Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 4 (1863)
- Issue
- Heft 14-15 (15.4.1863)
- Date
- 1863-04-15
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
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178 nicht in der Achtung einer Frau um so höher, je mehr er die Leiter der Ehre erklimmt?" — „Mosche oder Korach, ist die Losung; ob diese oder jene Partei siegt, Du nimmst in jedem Falle eine untergeordnete Stelle ein. Und wenn Du aus Liebe zu mir Dich an der Empörung betheiligst, so beschwöre ich Dich, sage Dich davon los; eine Frau sucht ihre höchste Ehre und ihr höchstes Glück in der Erhaltung ihres Mannes!" - ,.Jch mich losreißen? — mache mich können und ich will! — Edle und wackere Frau, ich offenbare Dir mein tiefstes Geheimniß, mich bindet ein Schwur. In der Versammlung, wo über das Unternehmen berathen und beschlossen wurde, habe ich es betheuert, sobald sie mich rufen, eile ich zu meiner Fahne." — „Schwur! furchtbarer Ausdruck, schmerzliche Bedeutung! Die frommen und heiligen Männer haben es gut gesponnen! Doch, ich rette Dich, mein Einziger; ich rechne ebenfalls auf die Frömmigkeit Deiner Genoffen, und in meinem Kopfe spinnt sich ein Faden, der sich fester knüpfen wird, als die Fesseln des Schwures. Ihr Männer aber, die Ihr uns den Schatz Eures Lebens nennt, Ihr möget es dem Golde dieses Schatzes vergeben, wenn es bisweilen ein wenig schwer auf Euch lastet, wir haben größere Pein und schwerere Lasten manchmal von Euch zu tragen." — Die Operation, die jetzt die Frau mit ihrem Manne vornahm, um ihn von der bittern Laune und dem nagenden Kummer über den übereilten Schwur zu befreien und ihn zugleich zu veranlassen, während des ferneren Laufes des zum Ausbruch bestimmten Tages das Zimmer zu hüten, bestand in einigen Flaschen Wein, nach dessen Einnahme er zwar für die Sache des Aufruhrs begeistert ein schallendes Vorwärts ausstieß, jedoch im Schweiße seines Angesichtes dem Zurückbleiben sich unterziehen und auf das Bett sich werfen mußte. Kaum hatte der Schlaf die brennenden Augen des Hitzkopfes geschloffen, als der besonnenen Ehehälfte die ihrigen aufgingen über die geeignete Zeit Vorbereitungen zum Rettungsplane zu trefstn. Die Natur, dachte die Schlaue, hat jede Frau mit etwas Schauspielkunst gesegnet, die ihr, sobald sich nur die Gelegenheit dazu ergibt, zur Verwunderung gelingt. In eleganter Kleidung und mit einer reizenden Frisur stellte sie sich an den Eingang ihres Hauses und spielte die Rolle einer Kokette, der man es wenig ansah, daß sie nur die lodernde Leidenschaft der Vorübergehenden zur brennenden Flamme anzusachen, keineswegs aber sie zu theilen beabsichtigte. — Man soll meinen Mann abholen, sagte die Listige, einen Ruf nur an ihn ergehen lassen, die frommen Hitzköpfe werden wohl bald selbst um dcssentwillen meine Schwelle betreten, jedoch eine Fanglustige an der Thür, werden sie es um des Rufes willen unterlassen! — Schwer fiel ihr diese Rolle, es kostete sie große Ueberwindung, da zu lächeln, wo Zorn und Wuth über einen frivolen Mann im Herzen kochten, und schon wollte sie ihre Stimmung merken lassen, aber der Vortheil gebot, gewaltsam sich zu bezwingen und jede aufwallende Heftigkeit zu unterdrücken. um nicht aus der Rolle zu fallen. Es dauerte nicht lange, so traf die Vermuthung ein, die frommen Parteiführer suchten den Treuverbündeten, den Mächtigen, den Mann der Auszeichnung, On Ben Peleth, Wie man beim Anblick einer schweren Wolke am Horizont, obwohl sich der Himmel klar über uns wölbt, die Luft still ist, und sonst nichts die nahende Gefahr anzeigt, dennoch mit Besorgniß auf den dunkeln Punkt hinsieht, weil man nicht glauben kann, daß der heiße Tag ruhig endigen werde; in eine eben solche Beklommenheit versetzte schon von weitem die Anwesenheit der Frau des On vor der Wohnung jeden Ankommenden der aufrührerischen Bande. Er trug Bedenken: nicht hingehen und auf den Arm des Helden verzichten, geht nicht; hingehen und das Hinderniß vor dem Hause umgehen, geht noch weniger; hingehen und die galante Kokette wegen ihres Mannes angehen, geht am allerwenigsten; nach ihrem Bilde zu Haschen, dazu liegt mir eine andere Eroberung Zu sehr im Kopfe. Die unruhigen Geister liefen nach einander ruhig ab, und die peinliche Situation der frommen Verstellten hatte ein Ende Nachdem sie den schrecklich endenden Verlauf der Empörung erfahren, begab sich die Frau zu ihrem Mann, der inzwischen erwacht und von Neugierde entbrannt mit der Frage herausstolperte: wie steht unsere Sache? meine Theure. „Die Deinige gut!" „Die Sache meiner ehrenwerthen Anhänger meine ich." „Endete bereits." „Ehrenvoll doch?" — „Wie vermuthest Du, die Ehre that ihre Hellen Pforten auf und sie hielten triumphirend ihren Einzug?" — „So erwartete ich es." — „Nein, ein wenig anders; die Erde that ihre Höllenpforten auf und sie hielten ihren Einzug." — „Holde Frau!" sprach der Mann übermannt von Rührung und laut seufzend, „ich kenne das Unglück meiner Anhänger in seiner ganzen Größe; vergebens suchst Du, den schweren Kummer, den Du im Stillen um meinetwillen trugst, meinen Blicken zu entziehen; grenzenlose Reue umschließt meine Brust, Deiner Klugheit verdanke ich meine Rettung; aus vollem Herzen danke ich Gott, daß er Dich mir zum Weibe gegeben. Möge ich Dir Deine Treue in Frohsinn, Leben und Liebe lange lohnen können."