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Der Israelit · 1863-04-22 · Heft 16 (22.4.1863) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
4 (1863)
Issue
Heft 16 (22.4.1863)
Date
1863-04-22
Page
– (sequence 7)
Language
German
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169 Das Schiffchen fuhr gen Strom und Wind Es führt kein täglich Menschenkind!" „Und grad anunserm User hier, Da hielt das Schiffchen an! Drum eilen und begraben wir Mit Ehr den heiligen Mann!" Doch wie man hin zum Schifflein tritt, Entweicht's zurück in Stromes Mitt'. Der Bischof hört die Wundermähr, Sie hört die ganze Stadt; Und Alles eilt zum Ufer Herr, Wer nur gehört sie hat. Das Wunder zieht sie All heraus, Nicht Christ, nicht Jud bleibt gern zu Haus. Jetzt treten Juden an den Strand; Um deutlicher zu sehen; Da kommt das Schisflein an das Land, Und bleibt vor ihnen steh'n. Doch Wunder! wie ein Christ hintritt, Weicht's rückwärts in des Stromes Mitt. Das Schifflein nah't, das Schifflein flieht, So mehrmals ohne Nuh; So daß bald Jeder deutlich sieht, Es eilt den Juden zu. „So geht hinein!" sprach nun der Christ „Und seht, was drin enthalten ist." Das Schifflein kommt an's Ufer her. Die Juden treten ein; Sie heben ab den Deckel schwer Und schauen lang hinein. Im Sarge liegt ein todter Mann, Mit Sterbekleidern angethan. Und nebenbei ein Schreiben lag Darin zu lesen war: „Gelobt sei GaÄ von Tag zu Tag! Gelobt auf immerdar! Gegrüßet seid, Ihr Brüder mein, Ihr Juden all zu Mainz am Rhein!" „Ich starb in Cöln nach Gotteswort, In heil'ger Gemein, Und möchte an der Eltern Ort Von Euch begraben sein. Und dies erbittet AMram sich; Gott gell GtiH Frieden ewiglich!" WoP kannte? Amram Groß und Klein. DM Rabbll hochgelehrt; n .? . Er war von Mainz nach Cöln am Rhein Gezogen viel begehrt. Zu halten hohe Schulen' dort, Zu lehren Gottes heil'ges Wort. Und kaum ward's in dem Lande kund: „Es kommt der Gottesmann!" Da strömte aus der ganzen Rund, Die Jugend froh heran. Die weite, breite, hohe Hall' Faßt kaum die Lernbegier'gen all'. Kein Rabbi in der Rheinstadt noch Geehret je so war; Vor Allen galt dem Meister doch Die auserwählte Schaar. Nur ihr ward Wunderbares kund, Um Mitternacht, in heiliger Stund. Wie herrlich keimt die fromme Saat! Da ward der Rabbi krank; Ec fühlt, daß seine Stunde naht, Theilt Segen aus und Dank. Die Jünger, die ihm Freunde mehr, Steh'n trauernd um den Meister her. „Ich weiß", sprach er mit leisem Hauch, „Me Amram ihr geehrt; So werdet Ihr erfüllen auch, Was er von Euch begehrt. Bringt mich hinauf nach Mainzam Rhein, Begrabt mich bei den Eltern mein." Wie gerne möchten wir erfüll'»" Versetzt die Jüngerschaar, „Wie gern erfüllen deinen Will'n Und bringt es auch Gefahr. Doch nimmer gibt man uns es zu, Zu leiten Dich nach Mainz zur Ruh." „Wie Ihr" sprach er mit letztem Hauch, Gewaschen habt mich rein; So leget nach der Väter Brauch, Mich in die Lad hinein! Und stellt die Lad in einen Kahn, Und legt das Schreiben nebenan!" „Und laßt dem Schiffchen freien Lauf" Laßts treiben in den Rhein! Der führt mich schon nach Mainz hinauf, Der Alles führt allein; Und ehren sollen Jud und Christ, Den Gott, der einzig, einig ist! —" Nachbemerkung. Der Herr Verfasser hat es nicht für gut befunden, den Schluß, der. Sage, hinzuzufügen, was wir hiemit nachholen: Nllchdeiw di^ Juden, berichtet die Sage weiter, den Sarg an's Land gebracht hahtG, würde ihnen derselbe von Heu Christen gewaltsam ge- ,upMNheq. Aber nur eine Strecke weit Jonnten sie ihn tragen; er wurde schwerer und schwerer, bis sie ihn im Herzen der Stadt niedersetzen mußten, und

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