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Der Israelit · 1863-04-29 · Heft 17 (29.4.1863) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
4 (1863)
Issue
Heft 17 (29.4.1863)
Date
1863-04-29
Page
– (sequence 10)
Language
German
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204 Der die Stern' der Zahl nach kennt, Der alle sie beim Namen nennt. O, möcht' doch ihre Leier tönen Selbst ohne Laut durchs Weltenall, Sie würden trocknen viele Thränen Und schützen oft vor tiefem Fall. Schon bleicher wird der Glanz der Stern*! O bleibt, ich hielt' Euch gar zu gern; Erzählt mir noch, ach, weigerts nicht, Vom Schöpfer, der durch Euch ja spricht. Ihm dank' ich, daß er mich geleitet, Vor mir sein Weltall ausgebreitet, Auf daß der trübe Zweifel schwinde, Auf daß geschützt ich werd' vor Sünde. Es schwand die kurze Sommernacht, Dort tritt hervor in hoher Pracht Der Sterne holde Königin. Sie schau' ich jetzt mit frohem Sinn, Wiewohl vor noch ganz kurzer Zeit, Gar fern mir lag die Heiterkeit. Dank Ihm, dem Schöpfer unsrer Welt, Der Alles ordnet und erhält, Der liebevoll uns schützt, bewacht, Er führt uns jetzt in hoher Pracht Die Königin des Tages zu. Nun endet Alles seine Ruh, Und weit und breit auf Feld und Flur Erhebt sich jede Kreatur, Dem Gütigen zu Ruhm und Preis, Der neu uns zu beleben weiß. Seht dort mit ungestümer Kraft Entledigt nun sich seiner Haft, Dem Bräutigam gleich der Sonnenstrahl, Durchbrichts Gewölk, durchdringt das All, Sich freuend seiner stolzen Bahn, Wo Alles ihm ist aufgethan; Send't Segen hin allüberall, Erfreut, erquickt den Erdenball. Er richtet die Gebeugten auf, Und weit auf seinem langen Lauf, Da schaut er Alles, Freud und Schmerz, Dringt auch belebend mir ins Herz. — Und wie die Sonne mild und hehr, So leuchtet mir nun Gottes Lehr', Die uns den Schöpfer hat genannt, Den sonst wohl nimmer wir erkannt. Sie hat's Gemüth mir jetzt erquickt, Die Zeugen, ^die Er mir geschickt, Sie machten mich, den Thoren, weise, Belehrten mich zu Gottes Preise. Ja, des Entzückens reichste Fülle Beut Gottes segensreich Gebot, Und von dem Aug' entfernt's die Hülle, Macht süß uns selbst den grausen Tod. Die Lieb' zu ihm erhält uns ewig, Sein Recht ist Wahrheit sonder Fehl, Viel lieblicher ist's uns als Honig, Denn Gold weit mehr erfreut's die Seel! O, möcht Dein Knecht es stets doch lieben Mit ganzem, ungetheittem Sinn, Mög' Zweifel nimmer ihn betrüben Vor Sünden auch bewahre ihn; Hälft Du mich fern von Frevlerbrut, Bin ich geschützt vor Lasters Wuth. Hör' gnadvoll an mein flehend Wort, Du güt'ger Vater, ew'ger Hort, Du, der Du wandeltest zur Lust Den Schmerz in der zerriss'nen Brust: O, Du erhab'nes, großes Wesen, Du wirst auch bald Dein Volk erlösen, Damit des Zweifels trüber Wahn Uns fürder nimmer quälen kann. Dann wird entzücket unser Mund Verkünden den erneuten Bund, Dem Strahl gleich, der die Wolk durchbricht, Wird wiedrum leuchten unser Licht, Und alle Völker werden wallen Beglückt zu Zions Festeshallen. Auszüge von Erzählungen, Gleichnissen, Gedanke« und Meinungen, wie Erklärungen von Schriststellen, aus hebräische« Werken. Von Fo8vpb ksvien in Lrvslnn. Und jetzt, o Gott, bist Du unser Vater. (Jeschajah 64. 7.) Zur Erklärung ein Gletchniß. Verarmt an jeder Hoffnung, die das Leben wünschenswerth machen könnte, beweinte eine Waise auf das Bitterlichste den Tod ihres Vaters. Theilnehmende Menschen suchten sie zu besänftigen, ihre Verzweiflung in ein stilles Dulden umzuwandeln, vermochten es aber nicht, die Züge des tiefen Grames, der unauslöschlich auf ihrem Antlitz stand, zu mildern. Schon war sie nahe daran dem Schlage des Schicksals zu erliegen, als ihre Lage einem Manne zu Ohren kam, der durch seine Freundlichkeit gegen Alle, mögen sie in Seide oder Leinwand gekleidet sein, und durch seine Handlungen den Ruhm seines Namens begründete. Der Wohlthätige versprach der Verlassenen den thätigsten Beistand und erfüllte sein Versprechen in seiner Behausung. Sie genoß die befriedigendste Pflege, die beste Erziehung, blühete allmählich den Vorzügen entgegen, die den Weg zur Gunst und Ehre bahnen,

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