Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1863-04-29 · Heft 17 (29.4.1863) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
4 (1863)
Issue
Heft 17 (29.4.1863)
Date
1863-04-29
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2446951-2447089-2447106--01853-2457147
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

198 Derischas-Zion rc. gelesen, kann ich nicht unterlassen, Ihnen meine Hochachtung zu zollen und mitzutheilen, daß ich ganz mit den von Ihnen aus der Thora, den Propheten und Hagiographen, aus den Werken der Väter und der Kabalah gewonnenen Resultaten, übereinstimme, daß nämlich der Messias nicht, wie man gemeinhin glaubt, urplötzlich erscheine, die Zeit der.Erlösung mit einem Male Hereinbreche, die Stimme Gottes ganz unvorbereitet erschalle und aus der Finsterniß zum Lichte rufen werde. Nein, es ist nicht denkbar, daß Extreme plötzlich zusammen kommen sollen, sie müssen erst vermittelt werden. Die Erlösung Israels ans der Finsterniß zum großen Lichte kann unmöglich mit einem Male ohne Vorbereitung eintreten; sie kann nur allmählich und stufenweise kommen, wenn sie eine gewisse Stufe erreicht und an diese sich gewöhnt hat dann steigt sie weiter empor zur nächsten Stufe, bis sie so nach und nach die höchste Stufe erreicht. Der plötzliche Umschwung aber, ganz abgesehen, daß er unbegreiflich wäre, hätte auch etwas Gefährliches; denn der Mensch muß sich auch an das Gute erst gewöhnen; so wie ja auch der von einer Krankheit Aufgestandene, nicht sofort alle Delikatessen und Leckerbissen genießen darf, ohne seinen, noch schwachen Gesundheitszustand zu gefährden. Wer lange Zeit in tiefer Finsterniß geweilt hat, darf auch nicht plötzlich in ein Helles, lichtes Zimmer treten, wenn sein Augenlicht nicht geblendet werden soll! (Man vergleiche hierüber den Sohar, Abschnitt Wajischlach). Die von den Propheten verheißene vollkommene Erlösung in ihrer höchsten Stufe, die unter großen Wundern sich vollziehen würde, wobei die Herrlichkeit Gottes dem Menschen sich offenbaren wird, diese wird erst am „Ende der Tage" über die ganze Erde Hereinbrechen. Wir aber müssen das Unsrige thun, die Vorbereitungen treffen und müssen durch wohlgefällige Handlungen uns erst befähigen und würdig machen, den Ausfluß des höchsten Guten in Empfang zu nehmen und Gottes Liebe zu gewinnen, wie in früheren Zeiten. Dieser Idee widerstrebt nicht die Beschwörung: „daß ihr nicht erwecket und nicht reget die Liebe, bis sie selber will." Denn eben dieses Wollen offenbart sich in den Ereignissen unserer Zeit. Während Jahrhunderte hindurch die tiefste Knechtschaft auf uns lastete, sind wir jetzt bereits in den meisten Staaten allen übrigen Landeskindern gleichgestellt und das Herz der Fürsten und Völker ist uns in Wohlwollen zugethan. Wer sollte darin nicht einen Fingerzeig Gottes erblicken, daß nunmehr sich Alles zum Besten wendet? — Ja, der Herr selbst streckt nach dem Ausspruche des weisen Königs im hohen Liede, uns die Hand entgegen, um uns anzuregen, und aufzumuntern, zu eröffnen die Pforte des Heils und der Erlösung; hüten wir uns aber, daß der Nachsatz sich nicht erfülle, daß durch unsere Vernachlässigung: „der Freund nicht vorüber ziehe, so daß wir ihn dann vergeblich suchen." (Siehe Schir Haschirim c. 5 v. 4—7) Wir wollen also die Winke des Allerhöchsten nicht unbeachtet lassen, sondern wollen die sich darbietenden Gelegenheiten und den guten Willen der Könige benutzen, und mit ihrer Beihilfe, nicht mit Gewalt, sondern mit ihrer Bewilligung langsam nach und nach dem Ziele immer näher rücken, daß wir in den Besitz des heiligen Landes kommen und alle daran geknüpften Gebote erfüllen können, dann wird die Hilfe Gotte uns werden, wie Sie es in Ihren Werken bewiesen haben. So ist es auch in Jesajas c. 49, v. 8—13 angedeutet. „Am Tage des Heils (nämlich zur Zeit der Erlösung) leiste ich Dir Hilfe, das Land zu bebauen, die verödeten Erbgüter wieder zu vererben, auf allen Hügeln zu weiden, nicht zu hungern und nicht zu dürsten und dann erst keimt die allgemeine Freude darüber, daß Gott sein Volk getröstet und der Leidenden sich angenommen. Wenn wir im Besitze von Grund und Boden in Palästina sein werden, daß die Durstigen im heiligen Lande nicht mehr zu darben brauchen, dann wird die göttliche Vorsehung ihre Hilfe senden, dann werden die Völker einsehen, daß Israel in seinem Lande der Arbeit sich hingibt, und die Könige werden uns beistehen und beschützen und wir werden an heiliger Opferstätte unserm Gotte dienen können, wie es aus dem Jeruschalmi bewiesen ist, daß einige Zeit vor dem Eintreffen der großen Erlösung der Opferdienst wieder hergestellt sein wird, und wie es auch aus andern Stellen unserer Weisen zu entnehmen ist, daß 40 Jahre vor der vollkommenen Erlösung solches geschehen wird. Dann wird auch von dort aus mehr Weisheit sich verbreitender Allgütige wird das verheißene siebenfache Sonnenlicht scheinen lassen, und alles Verborgene wird entdeckt, alles Geheime enträthselt und Gott wird als König der ganzen Welt anerkannt werden. Wir müssen mit der Erlösung des heiligen Landes vorangehen, die Vollendung und höchste Blüthe der Erlösung wird dann nicht ausbleiben. So lasset uns nach Kräften das hohe Werk fördern, indem wir, wie bisher, in Treue und frommer Ergebenheit unfern Landesfürsten anhangen, aber durch freiwillige Spenden dafür sorgen, daß immer mehr Land in Palästina angekauft werde, damit die Armen sich dem Ackerbau widmen und durch Fleiß und Thätigkeit ihre Würdigkeit vor aller Welt bekunden können; damit die heiligen Satzungen wieder geübt und Opfergabe und Opfermuth neu erweckt werden, damit ein Lehrhaus gegründet und Alles durch sorgsame Forschung ergründet werde, was der Priester thun soll, Um seinem Beruf zu genügen. Ich sage es ohne Scheu, daß auf diese Weise

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.