Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 4 (1863)
- Issue
- Heft 17 (29.4.1863)
- Date
- 1863-04-29
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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196 verte mittels Caroline ihr zuzustellen; S. 53: er wurde nicht selten WM Spielahüch^E^ einem Gewinne erfreut; S. 88: müt lobMdM Wrädskatett waren sie zum Dsctor prormwirtwor^en; S. 91: wahrscheinlich hat sie die große Ostermundtaffe meines Oheims zerbrochen oder dergleichen Etwas; S. 95: sie bestand darauf, daß das Unglücksgesicht noch vor den Feiertagen ihr Haus verlass; S. 111 läßt der VerfDer senckn Repräsentanten des gesetzestrenen Judenthums folgendermaßen sprechen: „Du weißt ja, Simon, sprechen, denken und schreiben darf nach unserer Religion Jeder, was er will, wenn er nur nichts Verbotenes aus übt." Man sieht daraus, wie wenig der Verfasser vom Judenthum überhaupt kennen mag, da er solch unsinniges Zeug einen Mann sagen läßt, welcher nicht allein streng religiös, sondern auch talmudisch gebildet sei»-soll. —... - - >-. - --- Nun auch eine Probe von der Ausdrucksweise des ehrw. Herrn Rabbiners; auf Seite 114 läßt sich derselbe folgendergestalt vernehmen: „Der April zeigte seine Launen und verscheuchte mürrisch die heiteren lieblichen Tage, welche der März zum Abschiede bot, ein rauher Nordwesi peitschte die düsteren Wolken durch die unfreundlichen Lüfte und verwandelte nicht selten den schlackernden Regen Ln große Schneeflocken, die dann bald wieder der Landschaft ein recht winterliches Colorit verliehen. Trotz dieses kalten und stürmischen Wetters saß Regina, die einzige Tochter des Moses Danziger, in weitausgeschnittenem hell lila seidenem Kleide und phantasirte über die Reize des Lenzes." Man sieht hieraus, wie der H. V. sich bemüht schön zu schreiben, ohne es zu können und in einen Ton geräth, der eines Räuberromanes würdig wäre. S. 135 nennt der Held des Romans, ein der Reform huldigender Rabbinatskandidat, in welchem der Verfasser seine eigene werthe Persönlichkeit zu schildern sich bemüht haben soll, die Kalirschen Piutim und das Erbrecht des rabbinischen Codex „Strohwische" und die Piutim noch einmal besonders eine „Schellenkappe" und „verschrobene Machwerke." Durch dieselbe Person läßt der Verfasser auch sein Glaubensbekenntniß ablegen; es lautet dahin, daß die freie, unbefangene Vernunft Schiedsrichterin sei über dasjenige, was in der Bibel selbst nur für eine gewisse Zeit Geltung haben soll; einen solchen nennt der Vers. Vernunft- oder Denkgläubigen. „Müßte meine Vernunft die Religion des Dalai Lama als wahr erkennen, auf der Stelle würde ich Lamaite werden." „Der Jude soll erst sehen und hören, meint der Verf., und dann glauben." — „Schuf der Gottesgeist die Bibel, so schuf er sie mittels des Menschengeistes und stellte diesen Menschengeist als den Schöpfer der Bibel auch als den Hüter und Beurtheiler derselben hin." — Hiermit leugnet der. Verf. jede übernatürliH OffenbaruttO uM kennzeichnet dadurch seinen Standpunkt deutlH geUrg. — O. 203 wird von der KllNstfMiqkeit „Mf ltAs PKM" erzählt. S. 218 will' der Verf einen schlechten Menschen bezeichnen und er sagt: „sie erzählte ihm die Worte dieses Satans, welche sie heute hatte anhören müssen." S.! 230 ^ißt. es „bej diese.!: getsterh-sten, leiMnähnli-! cheuMschnnüttg rkes^lte es derkAknWeftndenff ch a u- > rig und eiskalt durch alle Glieder." S. 270: „und! eudlich tauchte aus der Tiefe meines Herzens ein! Ideal <uff, welches mit thränendem Auge mich fragte,! ob ich meiner ersten Liebe treulos werden könnte. —! Dieses Ideal ist — — Deine und meine Hanna."! Diese Liebe ist es denn schließlich, welche den Helj den des Romans vor der Taufe schützt. Wahrhaft ekelhaft ist es, wie und in welcher - Weise der Berf. diejenigen Personen schildert, welche er als Vertreter des gesetzestreuen Judenthums darsteüen will. Die Hauptfigur ist da ein Rabbinats-! kandidat, welcher äußerlich fromm erscheint, heimlich j aber, jedoch nur bei sorglich verschlossener Thür, am Peßachfeft Schwarzbrot) und Schinken verzehrt; seine -Freunde und-seine Verlobte, betrügt rc-; ein-anderer Träger dieses Judenthums, das jedoch nur im Gehirne des Verf. existirt, ist der fromme Simon, welcher öffentlich und heimlich die sogen. Ceremonialgefetze strengstens beobachtet, dabei aber Mitglied einer Falschmünzerbande ist und die zwei Familien, denen er angehört, durch sein betrügerisches Entweichen ins Elend stürzt. — Ehedem waren es die Apostaten, die getauften Juden, welche zu Anklägern und Verleumdern ihrer ehemaligen Religion und ihrer ehemaligen Glaubensgenossen wurden; sollten sich wohl die Reformrabbinen als deren geistige Erben betrachten?. Haus Ehrlich, oder die Feste; Drama in fünf Aufzügen von Leop. Stein. Leipzig. 1863. Was Formstecher in Prosa geschrieben, hat sein Freund und Nachbar, H Di;. Leop. Stein, ehemaliger Rabbiner zu Frasikfirrt ä. M. in Verse gebracht; Herr Stein hat eine Tendenzkomödie geschrieben, in welcher ebenfalls die Refvrmjuden als die Heil- und Glückspender, die gesetzestreuen Israeliten hingegen, wenn auch nicht als Heuchler und Verbrecher, so doch als eingebildete und egoistische Narren erscheinen. Die verschiedenen Personen dieser Komödie repräsentiren sämmtlich eine religiöse Richtung auf jüdischem Gebiete. Zuerst der Rabbi, welcher die von den Modernen so bezeichnete gute, alte, aufrichtige Orthodoxie darstellt, die nur für sich lebt, Andere mit ihrer religiösen Fürsorge nicht behelligt und über