Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1863-05-06 · Heft 18 (6.5.1863) · page 8

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
4 (1863)
Issue
Heft 18 (6.5.1863)
Date
1863-05-06
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2446951-2447089-2447107--01870-2457165
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

214 Feuilleton. Auszüge von Erzählungen, Gleichnissen, Gedanken und Meinungen, wie Erklärungen von Schriststellen, aus hebräischen Werken. Von losepll kaivler in Lrsglsn. Erklärung der Kidusch-Benedeiung. v^LQ." Der Tur Orach Chajim §. 271 gibt sich Mühe diesen Satz zu erklären: „Möglich," bemerkt derselbe, sind diese Worte dahin zu verstehen, daß der Schabbothtag den ersten zu den Tagen heiliger Festverkündigungen ausmacht, welche eine Erinnerung an den Ausgang aus Mizrajim bewerkstelligen. Der Rambam schreibt, daß die Schabboth-Ruhe wie der Auszug aus Aegypten das Vorhandensein eines ewigen, allmächtigen, unumschränkten, von keinen andern als von seinem eignen Willen abhängigen Wesens beweisen. Deshalb steht: 5. B. M. 5. 15 „Und gedenke, daß Du Knecht gewesen im Lande Mizrajim, und der Ewige, Dein Gott, Dich von dort u. s. w. herausgesührt hat, darum hat der Ewige, Dein Gott, Dir geboten, den Ruhetag zu halten;" d. h. wenn Du noch etwa daran zweifeln solltest, was der Ruhetag lehrt, daß es nämlich einen Schöpfer gibt, der die Welt erschaffen, und die ganze Schöpfung nach seinem heiligen Willen leitet, so erinnere Dich der Erlösung aus Aegypten, wo Du genügende Beweise seiner Allmacht und Liebe erfahren. Demnach rufen Schabboth und Jeziath Mizrajim in gleicher Richtung ihre Bedeutung in's Gedächtniß und unterstützen einander mit Beweisen. — Indem ich mir bewußt bin, welches Wagniß und welche Kühnheit ich begehe, wenn ich eine Erklärung zu einer Stelle zu geben mich unterstehe, die bereits Größen ersten Ranges zum Gegenstand ihres Nachdenkens gemacht, ohne es zu einem günstigen Resultate gebracht zu haben, kann ich nicht umhin, die Aufmersamkeit des urteilsfähigen Lesers auf meine Beleuchtung zu richten, und bitte, wenn ich fehl gegangen, mich eines Bessern zu belehren. In der heiligen Schrift finden sich zwei Gründe für die Schabbothrnhe, der eine aus der Schöpfung, 2. B- M. 31. 15—18, der andere aus der Befreiung aus Mizrajim, in den oben angeführten Worten enthalten. Letztere Begründung erkläre ich dahin, wenn Gott eine immerwährende alltägliche Arbeit von Dir verlangte, so ließe er Dich in dem i ägyptischen Sklavendienfte; er befreite Dich aber davon, darum hat der Ewige Dir den Ruhetag zu Hallen geboten. — Zu meiner freudigen Ueberraschung scheint meine Austastung des in Rede stehenden Verses mit Tausfoth, Pesachim 119. 2., anfangend lewaan! j tüskor zusammenzutreffen. — Die Verfasser unserer j Gebete haben also wohlweislich die Erwähnung dieser beiden Gründe für die Heilighaltung des Schabboth in der Kidusch-Benedeiung angeordnet. Wir sollen es gläubig aussprechen, daß Gott an diesem Tag geruhet, und nach vollendeter Schöpfung ihn gesegnet, und dadurch laut und öffentlich bekennen den Glauben an Einen Gott, den allmächtigen Schöpfer und Regierer des Himmels und der Erde; wir sollen uns der Befreiung von der knechtischen Arbeit in Mizrajim zum Zwecke der Feier am Schabbothtage erinnern, und nicht von der Sorge für das Irdische hingenommen, nicht uns in ihr verlieren und für sie geschaffen zu sein wähnen. Das Gemüth des Menschen, durch die Geschäfte der Woche zerstreut, sammele sich wieder; sein Inneres, dem leiblichen Kummer sich entschlagend, werde gemahnt an das Höhere und an den Höchsten. — — Demjenigen, welcher den Schabbothtag der angenehmen Ruhe und dem Vergnügen weihet, bemerkt Rabbi Jochanan imNamen des Rabbi Joße, wird ein unermeßliches Erbgut zu Theil, was auch aus der Schrift zu erweisen ist: Jeschaja 56, 13 u. 14. „Wenn Du am Ruhetag Deinen Fuß zurückhälst, daß Du nicht Dein Begehren an meinem heiligen Tage thust, und den Ruhetag eine Lust nennst, u. s. w., dann wirst Du Dich am Ewigen vergnügen, ich laste Dich auf den Höhen der Erde einherfahren, und laste Dich das Erbe Jakobs Deines Vaters genießen" ....; nicht das begrenzte Erbe Abrahams, nicht das begrenzte Erbe Jizchaks wird hier verheißen, sondern das unbegrenzte Erbgut Jakobs, wie es steht, 1. B. M. 28, 14. „Und Du sollst Dich ausbreiten gegen Abend und gegen Morgen, und gegen Mitternacht und gegen Mittag." Schabboth S. 118. Die Vergeltung ist Middah Keneged Middah, Maaß für Maaß, schreibt Beth Joßeph, Orach Chajim 242, wer in Ausgaben zur Schabbothverehrung kein Maaß kennt, der erhält eine unermeßliche Belohnung. Meines Erachtens liegt dieser talmudischen Lehre eine andere Ansicht zu Grunde: Wer den Schabbothtag als eine Grenze für die gewöhnlichen Geschäfte und Arbeiten der Woche anerkennt, und ihn als einen Tag der bessern Lust und des höheren Vergnügens feiert, dem wird diese fromme Huldigung grenzenlos vergolten; für sein Maaß im irdischen Arbeiten wird ihm maaßloser Segen. — (Hierbei eine Beilage.) Verantwortliche Redaktion: Vr. Lehmann. — Verlag der Le Ronx'schen Hofbuchhandlung. — Druck von I. GottSlrbrn in Mainz.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.