Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 4 (1863)
- Issue
- Heft 14-15 (15.4.1863)
- Date
- 1863-04-15
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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177 F « u i l l - t o ». Auszüge von Erzählungen, Gleichnissen, Gedanlen und Meinungen, wie Erklärungen von Schriftstellen, aus hebräischen Werken. (Schluß zu Beilage Nr. 13.) Im Psalm 69 bittet der heilige Dichter', daß Gott ihn von seinen Feinden rette, und die Gegner, die ihn wegen seines Eifers für die Religion verfolgen, bestrafe. Diesen seinen Gedanken gibt er Vers 28—30 folgenden Ausdruck: „Gib es, daß sie Sünde auf Sünde, Schuld auf Schuld häufen, und daß sie nicht zu Deinem Gnadenrecht kommen! Mögen sie ausgelöscht werden aus dem Buche des Lebens, und mit den Frommen nicht ausgeschrieben werden!" —Fleht hier der tief Gedemüthigte und Gebeugte nicht, mache, daß die Schlechten noch weit mehr sündigen, damit sie die Strafe desto sicherer und schneller ereile? Und würde der erhabene und edle Poet, dessen Worte Ergüsse eines wahr und tief empfindenden, von religiösen Vorstellungen mächtig ergriffenen Gemüthes sind, etwas erflehen, dessen Gewährung mit der Gerechtigkeit Gottes sich nicht vereinbaren ließe?-Doch, wo keine milde bessere Regung der menschlichen Natur mehr zu erwarten, ist das göttliche Walten gerechtfertigt, das Sündenmaß der Verhärteten voll werden zu lassen, und die Plagegeister in den Maschen ihrer gefährlichen Netze so zu umstricken, daß sie die festgeschürzten Knoten nicht mehr aufzulösen vermögen und für immer Gefangene ihrer Laster bleiben. — Die Klugheit der Frauen bauet ihr Haus auf. Sprüche 14, 1. Bei einer politischen Gährung, bei einer Kundgebung eines Strebens nach Umstürzung einer Regierung, an welche Bewegung die Phantasie den Beginn eines großen und erfolgreichen Zeitalters knüpft, sieht es manche Frau ungern, wenn ihr Mann theilnahmlos sich dabei zeigt. Gibt sie sich auch mit Politik nicht ab, denkt über die Fragen, die der Bewegung zu Grunde liegen, nicht nach und fragt auch nicht, wer Recht habe, so stimmt sie doch in den Ruf Politistrender, hier eröffne sich eine Laufbahn, auf der eine geschickte Kraft und ein wirkliches Talent sich auszeichnen kann. Besitzt ihr Gatte einen unternehmenden Geist, so ist nach ihrer schmeichelnden Ueberzeugung unter Allen, die an der Spitze der Umwälzung stehen, nicht ein Einziger, der sich, in was für einer Beziehung es sei, mit ihrem Einzigen messen könnte, und sie darf daher die Gleichgiltigkeit ihres Hoffnungsvollen nicht zugeben; hat er keine Talente, so thut ihr der Gedanke, daß man die Theilnahmlosigkeit an den öffentlichen Angelegenheiten für ein Zeichen von Armuth des Charakters hält, im Herzen weh, und sie sucht, um nicht vor den Auge« der Welt beschämt da zu stehen, ihren Gatten durch Begeisterung zur Theilnahme an den großen ereignisreichen Vorfällen hinzureißeu- Eine kluge Frau hingegen klammert sich mit wunderbarer Festigkeit nur an die Richtung, die mit ihrer Liebe, mit der Erhaltung ihres Mannes und dem Wohle ihrer Familie zusammenhängt, überzeugt, daß das leitende Prinzip eines Kampfes, wenn er nicht wegen Verkürzung der Menschenrechte geführt wird, für welchen Fall ihr Mann keiner Anspornung bedarf, vom Egoismus sich bestimmen läßt, und die Kämpfer bei geänderter Stellung bald für eine andere, ihrer früheren Ueberzeugung entgegengesetzte Wahrheit ebenfalls mit Energie streiten würden. — Den Glanzpunkt der klugen Wendungen und der Kunstgriffe in den schneidendsten Verwickelungen bildet aber immer der Umstand, wenn eine Frau im Bewußtsein ihrer Anmuth und Schönheit sich einer leidenschaftlichen, ihren sittlichen Ruf auf's Spiel setzenden Versuchung aus setzt, um jede finstere Wolke, die ihren Himmel häuslicher Zufriedenheit und des herzlichen Einvernehmens zu trüben droht, zu entfernen und ihre eheliche Treue an den Tag zu legen. — Eine solche Person schildert uns der Talmud (Sanhedrin 109.2.) in der Frau des On, Sohn Peleth. Diesen Häuptling der Korach'schen Empörung — der auch nur beim Anfänge der Begebenheit und nicht weiter vorkommt, was für die Richtigkeit der Behauptung bürgt — berichtet Raw, rettete seine Frau vom Untergange. „Du schließest Dich einer Empörung an," hielt sie ihrem Manne vor, „von der Dir nichts herauskommen wird. Kannst Du Dir Rechenschaft über Dein Treiben geben?" — „Soll ich," erwiderte er, „für Gegenstände, für welche sich so viele Köpfe begeistern, kein Interesse haben?' — „Glaube mir, mein Theurer!" entgegnete sie, „die meisten Aufwiegler haben nur ihre Hand in diesem gefährlichen Spiele, nicht ihren Kopf; wenn sie sich vom Verstände leiten ließen, würden sie abstehen. Möglich, Du siegest, aber das Ziel des Kampfes erreichest Du nicht." — „Wie meinst Du dieß? meine Theure!" — „Wenn auch, seitdem Du mit den Parteigängern zusammengekommen bist, sich eine Scheidewand zwischen uns erhoben, und Du vor mir Geheimnisse hast, so weiß ich doch, was Dir am Herzen liegt und alle Deine Gedanken beschäftigt. Die Hauptsache ist bei Dir die Sache des Hauptes. Du willst Oberhaupt werden, und dieß gelingt schwerlich." — „Ist der Sieg des Kampfes nicht werth? — Steigt der Mann