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Der Israelit · 1863-04-22 · Heft 16 (22.4.1863) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
4 (1863)
Issue
Heft 16 (22.4.1863)
Date
1863-04-22
Page
– (sequence 10)
Language
German
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192 dem Regiments-Commando zugleich die Anzeige erstattet, daß er die fixe Idee habe, der Kaiserin eine Perlenschnur verkauft zu haben u. s. w. Indessen zeigte sich der General bereit, dem Retter seines -Kindes zuliebe, das Mährchen anzuhören. Zweigbaum erzählte nun so lebhaft, so anschaulich, daß sich der General ergriffen fühlt, und endlich die volle Ueberzeugung gewinnt, der Jude sei nichts weniger als geistesbefangen. Einige Zeit darauf wurde es dem General möglich, einen Urlaub nach Petersburg zu erlangen, wohin er Zweigbaum mitnimmt. Er darf dem Kaiser Nikolaus das seltsame Abenteuer des Juden vortragen. Dieser wird gerufen, und der Kaiser erkennt ebenfalls, daß Zweigbaum bei ganz klarem Verstände sei, während er ihn fragt, ob er sich wohl getraue, den ungetreuen Zahlmeister zu erkennen. Als Zweigbaum bejaht, läßt der Kaiser alle beim Hofstaate angeftellten Herren vorrufen. Der Jude sieht den Elenden wieder, und der Beschuldigte steht todienblaß und zitternd vor dem Kaiser, welcher ihm sein Schicksal verkündet. Es ist das, welches vorher Iwan Zweigbaum erduldete. Er wird geschoren, als gemeiner Soldat eingekleidet und Ln den Kaukasus geschickt. Dem Juden aber wird sein Geld ausgezahlt. Auszüge von Erzählungen, Gleichnissen, Gedanken und Meinungen, wie Erklärungen von Schriststellen, aus hebräischen Werken. Von losepd kswier in Breslau. Nach der königlichen Herrschaft über das jüdische Volk strebend und sich nach den seinem Gelüste entgegenstehenden Hindernissen umsehend, faßte Herodes, ein Knecht der hasmonäischen Familie, den Entschluß, durch alle ihm zu Gebote stehenden Mittel, selbst mörderische nicht ausgenommen, seinen Wunsch zu realisiren. Die vornehmsten Familien wurden zuerst aus dem Wege geräumt. Dann sprach er: Was könnte hauptsächlich auf meine Wahl störend einwirken? Nichts anderes als der Vers, 5. B. M. 17, 1Z: „Du sollst Dir aus der Mitte Deiner Brüder einen König wählen," in welche Worte eine scharfsinnige Auslegungsmechode die Deutung hineinzwingsn will, aus der Mitte, d. >h., aus dem Innern, aus dem Kern Deiner Brüder wähle den Regenten, ein Knecht d«rf also nicht zu dieser Würde gelangen. Von wem rühren '«ber die Auslegungen her? Bon den Rabbinen — dieser werde ich mich entledigen. Er suchte sofort durch Tödtung sich dieser Gelehrten zu entledigen mit Ausnahme des Baba Sohn des Suta, den er verschonte, um sich seines Rathes zu bedienen. Wird er aber mit seinen Einsichten mir dienen wollen, überlegte der Tyrann, wenn er mich sieht? Er hielt es daher für gerathen, diesen Rathgeber mittelst einer um die Augen gebundenen von den Stacheln eines Stachelschweines gemachten Binde seines Augenlichtes zu berauben. Einst begab er sich zu dem Geblendeten und lenkte, nachdem er sich über seine Unkenntlichkeit Gewißheit verschafft hatte, das Gespräch auf sich selbst. „Sind Dir, Herr, die Grau* samkeiten dieses gemeinen und verabscheuungswerthen Knechtes bekannt? Weißt Du, daß er hat alle Gelehrten, wie sämmtliche vornehme Männer, umbringen lassen?" „Zu meinem großen Schmerze weiß ich es, weiß aber nichts dagegen zu thun." „Einen fluchwürdigen Sklaven," versetzte Herodes, „darf man doch verfluchen." Der weise Salomon, entgegnete der Gelehrte, widerräth dieses; Koheleth 10, 20: „Auch bei Deinem besten Wissen sollst Du keinem Könige fluchen." j „Dieser ist ja kein König," wendete Jener ein. j „Mag er nur ein Reicher sein," erwiederte der Ge-! lehrte, der weise Salomon fügt in seiner Warnung I hinzu: „In Deinem Schlafzimmer sollst Du keinem i Reichen fluchen." „Verstößt aber diese Warnung! Salomon's nicht," fragte Herodes befremdet: gePM > die hochgepriesene Auslegungsmethode der Rabbinen,! welche bei der Stelle: 2. B. M. 22. 27. Einem > Fürsten Deines Volkes sollst Du nicht fluchen, be- > merken, wenn der Fürst volksgemäß handelt, darf > man ihm nicht fluchen, woraus hervorgeht, wenn der! Fürst nicht wie einer aus Eurem Volke handelt, darf . man ihn verwünschen? — „Von Seiten des Gesetzes," j erklärte der einsichtsvolle Blinde, darf man einen i herrschsüchtigen Tyrannen wegwünschen; jene Worte eut-! halten nur den wohlmeinenden Rath, man unterlasse! bisweilen das Fluchen aus gewissen Rücksichten; ich befürchte, es könnte Jemand meinen Fluch hören und mich anzeigen." „Jetzt ist doch Niemand zugegen," entgegnete Jener. „Die erwähnte Lehre," versetzte Dieser, „begründet ihren Rath damit": denn ein Vogel des Himmels kann das Wort weiter bringen und ein Geflügelter es aussagen." — Gerührt von dieser trefflichen Auseinandersetzung und von Gewissensbissen gefoltert rief Herodes: „So höre, ehrwürdiger Mann! Ich bin der Mann, von dem wir gesprochen; wäre mir Eure Frömmigkeit bekannt, daß Ihr keinem Menschen, auch dem niedrigsten und gemeinsten Knechte fluchet, ich hätte Euch gewiß nicht getödtet. Was muß ein Mensch, der solche Gräuelthaten begangen, zu seiner Sühne unternehmen?" — „Mord läßt sich nicht so leicht büßen; jedoch, rieth der gelehrte Baba, wer das Licht der Welt ausgelöfcht, der arbeite dahin, daß er es wieder anzüude; wer

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