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Der Israelit · 1863-04-01 · Heft 13 (1.4.1863) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
4 (1863)
Issue
Heft 13 (1.4.1863)
Date
1863-04-01
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Eine Einigung wurde dann über diesen Punkt nur insofern erzielt, daß eine Commission mit der Vorlage eines Entwurfs betraut wurde, und daß über diesen eine im Juli zu berufende Versammlung wiederum berathen solle. Zuletzt hat die Versammlung noch beschlossen, von der Regierung einen Zuschuß zur Bestreitung der israelitischen Cultuskosten zu verlangen. Wir haben nun noch hinzuzufügen, was wir von diesem Plane der Herren Rabbiner halten. — Es steht nach der obenerwähnten Regierungsvorlage eine höchst liberale Regelung der kirchlichen Verhältnisse im Großherzogthume in Aussicht; da fürchten die Herren für all die verschiedenartigen Sporteln und Gebühren für Trauungen, Confirmationen, Aussegnungen der Wöchnerinnen, Leichenbegleitungen i und so weiter; die Synode soll dann diese Propaganden in Privilegien umwandeln und etwa noch neue hinzufügen. Das ist eins. Ein zweites ist die Furcht vor weiteren Ausscheidungen der Gesetzestreuen, wie bereits mehrere solcher Separatgemeinden im Großherzogthum existiren; dem soll die Synode einen Damm entgegensetzen. — Ein Drittes ist etwa Folgendes: Die Erfahrung lehrt, daß die Reformsynagogen in der Regel leer sind, weil die Anhänger der Reform Samstags in ihren Geschäften zu thun haben; das verletzt aber die Eitelkeit dieser Herren Geistlichen, die ihre oratorischen Ergüsse, für welche sie eine kindische Eingenommenheit besitzen, vor leeren Bänken produciren müssen. Eine Synode könnte nun mit Leichtigkeit eine polizeiliche Verordnung erwirken, daß alle Geschäfte und Läden während der Predigt bei 5 fl. Strafe geschlossen werden müssen. Würde es möglich sein, der Sabbatverletzung einen Damm entgegenzusetzen, wir würden die Schritte dazu mit Freuven begrüßen, — solches Vorhaben jedoch, wie das obengeschilderte, ist mehr als lächerlich. Im Großherzogthum Hessen hat die Gründung einer Reform Hierarchie geringe Aussicht. Als Adonijahu die Herrschaft an sich reißen wollte *), hat er zu dem von ihm veranstalteten Feste seinen Bruder Schelomo nicht eingeladen. Die hiesige israelitische (orthodoxe) Religionsgesellschaft oder vielmehr deren Vertreter waren zu der <Lonntagsversammlung nicht berufen worden. Adonijahu hat aber die Herrschaft *) 1. Buch der Könige, Cap. 1, B. 5 und 10. nicht erlangt; vielleicht hat Schelomoh, dem nicht persönliche Interessen und pecuniäre Vortheile Triebfedern des Handelns sind, in einer nicht allzufernen Zukunft bessere Aussichten. Mainz, den 25. März. Es liegt uns das Programm der Unterrichtsanstalt der israelitischen Religionsgesellschaft zu Frankfurt a. M. vor; dasselbe zeichnet sich vor andern ähnlichen immer dadurch vvrtheilhaft aus, daß es stets eine Abhandlung jüdisch-pädagogischen Inhalts bringt; so enthält auch das diesjährige eitlen gediegenen Aufsatz, „Grundzüge zu einer Schulpädagogik des Talmud", von Or. A. I. Sulzbach, ordentlichem Lehrer der Anstalt. Wir haben diese Arbeit mit großer Befriedigung gelesen und haben gefunden, i daß Herr vr. S mit der Emsigkeit und dem Fleiße der Biene aus dem ganzen, weiten Gebiete des Talmud alle einschlägigen Stellen gesammelt und methodisch zusammengestellt hat; so gewährt diese Arbeit ein recht übersichtliches Bild von der gesammten Schulpädagogik unserer Weisen und enthält demgemäß Normen, die dem echten Juden noch heute maßgebend sind. Es ist dieser Abhandlung eine um so größere Wichtigkeit beizumessen, da es unseres Wissens das erste Mal ist, daß eine solche Zusammenstellung versucht worden und da wir vielfach in dieser Beziehung namentlich bei christlichen Gelehrten völlig unbegründeten Vorurtheilen begegnet find. Es wäre zu wünschen, daß Herr vr. S. diese Grundzüge zu einem selbstständigen Werke erweitere; unsere pädagogische Literatur würde nicht wenig dadurch bereichert werden. Aus den Schulnachrichten vom Leiter der Anstalt, Herrn Rabbiner Hirsch, erfahren wir, daß auch diesmal die altbewährte Freigebigkeit der israelitischen Religionsgesellschaft recht glänzend hervorgetreten ist; namentlich sind es die Herren M. I. Kirchheim und L. W. Schwabacher, welche großartige Spenden der Anstalt gewidmet haben, der erstgenannte über 3000 fl. und Herr Schw. nahe an 1200 fl.; die übrigen Spenden sind ebenfalls sehr beträchtlich und nimmt deren Aufzählung über acht Seiten in Anspruch. — An der Anstalt wirken 10 ordentliche Lehrer (gegenwärtig nur neun, da eine Vacanz erst besetzt werden wird), 5 Fachlehrer und 3 Fachlehrerinnen. — Die Unterrichtsgegenstände

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