Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 4 (1863)
- Issue
- Heft 18 (6.5.1863)
- Date
- 1863-05-06
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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212 aus seinem voluminösen Schimpflexicon, während er selbst zu diesem „schönen Festesten" eine Festrede sandte und von der „erhebenden und großartigen Feier" Schilderung auf Schilderung brachte. Es ist die alte Geschichte, daß die Baalspropheten den Dienern Gottes ins Gesicht schlagen. (1. B. d. Kön. c. 22. v. 24.) Was nun die Mahnung Ph.'s an Journalcirkel und Lesevereine, unser Blatt nicht mehr zu halten, betrifft, — denn das ist des Pudels Kern — so wird dieselbe wohl auf das Haupt der all-gemeinen zurückfallen; sie hat bereits , wie man uns miltheilt, einen beträchtlichen Theil ihrer ehemaligen Leser eingebüßt; sie wird, zumal da sie von Tag zu Tag! langweiliger und bornirter wird, auch den kleinen Rest noch verlieren und an Saft- und Kraftlosigkeit langsam dahinsterben. Schließlich noch die Bemerkung, daß es uns niemals in den Sinn gekommen ist, jene Orgie mit den Zusammenkünften der Chassidim zu vergleichen. Da sei Gott vor, daß wir Männer, deren Anschauungen wir zwar nicht theilen, von denen wir aber annehmen dürfen, daß sie ein Gottgefälliges Leben zu führen beabsichtigen und daß sie sich innerhalb der Schranken des Gesetzes halten, mit Terephot- und Nebeloth-Verzehrern zusammenstellen. — Oesterreichischer Kaiser st aat. Prag. Herr vr. Kämpf, isr. Prediger, der bisher provisorisch an der Universität die Professur bekleidete, wurde mittelst Decret vom 22. v. M. von Sr. Majestät in seiner Eigenschaft als Professor der semitischen Sprache definitiv bestätigt. E. a. Uhjelr. Als das kräftigste Bollwerk gegen die moderne Zerstörungswuth ist eine gut organisirte und mit tüchtigen Lehrkräften ausgerüstete Volksschule zu betrachten. Denn nur unter der Leitung des umsichtigen Lehrers kann die Jugend gedeihen und die Saat der Tugend, gekräftigt durch echten Glauben in sich aufnehmen, während sie im Elternhause nicht selten verderblichen Einflüssen ausgesetzt bleibt, die bei dem Einem im herzlosen Materialismus, bei dem Andern wieder im seelenlosen Aberglauben entspringen. Deshalb bleibt aus der Thunschen Periode das frische Schulleben der besten Erinnerung Werth, weil damals im Lande eine reiche Saat der echten Bildung ausgestreut ist worden, der nur ein längerer Bestand fehlte, um selbst den Stürmen trotzen zu können. Ewig schade , daß diese Stürme über sie kamen, als sie noch viel zu zart in ihrem vegetativen Entwickelungsgange und die Milch der Reife noch lange nicht in ihre Halme eingedrungen war, weshalb sie schon dem ersten rauhen Frost erlag. D. h. um das Gesagte noch einmal recht prosaisch zu sagen: die meisten Gemeinden hatten noch nicht den wahrhaft hohen Werth der Schulen erkannt und duldeten dieselben nur, weil sie hiezu durch behördliche Androhung sich genöthigt fanden. Als hinternach bei veränderter politischer Anschauung dieser Schulzwang nicht mehr in Anwendung kam, waren auch die Schulen wie Morgenwolke und wie Thau, der früh vergeht, dahin geschwunden. Leider, nur einzelne Trümmer sind von all den hoffnungsreichen Schöpfungen in die Gegenwart hinüber gekommen. Fragt man uns aber, warum im Allgemeinen eine solche Antipathie gegen die Schulen herrscht? und ob sie denn wirklich bei uns nicht ihrer Aufgabe genügen? Dann kommen wir auf den zweiten Theil unserer uns gestellten Aufgabe, auf das Gemeindeleben zu reden. Unsere Gemeinden in den Städten nämlich sind meist jüngern Datums, indem deren Mitglieder erst in den letzten zwanzig Jahren aus mehreren Dörfern auf einen Punkt zusammenströmten, und sich möglichst schnell., constituirten. Deshalb aber herrschen immer noch die heterogensten Elemente in denselben vor und das kommt daher, weil ein höheres Prinzip nur in den wenigsten Fällen die getrennten Glieder kittet und wie der Eine und der Andere in seinem früheren Wohnsitz den Patriarchen seiner Familie machte, so will er eine gewisse Autorität mit bornirtem Eigendünkel in die veränderten Verhältnisse hinüber tragen Jedes neue Gemeinde-Mitglied geberdet sich als Eupatride in Duodez-Format und mit der dörfischen Unwissenheit, die man im Allgemeinen mitgebracht, paart sich leicht die städtische Wrchtigthuerei. Jeder will alles sein und es besser als die Andern wissen. Dadurch erwächst der Widerstreit, der nicht eher endet, als bis sich die Commune in Parteien klüftet. Das Ganze zerfällt. Die Gesammtinteressen gehen in Einzelfragen auf und unter. Und darf auch hier nicht übergangen werden, daß selbst ältere „Kehiloths", deren Bestand in eine frühere Zeit hinüber reicht, einen erklecklichen