Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 4 (1863)
- Issue
- Heft 13 (1.4.1863)
- Date
- 1863-04-01
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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158 Und ich werde verhärten das Herz Pharao's u. s. w.; es wird Pharao aus Euch nicht hören, und ich werde meine Hand legen an Mizrajim und herausfuhren meine Schaaren u. sw., mit großen Strafgerichten. 2. B. M. 7. 3—5 Gehe zu Pharao, denn ich habe sein Herz und das Herz seiner Knechte verstockt Das. 10, 1. Sämmtliche Ausleger ersten und zweiten Ranges werfen hier die Frage auf: Wie ist die Verstockung und Verhärtung des menschlichen Herzens mit der göttlichen Barmherzigkeit, die das Wohl aller Wesen anstrebt, vereinbar? Wie kann die Entlastung der Israeliten ans seinem Dienste vom egyptischen König verlangt werden', wenn Gott selbst ihn in seiner Weigerung bestärkt? Und weßhalb verdient Pharao eine Züchtigung wegen Nichtentlaffung, wenn der Wille des Allerhöchsten ihn gleichsam zur Halsstarrigkeit zwingt? — Zu meinem nicht geringen Erstaunen scheint es diesen großen Gelehrten entgangen zu sein, daß diese Fragen bereits im Midrasch Rabva Schemoth Paraschah l>3. angeregt und völlig erledigt werden; ja, die vom Rambam in seinen Schemoncch Perakim Abschnitt 8. gegebene Beleuchtung zu vorstehenden und ähnlichen schwierigen Bibelstellen hat bereits in Rabbi Schimeon Sohn Lakisch's ihren großen Vorgänger. „Hier gibt es Stoff für Ketzer zu beißenden Auslastungen", bemerkt Rabbi Jochanan, „es hing doch nicht vo r Pharao ab, sich zu bekehren, wenn zwangsweise unbändiger Eigensinn in sein Herz eingekchrt!" — „Möge sich der Mund ver ketzerischen Schreier für immer schließen", entgegnet Rabbi Schimeon Sohn Lakisch's, „hier wird man leicht mit ihnen fertig, man erinnere sich nur der Vergeltung von Gleichem mit Gleichem. Mt Spöttern treibt Gott Spott, und Verstockte straft er mit Verstocktheit; er warnt den Menschen dreimal vor Vergehungen, und wenn er sich nicht ändert, wird er seiner Willensfreiheit verlustig — Der Allerheiligste schickte an Pharao fünfmal die Aufforderung, von der Unterdrückung der Israeliten abzustehen, und ihnen freien Abzug aus seinem Lande zu gestatten, und er achtete darauf nicht, die Aufforderung blieb fruchtlos. Da sagte Gott zu dem Verblendeten: Du zeigest Deine Macht, mir gegenüber eine feste Weigerung zu behaupten; gebührender Maaßen, werde ich Dir auch meine Macht zeigen, und Deiner Willensfestigkeit eine Ausdehnung geben, aus der Du Dich nicht wirst befreien können; Du wirst Deine Halsstarrigkeit behaupten, aber nicht Deine Herrschaft."— Zur deutlicheren Auseinandersetzung citire ich den Rambam aus erwähnter Stelle: „Der Ausspruch Gottes, „ich werde das Herz des Pharao verstocken", darf jeden Denker veranlassen, darüber zu forschen; ich habe darüber abgehandelt und theile Dir das Resultat als ein sehr wichtiges Ecgebniß meiner Forschungen zu Deiner Beherzigung mit. Wenn die Sünde Pharaos und seiner Anhänger nur darin bestände, daß fie aus die an sie ergangene göttliche Aufforderung, die Israeliten nicht frei geben wollten, wäre es allerdings ein mit der Gerechtigkeit Gottes unvereinbares Handeln, bei veranlaßter und beinahe ihm aufgenöthigter Widersetzlichkeit ihn für seine Weigerung zu züchtigen. Die Sache verhält sich aber nicht so. Pharao und seine Genoffen haben es aus eigenem Antriebe darauf angelegt, das unter ihnen wohnende jüdische Volk aus brutaler Roheit zu unterdrücken, dachten sogar lange darüber nach, es schon von der Wiege an zu verfolgen, um eine Vermehrung desselben für immer zu verhindern. Dieser auf eine ganze Nation abzielende Mord verdiente wohl eine tödtliche Vergeltung; Reue und Buße konnten davor schützen, und es blieb also kein anderes Mittel den Weg zur Rückkehr abzuschneiden als die Willensfreiheit zu beschränken, und das von mörderischen Vorsätzen beherrschte Gemüth in einen Kerker zur Aufnahme von bittern Schmerzen und Leiden zu verwandeln. Und darin offenbarte sich eine göttliche Wunderkraft, von der in aller Welt erzählt werden sollte, daß dem Willen eines Menschen Fesseln angelegt werden können. — Auf diese Weise ist auch das göttliche Verfahren mit Sichon, dem König zu Heschbon, der die Israeliten durch sein Land nicht ziehen lasten wollte, in dieser Weigerung von Gott bestärkt, und dafür mit dem Tode büßte, erklärlich; denn nicht in dem verweigerten Durchzug bestand sein Verbrechen, sondern eine frühere zur thierischen Willkür herabgesunkene Freiheit veranlaßte eine Beraubung derselben zu seinem ewigen Verderben; durch Sünden wird nach einer höheren Weltordnung der Mensch seiner für wahre Besserung sich regenden Empfindungen verlustig, um der seinen Handlungen gebührenden und gerechten Bestrafung anheimzufallen; Fehlen aus freien Stücken wird zur Nothwendigkeit und die Verdammniß kann nicht ausbleiben. — Abarbanal in Seder Waera Ka. 7. 3. kann sich nicht mit dieser vom Midrasch und vom Rambam wie auch vom Ramban gegebenen Beleuchtung einverstanden erklären und bezeichnet die Meinung derselben von der göttlichen Zurückhaltung des schlechten Menschen zur Besserung als eine sehr sonderbare, schwer zu begreifende, und, was noch mehr, den Aussprüchen der heiligen Schrift, wonach der Allgütige nicht das Verderben, sondern das Heil des Menschen verlangt und fördert, widersprechende. Hier muß ich den großen Forscher einer Uebereilung zeihen, wenn er die Schale feines Unwillens auf die Häupter der religiösen Wissenschaft ausschüttet, ihnen Unkunde der Bibel vorwirft, während denselben, anlangend den erwähnten Grurüstatz, nichts als der Vorzug der Originalität abgeht. — (Schluß folgt.)