Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 4 (1863)
- Issue
- Heft 18 (6.5.1863)
- Date
- 1863-05-06
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2446951-2447089-2447107--01869-2457164- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Colmar 1× ep/1047872
OCR text
213 Contingent (in meinem früher« Artikel heißt es irrtümlich: Continent!) 'ihren jüngeren Schwestern geliefert haben, so ändert das nicht viel an der Sache, weil auch die ersteren sich durch ihre fortwährende Zerfahrenheit in einem ewig primitiven Zustand er halten. Alles in Allem genommen, wie ließe sich bei derartigem Bewandtniß an den Bestand und gar noch an das Emporblühen einer Schule denken? Lxoiuxla sunt oäiosa. Auch behalte ich mir für einen späteren Bericht die Schilderung der einzelnen Genreinden vor, während ich für diesmal in einem Gesammtbilde unser Ensemble zu geben versuchte. Dennoch will ich heute schon bemerkt haben, daß die traurige Regel, wie ich wahrhaft sie gezeichnet, wohl höchst spärliche, aber um so leichtere Ausnahmen kennt. Spärliche Ausnahmen — trifft hierauf nicht das Sprichwort: Eine Schwalbe kann nicht den Sommer bringen? Geben wir zu, weil wir wißen, daß in der einen oder andern Gemeinde sich eine geistige Capacität an die Spitze der Maße gestellt und von deren Vertrauen gehoben, auch Bedeutendes geleistet: eine Schule ins Leben gerufen, tüchtige Lehrkräfte für dieselbe gewonnen und die nöthigen Geldmittel ihr zugeführt hat, so ist das freilich viel, aber noch lange nicht Alles, weil hiebei die intellektuelle Entwickelung und zeitgemäße Neugestaltung einer ganzen Gemeinde auf der Willenskraft eines einzigen und sei es auch noch so sehr erleuchteten Individuums beruht.— Gewöhnt, in schwierigen Fällen die Weltgeschichte um Rath zu fragen, vergleiche ich auch hier das Kleine mit dem Großen und sage nur, um nur einen Fall hervor zu heben, was aus Theben geworden, nachdem Epaminondas in der Schlacht bei Mantinea gefallen war. Dann sank die Unbedeutende, von der Größe ihres größten Sohnes getragene, in ihre frühere Unbedeutenheit zurück. Und wie hier kam es noch immer, wo das Wohl einer Gesammtheit in der Willigkeit des Einzelnen gewurzelt hat. Wie erst sollte man unseren Schulen ein besseres Horoscop stellen können, wenn sie nicht in der Erkenntniß der Gemeinden, sondern in der Energie des Individuums die kürzere oder längere Consistenz finden? Und welcher Lehrer kann ferner in einer solchen Verbindung genug Beruhigung für die Zukunft suchen, um sich seinen heil. Pflichten mit ungetheilter Kraft und notwendiger Zuversicht hingeben zu können? Darum liegt es auf der Hand, daß wir Schulen, allermeist Schulen haben müssen, wenn und weil wir eine verjüngte Generation in dem alten Glauben der Väter und den Bedürfnissen der Gegenwart gemäß heran bilden wollen. Weiter dürfen diese Schulen nicht wie bisher, den Launen der Einzelnen unterliegen, die sie nach Privatansichten leiten und zu Privatzwecken hinabwürdigen wollen. Diese Schulen müssen meines Erachtens, vielmehr unter Aufsicht und Leitung einer Landesschulbehvrde gestellt, von den Einflüssen der schädlichen Gemeinde-Mißhelligkeiten und der Corporationen völlig emancipirt werden. Unbeirrt und frei, wie der Geist, soll der Lehrer bei der geistigen Entwickelung seiner Jugend, der Gemeinde gegenüber, Vorgehen dürfen. Dafür aber soll er von seiner Behörde, die aus pädagogisch gebildeten Männern mit anerkannt würdigem Charakter zu bestehen hat, um so schärfer controlirt werden. Die Maxime Igelte: Es sei kein Lehrer anzustellen, der nicht von echter Religiosität durchdrungen — (verstehet sich in so ferne wir uns darüber ein Urtheil erlauben dürfen, .-ix-,' '2 als mustergiltiges Beispiel seiner Gemeinde vorgeführt darf werden. Auch muß für denselben gründlich hebräisches Wissen unerläßlich sein. Und wenn all diese Bedingnisse möglichst streng cingehalten werden, dann wird wohl unter Gottes Beistand die Zukunft unserer Gemeinden segensreich und lichtvoll werden.*) lleiuriek IHrv. Frankreich. Colmar. Herr Oberrabbiner Klein hat soeben einen mit vieler Wärme geschriebenen Aufruf zu Gunsten der beschäftigungslosen Arbeiter erlassen, der gewiß in allen edlen Herzen den erfolgreichsten Wiederhall finden wird. — (L. F. d. I.) Amerika. New-Nork, den 16. April. Zum verflossenen Peßachfeste wurden in hiesiger Stadt von den verschiedenen Gemeinden und wohlthätigen Anstalten mehr als 15,000 Pfund Mazzoth an Bedürftige vertheilt. — (I. R.) *) Wir bitte» um gefällige Fortsetzung. Die Red.