Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 4 (1863)
- Issue
- Heft 16 (22.4.1863)
- Date
- 1863-04-22
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2447089-2447105--01841-2457134- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
187 deten^Mannes eine ernste Rüge verdient, selbst wenn es in nicht so demonstrativer Weise geschehen wäre. Einige Mainzer Israeliten, die obgleich keine Fanatiker, bei ähnlicher Gelegenheit anders gehandelt hätten." Wir unsererseits hätten es nicht für nöthig gefunden, uns zu vertheidigen; solche Angriffe, solche Beinamen rc. gereichen uns nur zu hoher Befriedigung. Aber unser inniges Mitleiden müssen wir aussprechen in Bezug auf Leute, die da vielleicht wirklich meinen, sie könnten bei Verletzung hochheiliger Religionsgesetze gottesfürchtige Israeliten sein. Wie muß es mit dem religiösen Wissen solcher Bedauernswerten aussehen? Welche Belehrung empfangen diese Beklagenswerthen wohl von ihren Rabbinen, für die sie Partei ergreifen? Woher schöpfen diese Armen wohl ihre^ gefährlichen Jrrthümer? Für solchen Wahn ist Niemand, denn die modernen Rabbinen, verantwortlich; all die Predigten dieser Propheten der Neuzeit ergehen sich in Lobhudeleien auf den hohen religiösen Sinn der Gegenwart, auf die erleuchtete Gesinnung der Terephot- Effer und Sabbatentweiher. Stirbt einer von den Letztgenannten, da wird er als echter Israelit, als wahrer Jude gepriesen, weil — nun, weil seine Erben die Leichenrede bezahlen. Da müssen denn die Zurückbleibenden wohl meinen, man könne gottesfürchtiger, ja recht gottesfürchtiger Israelit sein und sich dennoch das Verbotene „gut schmecken" lassen. Daß Gott erbarm! Oesterreichischer Kaiser st aat Wien. Die Ostd. Post berichtet Folgendes: „In Bukarest hat ein Major Papezeln ein Schwert im Besitze eines alten Mönch's aufgefunden, welches der Klingen-Inschrift zu Folge Absalon dem Sohne des Königs David gehört hat, denn man liest auf der einen Seite in hebräischer Schrift: „Geschenk Gessur's an Absolon Sohn Davids Jeho, Jeho" (?) Daneben ist der Thron Davids abgebildet mit Schriftzeichen, deren Sinn noch nicht entziffert ist. Auf der andern Seite der Klinge liest man ebenfalls hebräisch: „Titus nahm es mit aus Jerusalem". Der Griff ist von Gold und zeigt unten einen Drachen, oben einen Kriegerkopf, welche beide durch eine Kette verbunden sind. Der Mönch, dem das Schwert gehört, will es 1807 von einem Janitscharen in Constantinopel Herkommen, und die goldbesetzte Scheide, welche eine Schlange darstellte, bereits verkauft haben. Daß die Waffe sehr alt ist, geht aus dem Fabrikzeichen hervor, welches semitische Schriftzüge zeigt." — Aus diesen Angaben geht deutlich hervor, daß die Waffe unecht; wenn wir auch auf das räthselhafte Jeho und die übrigen Jndicien der Unechtheit nicht näher eingehen, so trägt doch die ganze Beschreibung bis auf semitische Fabrikzeichen einen durchaus modernen Charakter. Temesvar, im April. Herr vr. Hirschfeld aus Meseritsch in Mähren hat bereits vor einigen Tagen den hiesigen Rabbinatsposten angetreten. Man verspricht sich allgemein von seiner rabbinischen Wirksamkeit viel Ersprießliches. Daß es hier für einen rüstigen und fähigen Seelsorger ein großes Feld zur Entfaltung segensreicher Thätigkeit gibt, wird wohl Jeder einsehen, der unsere Gemeinde- und Schulverhältniffe auch nur einigermaßen kennt. Möge der liebe Gott demselben Kraft und Beharrlichkeit zur gedeihlichen Handhabung seines schwierigen Amtes verleihen! In Pest sieht's leider überaus traurig aus. In den letzten Jahren gerirte sich diese allerdings beträchtliche und namhafte jüdische Commune als die Muttergemeinde sämmtlicher Israeliten dieses Kronlandes. Sie glaubte in Folge ihrer nummerischen Größe so weit gekommen zu sein, um die Rolle, deren sich Preßburg seit einem Jahrhundert durch Takt und Gesinnungstüchtigkeit so würdig gezeigt, auf eigene Rechnung übernehmen zu dürfen. Allein welch' bittere Selbstenttäuschung! Welchen traurigen Umschwung haben die dortigen Verhältnisse genommen! Zwietracht, Zänkereien, Zerklüftung, kurz alles, das dem Begriffe „Einheit" als Gegensatz dienen kann, übt zerstörend und vernichtend auf das Leben dieser Gemeinde seine verheerende Kraft aus. Der gesammte Kultusvorstand mit Herrn vr. Hirschler an der Spitze, der seit etwa 19 Monaten — der eigenen Behauptung gemäß — Großes und Segensreiches geleistet, fand sich veranlaßt, von diesem Ehrenamte zurückzutreten. Veranlassung hiezu war die Verordnung der h. k. Statthalterei, wonach