Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 4 (1863)
- Issue
- Heft 18 (6.5.1863)
- Date
- 1863-05-06
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2446951-2447089-2447107--01872-2457167- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
216 Vorwürfe über fictiöse Zusammenstellungen und unrichtige Folgerungen machen. Dies ist ein Vorgehen derjenigen» welche die Orthodoxie als intolerant verschreien. Ich möchte nur die einfache Frage aufstellen: Seit wann schämt sich denn der Israelit als solcher öffentlich sich zu bekennen? Seit wann fühlt der Jude durch die Ausübung seiner relig. Gebräuche sich erniedrigt? Und wie, gibt lsich der Fortschritt der Zeit und die angestrebte Gleichberechtigung etwa in der Aufhebung unserer relig. Gebräuche bester kund, als in der unbeirrten, unbeeinträchtigten Zulassung und Beibehaltung derselben? -Und endlich, woher hat der H. Rabbiner H. den für das in ausdrückliche Verbot .->^2 wn-Q i'LQ zu welchem doch jede, zur Bekräftigung des Eides ausgesprochene 2^71 zu rechnen ist? Die geehrten Leser dieser gesch. Blätter mögen die Bedeutung dieser Meinungsäußerung der bezeichneten H. Oberrabbinen nicht unterschätzen; denn, kann der wichtige Act des Eides unter Anrufung Gottes und Verlesung des hierauf bezüglichen Meineidsverbotes aus der rnm unbedeckten Hauptes vollzogen, und so das von mir angeführte Verbot in '8L ri'V'-r übergangen werden; dann bedarf es nur noch eines Schrittes dieser Fortschrittsmänner, nur noch einige Schriftzüge von ihrer thätigen Hand, nur wenige Worte aus ihrer fruchtbaren Feder und die Pforten unserer Tempel eröffnen sich für viele zur Andacht barhaupt eintretende Israeliten. Ist nun die angeregte zur allgemeinen Geltung zu bringende Barhauptbeeidigung der Israeliten ungerecht und irreligiös, so sind die vom H. Oberrabbiner H. zu deren Motivirung angeführten Gründe „damit Rabbinen und Orthodoxen kein Aergerniß entstehe, wenn sich Einige herausnehmen unbedeckten Hauptes zu schwören" geradezu lächerlich und bedürfen keiner weitern Widerlegung. U. L. Feuilleton. Auszüge von Erzählungen, Gleichnissen, Gedanken und Meinungen, wie Erklärungen von Schriftstellen, aus hebräischen Werken. Von Fosepk knmivL in Lrvolsn. „Und das Trinken war nach dem Befehl, ohne Zwang, denn so hatte es der König verordnet, jedem Obersten seines Hauses, zu thun nach dem Willen Jsch woisch." Damit, bemerkt Raba (Megila 12) sind gemeint Mardechai und Haman und heißt also hier, nach dem Willen dieses und jenes Mannes. Den tiefen Sinn dieser Bemerkung entziffert der Verfasser des Kol Jakob, berühmt unter dem Namen Dubnoer Darschan, mit einem Maschal, in welcher Erklärungsweise derselbe eine Meisterschaft bekundete. Einem Manne starb die Frau und ließ ihm einen lieben, gutartigen und hoffnungsvollen Knaben zurück. Die häuslichen Verhältnisse, wie die Erziehung des Knaben veranlaßten den Vater zu einer zweiten Heirath, und er wählte sich eine Frau, der es an den Eigenschaften einer guten Gattin, sorgsamen Hausfrau und zärtlichen Mutter nicht zu fehlen schien. Nach Verlauf von einigen Wochen in dem ehelichen Leben versank jedoch dem Manne allmählich das Bild seiner freudenvollen Hoffnung in dunkle Schatten. Die Frau behandelte den Knaben gleichgiltig und kalt, und er hatte an der neuen Mutter keine sorgsame, treue Pflegerin. Der Vater fand in dieser Behandlung Ursache, seine Sorgfalt und Zärtlichkeit gegen den Knaben zu verdoppeln und entschädigte ihn mit allerlei Vergnügungen für erlittene Lieblosigkeiten. Dies ärgerte die Frau, er wies sie zurecht, und ließ sich weder in seinen strengen Maßnahmen gegen ihr eigensinniges und zänkisches Wesen, noch in seiner väterlichen Schuldigkeit beirren. Der Knabe hatte das Unglück, von einer Krankheit befallen zu werden. Der für dessen Wiederherstellung ängstlich besorgte Vater nahm sofort die Hilfe eines erfahrenen und vortrefflichen Arztes in Anspruch, und die gütige Vorsehung segnete die angewandten Heilmittel, daß der Knabe genas. Der Arzt rieth dem über die Genesung seines Sohnes lebhaft entzückten und um die Erheiterung des Knaben schon bemühten Vater Mäßigkeit in der Pflege an, namentlich daß er strenge darauf sehe, daß der Knabe bis nach einigermaßen gestärkter Gesundheit äußerst wenig esse und trinke, damit er nicht durch einen Rückfall in eine unheilbare Krankheit verfalle. Als der Genesene wieder zum ersten Male am Tische der Eltern saß, setzte ihm die Mutter ein wenig Speise vor. Der Vater hatte nichts Eiligeres zu thun, als von dem Wenigen, welches die Mutter ihm gereicht, noch wegzu nehmen, mit den Worten, „noch zu viel für dich mein Sohn!" Der bekümmerte Knabe starrte ihn an und klagte: „Mein Vater! Dü hast Dich sehr geändert, die Mutter scheint Dein Herz mir entzogen zu haben, Du bist nun mit ihr einerlei Meinung, mich verhungern zu lassen." Gerührt faßte der Vater seine Hand und lächelte: „Mein Sohn, Du mißkennst meine Güte, ich bin zwar mit Deiner Mutter einerlei Meinung in der Weigerung, Dich nach Verlangen genießen zu lassen, jedoch aus verschiedenen Gründen, sie aus Geiz und Mißgunst, ich aus Liebe und zärtlicher Sorgfalt. Es ist mir ärztlich angesagt worden, mit Genüssen Dich so lange zu verschonen, bis Du völlig gesund sein wirst. Mein Wunsch Dich sattsam zu pflegen, weicht also der Verordnung