Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 4 (1863)
- Issue
- Heft 14-15 (15.4.1863)
- Date
- 1863-04-15
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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ZweiteBeilagezuRr. 14L15 deSZsraelit. Leitungsnachrichten u. Correspsndriyrn. Deutschland. Mainz, den 12. April. Wir haben in Nr. 50 des v. I. unser Erstaunen über einen Bericht der Wiener „Presse" ausgesprochen, wonach zwei Gemeinden des h. L., Saphet und Liberia den Dichter L. A. Frankel in Wien zum Ehrender.- sicher rc. ernannt haben sollen, und haben schon damals gesagt, daß die Bestätigung dieser unglaublichen Nachricht erst abzuwarten sei. Wir haben nun seitdem aus den genannten Städten mehrere Briese empfangen, die näheren Aufschluß über diesen Vorgang geben. Herr Rabbiner Samuel Heller aus Saphet theilt uns mit, daß die beiden Gemeinden von einem Manne betrogen worden sind, der sie, die weder Frankel noch sein Werk kannten, dazu veranlaßt, ein von ihm geschriebenes Dokument zu unterzeichnen. Wir haben nunmehr auch durch Vermittelung des löblichen Central-Comitä's zu Amsterdam directe Schreiben von den Vorstehern und Rabbinen der beiden genannten Gemeinden erhalten. Die Vorsteher und Rabbinen der sephardischen Gemeinde zu Liberia schreiben uns ungefähr Folgendes:*) „Wir haben zu unserem Leidwesen vernommen, daß in Europa die Nachricht verbreitet worden, daß wir dem Ludwig August Frankel aus Wien aus Anlaß seines Buches „nach Jerusalem" das Ehrenamt eines Vorstehers der zwei heiligen Städte Saphet und Liberia übertragen haben sollen. Deßhalb ist es unsere Pflicht, überall kund zu machen, daß wir das genannte Werk niemals gesehen haben, und daß, wenn es in unsere Hände gelangt wäre, wir es verbrannt haben würden, weil wir vernommen haben, daß nicht zu billigende Dinge namentlich gegen die des Studiums der Gotteslehre Beflissenen darin stehen sollen, woraus hervorgeht, daß der Mann ein Min (Sectirer) und Apikaureß (eigentlich Epikuräer, *) Beide Schreiben sind nicht allein in hebräischer Sprache, sondern auch in echt orientalisch-pomphaftem Style abgefaßt, so daß eine wörtliche Uebertragung nicht gut wiederzugedcn ist. dann Gottesleugner, Ketzer rc) ist, und nicht Ehre, sondern Schande gebührt ihm. Vor Jahren hat sich allerdings ein fremdländischer Arzt, Namens Frankel, über Sabbat hier aufgehalten, angeblich, um auf den Gräbern der Frommen zu beten. Da wir den Mann nicht kannten, so besuchten ihn einige Talmide Chachamim aus unserer Mltte; aber aus seinem Gespräch erkannten sie bald, daß ihm der Glaube an unsere heilige Thora fehle. Da bereuten die Besuchenden, daß sie hingegangcn waren, das Antlitz eines solchen Menschen zu sehen und verließen ihn tiefbekümmert. Sein Buch haben wir jedoch niemals gesehen, denn wir halten solche Bücher fern von uns und überliefern sie dem Feuer, wenn sie zu uns gelangen. Da wir nun vernommen haben, daß Ihnen, hochgeehrter Herr, die Ehre des heil. Landes und der Bewohner desselben am Herzen liegt, so ersuchen wir Sie inständigst, den Inhalt unseres Schreibens zu veröffentlichen, damit es bösen Menschen nicht gelinge, das Land Israel und dessen Bewohner zu verläumdcn. Sie aber möge der Allgütige segnen und die Zeit des Erscheinens seines Gesalbten erreichen lassen. Liberia, den 15. Schebat 5623. (Folgen die Unterschriften.) Die Vorsteher und Rabbinen der sephardischen Gemeinde zu Saphet theilen uns ebenfalls in einem ausführlichen Schreiben mit, daß sie weder den Ludwig August Frankel von Wien noch sein Buch kennen oder jemals gesehen, vielweniger ihm irgend eine Ehre erwiesen haben. Es geht also mit Evidenz aus diesem Allem hervor, daß das Ehrendiplom, welches Herr vr. Ludwig August Frankel in Wien erhalten hat, nicht von ihm, aber doch (sicherlich ohne Herrn F's Wissen und Wollen) von dem Absender in irgend einer Weise erschlichen sein muß Österreichischer Karserstaat. Weißkirchen (Mähren). Seit vier Jahren wirkt hier Herr Rabbiner Markus Pollak mit segensreichstem Erfolge. Seinen feurigen Ermahnun-