Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 4 (1863)
- Issue
- Heft 13 (1.4.1863)
- Date
- 1863-04-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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15« erstrecken sich auf alle Fächer einer Realschule, wozu dann noch die biblisch talmudischen kommen. — Die Anstalt besteht jetzt seit zehn Jahren und bildet die schönste Blume im Ruhmeskranze ihres Gründers und Leiters. Wiesbaden. Die hiesige israelitische Gemeinde will eine neue Synagoge bauen. Ein reicher Mann, in unserer Nähe wohnhaft, hat freigebig der Gemeinde einen großen und schöngelegenen Platz zum Geschenk gemacht. Zur Feier dieses frohen Ereignisses wurde ein solennes Essen in einem christlichen Gasthofe, bestehend aus verbotenen Speisen, veranstaltet. Das ist moderne Gottesverehrung! Es werden hier nunmehr die Früchte der Aussaat geerntet, welche Geiger vor 25 Jahren hier gesäet hat und die seitdem sorgfältig gepflegt worden ist. iOsfenbach a. M. Die hiesige orthodoxe Religionsgenossenschaft hat sich constituirt und Herrn vr. Samuel Dessau, bisher Lehrer an der Unterrichtsanstalt der israelitischen Religionsgesellschaft zu Frankfurt a. M., zum Prediger und Religionslehrer berufen. Oesterreichischer Kaiserstaat Wien. Die Wiener Zeitung vom 5. März berichtet: I. Maj. die Kaiserin Elisabeth haben geruht, das vom Herrn Rabbiner E. I. Blücher in aramäischer Sprache verfaßte Gedicht »Kissing enmit deutscher Übersetzung allergnädigft anzunehmen und in Allerhöchstderen Bibliothek aufbewahren zu lassen. Prestburg, Ende März. Seit einiger Zeit wurde hier der Wunsch laut, daß auch in unserer Synagoge regelmäßig wiederkehrende sabbatliche Vorträge gehalten werden. Da aber unser hochverehrter Herr Oberrabbiner durch die Jeschibah zu sehr in Anspruch genommen ist und sein leidender Gesundheitszustand ihm übermäßige Anstrengung verbietet, so wurde im Laufe dieser Woche Herr Philipp Fischmann, Oberrabbiner zu Klausenburg, im Einvernehmen mit dem hiesigen Oberrabbiner, nachdem derselbe sich durch einen religiösen Vortrag die Sympathien der Gemeinde erworben, zu dem ^genannten Zwecke angestellt. Rußland. Das Kosakenleben gibt in Polen nicht bloß zu traurigen, sondern oft auch zu gar gemüthlichen Scenen Veranlassung. So erzählt die Königsb. Hart. Ztg.: „Als das polnische Städtchen Staszow nach der Einnahme durch die Russen geplündert wurde, waren diese angewiesen, die Plünderung nur an den christlichen Einwohnern zu vollziehen, die Juden aber, welche noch heute in einem abgesonderten Stadtviertel wohnen und sich beim Aufstande nicht betheiligten, zu verschonen. Nachdem die Plünderung an der christlichen Bevölkerung vollbracht war, kaufte die Judengemeinde den Russen die sämmtliche Beute für 500 Rubel ab und stellte dieselbe, nach dem Abzüge der Russen, ohne irgend welche Bezahlung oder Vergütung der christlichen Bevölkerung zurück." Türkei. Smyrna, 13. März. Gestern in den Morgenstunden war das Frankenquartier und die angrenzenden Stadttheile in Hellem Aufruhr. Die Hefe der einheimischen christlichen Bevölkerung hatte wiederum, wie gewöhnlich vor den herrannahenden Ostern, eine Judenverfolgung in Scene gesetzt, welche durch das abgedroschene Märchen vom Christenblut ihre ursächliche Entstehung herleitet. Aus allen Gassen und Gäßchen strömte der von Fanatikern in geistlicher und weltlicher Tracht anfgestachelte Pöbel herbei und insultirte die Juden allerwärts, wo sie sich blicken ließen. Erst nachdem der Aufruhr eine ernstere Wendung zu nehmen schien, und die blutdürstige Horde mit Knütteln und Messern über die unglücklichen Israeliten herfiel, erschien auf Andringen der Consuln die Polizei und eine Compagnie türkischer Soldaten auf dem Platze. Es wurden gegen 50 Personen gefänglich eingezogen, worunter einige Rädelsführer sich befinden, denen auf Andringen des englischen Consuls, welcher sich der Sache besonders annimmt, lebenslängliche Galeerenstrafe zugedacht sein soll. (Hierbei ei«e Beilage.) B»rant»»rtltchr Ne»«tti«n »an vr. Lehm««». — Verlag »er Le Roux'sch»« Hofbuchhandlrin-. — Druek,»« I. Oott«lete« in Main».