Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 4 (1863)
- Issue
- Heft 17 (29.4.1863)
- Date
- 1863-04-29
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2447089-2447106--01860-2457154- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
305 und je öfter sie sich betrachtete, desto tiefer schlug in ihrem Herzen die Ueberzeugung Wurzel, daß sie das Glück, welches sie in ihrer Verzweiflung für einen bloßen Traum gehalten, hier gefunden habe. Es kam die Zeit heran, wo eine Jungfrau sich nach Selbstständigkeit, nach einer Stellung in der Gesellschaft, nach der Huldigung eines Mannes lehnt. Ihr in seiner Güte unermüdliche Gönner beeiferte sich mit allem Ernste eine zusagende Wahl für die Waise zu treffen, indem er sie auch mit einem angemessenen Heirathsgut versorgte. Vor der Trauung fragte der Schreiber die Braut nach ihrem Namen zum Behufs des Einschreibens in die Kethuba (ein Schriftstück, welches das vom Manne festgesetzte Frauengut enthält), sie nannte ihn; der Schreiber verlangte auch den Namen ihres Vaters, die Braut hielt zurück, stand verlegen, fühlte ihre Pulse fliegen und der Schlag ihres Herzens war so ungestüm, daß sie eine Hand auf den Busen preßte; sie begann dann mit fast bebender Stimme zu ihrem Vormund und Erzieher zu sprechen: „Edler, großmüthiger Herr! Sie haben sich bei mir um den schönen Namen Vater verdient gemacht. Von meiner Kindheit auf sind Sie mein Ernährer und Leiter auf diesem pfadlosen Lebens-! Wege; die Welt mit ihrem Treiben und Wirren, Kummer und Pein war mir ganz unbekannt. Jetzt, in dieser Stunde noch führen Sie mich dem Begründer meines ehelichen Glückes zu — Der Segen des Allvaters begleite Sie überall und ewig. — So rufen die Israeliten zu Gott: Die verdienstvollen Voreltern: Abraham, Jizchak und Jokob können uns nicht mehr beistehen; Du bist unser Vater, dieser Name richtet uns empor, wenn wir uns in den Abgrund der Hoffnungslosigkeit versunken wähnen. Menschen- und Bürgerrechte versagt man uns, wir appelliren an den allerhöchsten Emancipirer und allgerechtesten Richter — PN2 pllp 7I1L'21 ,7I1L?7I — Midrasch Rabba Schemoth Parasch. 46 Seder ki sißoh Neue st e Nachrichten. Hamburg, 22. April. Der Obergerichtsrath vr. Gabriel Ri esser ist heute nach mehrwöchentlicher Krankheit gestorben. Der Verstorbene war ein hervorragender Mann, der sich große Verdienste, wenn auch nicht um das Judenthum, so doch um die staatlichen und bürgerlichen Verhältnissen der Juden erworben hat. (Wir werden nächstens näher auf das nun abgeschlossene, jedenfalls bedeutende Leben R.'s eingehen Red.) A n z e Aus Ungarn, April. Soeben erhalten wir aus authentischer Quelle die Nachricht, daß die Pesther Gemeinde geneigt sei, ihren Oberrabbiner I)r. W. A. Meisel zu verabschieden. Die Pesther Gemeinde beschloß nämlich, einen ungarisch. Prediger zu engagiren. Herr vr. M. hätte einsehen sollen, daß seine Anstellung ein Erforderniß der Mode, auch dem Wechsel der Mode unterworfen bleibt. Dies wollte aber Herr M. nicht, sondern beeilte sich, seine Gemeinde bei den hohen Behörden, der Revolution und der Jrrreligion anzuklagen. Ja, noch mehr, HerrfM. forderte dieselbe auf, ihn als Landrabbiner von Ungarn einzusrtzen; jeder sieht ein, wie thörtcht dieses Verlangen ist; schlecht, sehr schlecht stünde es da mit der Religiosität und der rabbintschen Gelehrsamkeit Ungarns, wenn Herr M. unser Landrabbtner sein sollte; glücklicherweise ist unser Ungarland noch reich an Männern, deren sich 7IVI2 MM nicht zu schämen brauchte und mit denen ein Vergleich nicht zum Vorthelle des Herrn M. ausfallen würde. Doch Herr M., der bei seinem grenzenlosen Ehrgeize und seiner unendlichen Ruhmsucht immer gern so bescheiden ist, sich mit jenen großen Heroen des Judenthums als 171'^x, UI-, 7IL72, NM zu vergleichen, wünscht vielleicht noch jüdischer Papst zu werden; sucht daher nach und nach feine Herrschaft über das ganze Judenthum auszudehnen. Aber auch hier gibt sich seine Voreiligkeit kund, denn wäre er etwas einsichtiger, fo hätte er doch zu dem Resultate gelangen können, daß zwischen ihm und diesen Heroen noch ein kleiner (?!) Unterschied sei. i g e n. Vollkommen sehen wir nun hier die Worte unserer Weisen: „7U22 TM'IL? 712 7!^ p-tw 712 7I2>P'IL> in Erfüllung gehen. Herr vr. M., der „seiner Gattin", der Pesther Gemeinde nämlich, mit der er sich 1859, wie er sich in seiner Antrittsrede „ll'-Ukl die Bedingungen des Bundes, Pesth 1859' so geschmackvoll auszudrücken beliebte, untreu geworden, nunmehr sich mit den übrigen Gemeinden Ungarns zu vermähle» wünschte, wird nicht nur von diesen abgewiesen, sondern erhält vielmehr auch von seiner bisherigen Gemeinde — Get —. Zum Schlüsse nun wollen wir hier nur noch die Hoffnung aussprechen, daß mit der Anstellung eines ung. Predigers auch die Pesther Gemeinde endlich dem Mode-Tande ein Ende machen und zu der Ueberzeugung, daß nur das^Beharren in unferm heil. Glauben, und Festhalten an unserer heil, unantastbaren Religion wahre Beruhigung und stete geistige Erfrischung bietet, gelangen wird. R. v. Man sucht einen unverheiratheten Mann zu engagiren, der in 2'pvisi bewandert und im Stande ist, den hebräischen Elementarunterricht zu ertheilen. Gelegenheit zu weiterer Ausbildung ist geboten. Anerbietungen sind frankirt an die Buchhandlung von Joseph Baerin Frankfurt a. M. zu richten.