin gehend, daß dieselben zu Gewinnen sich eignende Gegenstände schenken. Wir glauben annehmen zu dürfen, daß jeder isr Fabrikant es sich zur Ehre rechnen wird, einen Gegenstand seines Fabrikats von größerem oder geringerem Werthe zu diesem schönen Zwecke zu schenken, daß jede jüdische Perlagshaudlung ein bei ihr erschienenes. Werk spenden, daß jede edle jüdische Frau und jedes hochherzige jüdische Mädchen sich beeilen wird, eine Handarbeit dazu anzufertigsn. Gewiß werden sich .auch unter den reichen Glaubensgenossen Manche finden, die dem ComitL werthvolle Gegenstände verehren, welche als große und bedeutende Gewinne das große Publikum zum Ankäufe der Loose veranlassen, so daß der Nettoertrag der Loose ganz und gar dem Bauunternehmen zugewandt werden könnte. Was nun den Vertrieb der Loose betrifft, so hätte derselbe durch die Gabbaim für Erez Jisrael, die ja bereits allüberall thätig sind, zu geschehen. Es unterliegt keinem Zweifel, daß, wenn man den Preis der Loose niedrig stellt, etwa einen Thaler, in Oesterreich, Preußen, im übrigen Deutschland und Holland eine ungemein große Anzahl derselben abgesetzt werden; möglich, daß es auch gelingt, unsere Glaubensgenoffen in England, Frankreich und Amerika hierfür zu interesstren und so dem Bauunternehmen binnen Jahresfrist rine Summe zuzuweisen, die sonst in Jahrzehnten nicht zusammengebracht worden wäre. Wir erlauben uns, das löbl. Somit«, also die Herren Oberrabbiner Ettlinger, vr. Hildesheimer und Joseph Hirsch (in Halberstadt) zu ersuchen, dieses unser Project einer reiflichen Erwägung zu unterziehen, seinen deßfallsigen Beschluß in diesen Blättern zu veröffentlichen, im Falle der Genehmigung das deßbezügliche ComitL zu ernennen und überhaupt die einleitenden Schritte zu treffen. Selbstverständlich ist es wohl, daß die Mitglieder des zu creirenden Comite's sowohl als auch sämmtliche dafür anzustellende Agenten dieVerwaltung und den Betrieb in ebenso uneigennütziger Weise übernehmen, wie bisher Alle gewirkt haben, die bis jetzt für dieses Unternehmen thätig waren. Wir zweifeln nicht daran, daß dieser unser Plan von allen Freunden Zions und Jeruscholajims mit freudiger Begeisterung ausgenommen wird. Wir bitten daher Diejenigen, welche im Falle des Zustandekommens zu bedeutenderen Gaben sich entschließen, diesen Entschluß uns mitzutheilen, uns jedoch vorläufig noch keine Gegenstände zu übersenden. Sehr erfreulich würde es und auf das Zustandekommen von nicht geringem Einflüsse sein, wenn uns baldmöglichst einige derartige Gaben angezeigt würden, welche als große Gewinne siguriren können. Schließlich erlauben wir uns noch einmal auf die Wichtigkeit des Zweckes aufmerksam zu machen; es handelt sich in erster Linie darum, unfern bedauernswerthen und verkümmerten Brüdern in der heiligen Stadt menschliche Wohnungen zu verschaffen, dann aber auch durch Grundbesitz wieder festen Fuß im Lande unserer Väter zu fassen, in dem Lande, dessen einstige Wiedererlangung die heißeste