Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 4 (1863)
- Issue
- Heft 17 (29.4.1863)
- Date
- 1863-04-29
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Beilage z« Nr. 17 des Israelit. Feuilleton. Des Zweiflers Beruhigung (Auf Grundlage des 19. Psalmes.) Zur Ruh', zur Ruh' mein wild Gemüth, Du Auge, das der Schlummer flieht, Du Herz, das Trost nicht finden mag, Euch hüllt des Trübsinns finstre Nacht! Und Du, mein Geist, verwildert irrst, Weißt nicht, wo Ruh Du finden wirst; Sprichst: „Jrrthum ist, was ich gewollt, Und dunkel mir, was ich gesollt; Entfloh'n der Kindheit freundlich Bild, Wo Hoffnung froh die Brust gefüllt, Entschwunden meines Glückes Traum, Mein ganzes Leben eitel Schaum. Ach, stets entbehrend Halt und Hort, Wank' ohne Ziel ich irrend fort! — Kein Lüfrchen säuselt ringsumher, Die Welt scheint, ach, ein todtes Meer, Nicht tönt der Vögel holder Sang, Und mir wird hier so bang, so bang! Wohnt nirgends denn ein froher Laut, Der Zeugniß gibt und süße Kunde, Daß einst auch mir in guter Stunde Des Glückes Tempel wird gebaut? Der froh mir kündet, daß nicht immer Des Schmerzes Weh mich niederdrückt, Daß, gleich der Abendröthe Schimmer, Auch mir die Hoffnung wieder blickt? — Es schweigt jedwede Kreatur, Es kündet Nichts aus weiter Flur, Daß droben überm Himmelszelt Ein Lenker wohnet dieser Welt, Der auch das Leid in meiner Brust Verwandeln kann in süße Luft! Als aus des Zimmers engem Raum Ich floh zum kühlen Waldessaum, Da hofft' ich, daß der Vögel Chor Mir zaubern würde Trost hervor, Doch das Gefilde, — weh! ringsum, — Es ist wie die Verzweiflung — stumm! — So weit ras Auge spähend reicht Vom Erdenrund zum Himmelsblau, Es findet Nichts, wo's Trost erschau', Aus daß mir werd' das Herze leicht. Du Erdenball so weit und groß, Entsprangest Du aus eig'nem Schooß? Du Himmelsbläue, süß und mild, Wer hat mit Dir den Raum erfüllt? Es glänzt so licht der blaue Schein, Es streute Rosenwölkchen drein Der Abendröthe linder Glanz, Die bald wie demantheller Kranz, Bald wie ein leuchtend Gluthenmeer Vom Westen freundlich strahlet her. O Sterblicher, hörst Du denn nicht Die Sprache, die der Himmel spricht: „Es ist ein ewig güt'ger Hort," „Vertraue immer seinem Wort," „Der hat die Himmel ausgespannt,* „Der hüllt in Licht sich wie Gewand!" Sein Händewerk, es spricht ja laut, Von Ihm, der's Weltall hat gebaut; Die Ehr' des Schöpfers unsrer Welt Verkündet uns das Himmelszelt! — O bleibe noch, Du freundlich Licht Des Tags, ich bitte, laß mich nicht Allein zurück bei finstrer N^cht, Wo doch so gern der Gram erwacht! Du hörst mich nicht. Im Scheiden doch Send'st mir die letzten Strahlen noch; Sprichst: „Tröste Dich, ich kehre ja Zurück, bin bald schon wieder da, Und kehrt der Tag auch nimmermehr, Der jetzt sich senkt ins tiefe Meer, Ein andrer kömmt, er bring' Dir Glück, Er wend' zum Guten Dein Geschick, Er lehre Dich, daß unsre Welt Ein Geist der Ordnung stets erhält, Ein Geist, auf dessen streng Gebot, Bald sich erhebt das Morgenroth, Der auch in stiller finstrer Nacht Für unser Wohl voll Liebe wacht, Der trotz des Dunkels ringsumher, Jetzt zu Dir spricht durchs Sternenheer." Ihr schönen, schönen Lichtlein all, Die niederschau'n zum Erdenball, Ihr senkt mir in die bange Brust Der Ruhe lang entbehrte Lust. Jst's nicht, wie wenn tausend Geister Durch Euch liebend niederblicken, Die der Welten großer Meister Hingestellt, uns zu entzücken? Ja, Ihr kündet's ohne Wort, Daß da ist ein güt'ger Hort,