Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 4 (1863)
- Issue
- Heft 14-15 (15.4.1863)
- Date
- 1863-04-15
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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176 Stämme, welche das Land bewohnen, beunruhigen die Straßen und zerstören manchmal Gärten und Gebäude; so hat der Schaik Mustapha Abughas in Kirjat Jearim die Besitzthümer eines Israeliten aus Bagdad zerstört, welche dieser unter dem Schutze des englischen Consuls erworben hatte. Als nun derConsul sich darob beim Pascha von Jerusalem beklagte, entgegnete dieser, er habe bereits den rc. Mustapha zur Verantwortung gezogen; dieser gebe gewichtige Gründe an; der Jude habe nämlich einen Berg erworben, von dem man allgemein wisse, daß große Schätze an Gold und Silber darin vergraben seien, die der Jude durch Zauberei heraufbeschwören wolle; er aber (Mustapha) könne nicht dulden, daß diese großen Schätze in den Besitz eines Ungläubigen übergehen könnten. Da der Consul mit den Vorbereitungen zu seiner Abreise beschäftigt ist, so kann er die Angelegenheit nicht weiter verfolgen. Unser Glaubensgenosse muß daher die Ankunft des neuernannten Consuls abwarten. — Untcrdeß hat sich ein neues Drama ereignet; der englische Consulatssekretär ist bei einem Ausfluge nach Thekua von seinem arabischen Führer ermordet worden. Der bereits angekommene Generalconsul Mohr hat eine strenge Untersuchung einleiten und viele Araber verhaften lasten. Der 7. Adar, der Sterbetag unseres Lehrers Mosch eh, wurde in der heiligen Stadt in ergreifenster Weise gefeiert. Am 8. Adar verschied daselbst R. David Schäfer aus Ungarn, allgemein beklagt und betrauert. Am 12. Adar wurde der ehrwürdige Chacham Baschi von Jerusalem, N. David CHasan durch einenFerman des Sultans zum CH. B. des gesammten h- L. ernannt Der Pascha von Jerusalem sandle ihm in Folge dessen sein Leibroß und ließ ihn durch einen Obristen und 50 Kawassen zu sich entbieten. Im Hofe des Palastes zog ihm der Pascha mit allen Effendi's entgegen und ließ dann im großen Gerichtssaale den ehrwürdigen Oberrabbiner zu seiner Rechten sitzen. Dann wurde der Ferman verlesen, welchem alle MoSlemim knieend anhörten. Ein überaus prächtiges Geleit begleitete darauf den ehrwürdigen Oberrabbiner in seine bescheidene Wohnung, wo hin die Israeliten mit Segenswünschen empfingen. Dieser Tag war ein Festtag für alle jüdischen Bewohner der heiligen Stadt, denn seit langer Zeit schon ist keinem Juden eine solche Auszeichnung Aon Seiten der türkischen Regierung zu Theil geworden. Am 19. Adar feierten die unter englischem Schutze lebenden jüdischen Bewohner der h. St. das Hochzeitsfest des Prinzen von Wales. Allgemein wurde an diesem Tage die Erinnerung lebendig, wie freundlich und liebevoll sich der jugendliche Prinz bei seiner Anwesenheit in Palästina gegen die dortigen Juden benommen, ihre Synagogen besucht und ihre Rabbincn durch freundliches und ehrerbietiges Entgegenkommen geehrt hatte. In den Synagogen wurde Fest-Gottesdienst abgehalten und die Hauser waren illuminirt. Am andern Tage brachte eine Deputation dem englischen Generalconsul die Glückwünsche der Israeliten, der sie huldvoll empfing und sie der gnädigsten Gesinnungen Seitens des Prinzen von Wales versicherte. Am 25. Adar kam der in diesen Blättern bereits erwähnte Arzt des Rothschild'schen Hospitals, Herr vr. Rothziegel, in Jerusalem an. Wiewohl die dortigen Israeliten den Genannten noch nicht näher kennen, freuten sie sich doch seiner Ankunft, da sie der umsichtigen Wahl der Herren I)r. Albert Cohn in Paris das größte Vertrauen schenken. Beyrut. Die Telcgraphenlinie von Constantinopel nach Alexandrien, welche Beyrut berührt, ist vollendet. Ebenso auch die Chaussee von Beyrut nach Damaskus; diesen Weg konnte man bisher zu Wagen nicht zurücklegen, weil er für Wagen unzugänglich war. Leider können jüdische Reisende die neue Post nicht benützen, weil der Wagen von Pferden und Maulthieren (Kilajim) gezogen wird; und ein andrer Wagen darf den Weg nicht passiren, weil die Gesellschaft, welche die Chaussee hat bauen lassen, ein Privilegium darauf für 50 Jahre erhalten hat. Und nach 50 Jahren? Wer könnte, zumal in unserer wechselvollen Zeit, die Ereignisse auf ein halbes Jahrhundert im Voraus bestimmen wollen! Briefkasten der Redaktion.