Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 4 (1863)
- Issue
- Heft 17 (29.4.1863)
- Date
- 1863-04-29
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Der Israelit. Ein Centralorgan für das orthodoxe Judenthum. Herausgegeben von V». Lehman« in Mainz. Mainz, den 29. April 5623 (1863.) Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Mittwochs, in mindestens 1- Bogen. Preis des Jahrgangs: 2 Thaler p. c. oder fl. 3. 30 kr. rh. Halbjährig 1 Thlr. p. e. oder fl. 1. 45 kr. rh. Vierteljährig 15 Sgr. p. c. oder 53 kr. rb. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellung« an. Inserate 1 Sbgr. die Petitzrile oder deren Raum. Oesterreichtsche Banknoten laut Eours. Sollte direkte Frankozufendung unter Steifband gewünscht werden, so sind an die Expedition pro Jahrgang 3 Thlr. p. e. oder 5 fl. 15 kr. rh. oder 6 fl. österretch. franko einzusenden. Inhalt. i leitende Artikel: Literarischer Bericht. — Schreiben > des Chacham Baschi zu Jerusalem, an Herrn Hirsch Kaltscher in Thorn, den Colontsattonsverein f. d. h. L. betreffend.— i Bau jüdischer Armen- und Pilgerwohvungen in Jerusalem. > Aeitungsnaedritkren »no Correspondenzen r Deutschland: Neustadt a. d. Saale. Karlsruhe. Heidelberg. —! Oesterr. Kaiserstaat: L«s Lm»w. — Asien: Smyrna. — Afrika: Alexandrien Feuilleton: Blumenlese. — Uebertritte zum Judenthum. i Inhalt der Beilage. Fe«illeton r Des Zweiflers Beruhigung. — Blumenlese. , Neueste Nachrichten: Hamburg. I Leitende Artikel. Literarischer Bericht. Buchenstein und Cohnbetg, ein Familiengemälde aus der Gegenwart; dargestellt von vr. S. Form stecher, Rabb. in Offenbach a. M. Frankfurt a. M. 1863 Bechold. Es ist sicherlich als Zeichen der Zeit zu beirach-! ten, daß die Reformrabbinen, nachdem sie ausresormirt haben, sich einem andern Felde der Thätigkeit, der Abfassung von Romanen und Schauspielen, zuwenden. Das obige Buch führt den Titel „Familiengemälde", ist aber durch und durch ein Roman im eigentlichsten Sinne des Wortes. Wir find diesem Familiengemälde schon mehrfach begegnet; zuerst in des verstorbenen Kleines Jahrbuch, dann im Feuilleton des von demselben und vom Verfasser edirten, nun eingegangonen „isr. Wochenblatts", und da diese Geschichte der todtgeborenen Zeitschrift kein Leben einhauchen konnte, so hat der Verfasser sie besonders herausgegeben. Der vorliegende Roman ist ein Tendenzroman' Das orthodoxe Judenthum soll in seinen Trägern als antiquirt dargestellt werden. Die Vertreter des gesetzestreueu Judenthums erscheinen in diesem Romane als Heuchler, Betrüger, Spitzbuben oder als schwachsinnige Menschen, welche am Ende wahnsinnig werden, während die Repräsentanten der Reform als die Ideale alles Guten, Hohen und Schönen dargestellt werden. Nachdem wir das vorliegende Buch gelesen, können wir uns nicht mehr darüber wundern, daß einige wenige Familien in Offenbach a. M. die schwersten Opfer nicht scheuen, um sich von einem Rabbiner loszusagen, welcher im Stande ist, derartige Romane zu fabriziren. Uebrigens sind die Charaktere durchaus unwahr geschildert, und es würde der Herr Verfasser der Wahrheit viel näher gekommen sein, wenn er die ganze Gestaltung seiner Romanfiguren umgekehrt hätte. Auch Styl und Satzbildung lassen viel zu wünschen übrig; hiervon wollen wir einige Beispiele geben; S. 35: sie griff dann gierig nach der Bibel, dem ihr so theuer gewordenen Buche; S. 45: sie erzählte in einem französischen Dialekte, welcher deutlich die Engländerin verrieth; S. 47: Hanna wagte es das, in dem an sie gerichteten Briefe eingeschlagene, Schreiben Josephs an Sophie unter Cou-