Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 4 (1863)
- Issue
- Heft 16 (22.4.1863)
- Date
- 1863-04-22
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Beilage zu Nr. 16 des Israelit. Leitungsnachrichten u. CorrespondrnM. Amerika. 9kew-Bork. Zehn hiesige Gemeinden, darunter die einflußreichsten, haben sich verbunden, um eine religiöse Central-Autorität herzustellen. Die Aufgabe derselben wird zuerst die sein, eine den strengsten Anforderungen des Religion«gesetzes entsprechende Schechitah herzustellen und zu überwachen. O.i O'wnpl — (I. M.) — Wir entnehmen ferner der Leo., daß in New-Aork drei und zwanzig verschiedene und von einander unabhängige Gemeinden, deren jede ihre eigene Synagoge und Gemeindebeamten besitzt, existiren. Feuilleton. Die Perlenschnur. Der Ingenieur G. Paduch erzählt in feinem Tagbuche folgende merkwürdige Geschichte: Ein Jude aus Volhynien, Namens Iwan Zweigbaum, hat eine Perlenschnur erhandelt. Er reist nach Warschau, um sie dort zu verkaufen. Tie dortigen Juweliere bewundern die Perlenschnur und einer von ihnen gibt ihm den Rath, dieselbe dem kaiserlichen Hofe selbst anzubieten, da sich wohl schwerlich eine Privatperson als Käufer einer solchen Kostbarkeit finden möchte. Zweigbaum folgte. Er reist nach Petersburg, wo ihm das Glück zu Theil wird, sein Kleinod der Kaiserin selbst darreichen zu dürfen. Die bedeutendsten Juweliere werden nun herbeigeholt, welche den Perlenschmuck endgiltig auf viele hunderttausend Rubel schätzen, und die hohe Frau, ganz hingerissen von der seltenen Größe und dem unerhörten Glanz der Perlen, befiehlt einem hohen Hofbeamten, dem Juden den Schätzungswerth gleich auszuzahlen. Der Beamte bedeutet Zweigbaum, ihm zu folgen, führt ihn in seine eigene Wohnung, und heißt ihn da die Quittung schreiben, mittelst deren er das Geld sofort bei der kaiserlichen Caffe erheben und ihm einhändigen werde. Der Jude schreibt die Quittung, der Hofzahlmeister nimmt sie, und entfernt sich mit der Versicherung, in ein paar Minuten wieder da zu sein! aber Stunven verstreichen, ohne daß er kommt. Zweigbaum wird ängstlich und sucht Aufklärung; aber er I sieht nun, daß man ihn eingeschlossen hat. Das Abend-! dunkel ist herein gebrochen, und er, der noch vor Kurzem ein irdisches Paradies vor sich offen sah, steht nun trostlos vor einem grauenhaften Räthsel.! Endlich öffnet sich die Thure, und mehrere Kosaken treten ein. Zweigbaum wird von ihnen er-! griffen, trotz seines Geschreies auf einen Stuhl gefetzt, rasirt, kurz geschoren, und in einem verschlossenen! Wagen aus Petersburg fortgeschafft. Nach Monaten erreicht er den Ort seiner Bestimmung, nämlich den Kaukasus, wo er zum regulären Soldaten gedrillt wird. Eines Tages ist er in dem Garten seines Generals mit dem Anpflanzen von Steckreisern beschäftigt. Es ist ein schöner Frühlingsmorgen, und einige weibliche Dienstboten des Generals gehen mit dessen Kindern spazieren. Ein Knabe mit einem bunt bemalten Ruder schreitet vor ihnen her, denn es ist auf eine kleine Wasserfahrt abgesehen, welche sie auf dem stattlichen Teiche vornehmen wollen. Sie besteigen das zierliche Schiff, und der Knabe führt es munter durch das Gewässer. Das Söhnlein des Generals hatte sich auf die Schiffbank gestellt, wobei ihn die Kindsfrau umschlungen hielt; aber sein Schwesterchen stürzt sich in schalkhafter Laune auf die Kindsfrau, welche das Gleichgewicht verliert und auf den stehenden Knaben hinfällt, der nun über das Geländer des Schiffes in's Wasser stürzt. Das Jammergeschrei ruft Zweigbaum herbei, dieser wirft sich rasch in das Wasser, denn er hatte seine Jugend an den Ufern des Dnieper zugebracht und war ein trefflicher Schwimmer geworden. Man zeigt ihm vom Schiffe die Stelle, wo der Knabe versunken war; er taucht unter, gewahrt das Kind und reißt es zum Lichte empor. Der General hat von dem Ereigniß bald Kunde erhalten, überhäuft Zweigbaum mit Aeußerungen der Dankbarkeit, und bestellt ihn, den er noch von Wasser triefend im Garten an traf, in seine Wohnung. Als dieser nach gewechselter Kleidung dort erscheint, drückt ihm der General die Hände, und fordert ihn auf, irgend einen Wunsch auszusprechen, welchen zu erfüllen er sich glücklich fühlen würde. Zweigbaum bittet den General nur um die Gunst, eine Geschichte anzuhören, die er ihm stählen wolle. Der General lächelt, und erwiedert ihm, er könne sich wohl denken, um was es sich handle; denn da Zweigbaum als Rekrut eingebracht wurde, hatte man