Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1863-04-01 · Heft 13 (1.4.1863) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
4 (1863)
Issue
Heft 13 (1.4.1863)
Date
1863-04-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2446951-2447089-2447103--01803-2457094
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

151 ll. Es ist schon oft die Frage aufgeworfen worden, warum gerade Gott Israel erwählt hat vor allen Völkern der Erde? Gottes Gerechtigkeit ist dieselbe für alle seine Geschöpfe; aber die Freiheit des Willens war es, die Abraham hingeführt hat zum Guten, die ihn hat erkennen lassen den Einigeinzigen und ine ihn hat wandeln lassen einen Wandel, welcher dieser Erkenntniß entsprach. Aus freien Stücken und ohne Zwang folgte Jizchak seines Vaters Beispiel und vererbte die Erkenntniß und den Wandel in Gottes Wegen dem Jakob und seinen Söhnen. Dadurch hatte sich Israel errungen den Vorzug vor allen Nationen, dadurch ist dieses Volk geworden gleichsam der erstgeborne Sohn Gottes, und diesen Vorzug bewährte Gott durch die drei folgenden Plagen. Bis dahin waren nur lästige, unangenehme, aber keine zerstörende, vernichtende Plagen über Mizrajim gekommen. Jetzt aber verwüstet das Gewild das Land Mizrajim, während das Land Goschen, der Wohnsitz Israels, verschont bleibt; die Pest tödtet das Vieh der Egypter, aber nicht das der Israeliten. Mit Hautentzündungen werden die Egypter behaftet, nicht aber die Israeliten. Bei allen diesen Plagen bewährt sich der Grundsatz s'2? 'Op mis DOM 1OP (das. v. 19) „und ich werde einen Unterschied machen zwischen meinem Volke und deinem Volke." Gott bewährt seine besondere Fürsorge für sein auserwähltes Volk. Aber gerade dadurch wird verstockt das Herz Pharaos. Er erkennet Gott noch nicht als den Allmächtigen, sondern nur als den Nationalgott Israels. Weil Gott sein Volk verschont, denkt Pharao, so ist nur dieses Volk seiner unbedingten Herrschaft unterworfen, und Alles, was bisher geschehen, ist vielleicht Nichts, als die Folge eines augenblicklichen, vorübergehenden Sieges des Gottes Israels über die Götter Mizrajims. Deßhalb muß Pharao den Allherrn in seiner Allmacht kennen lernen. III. In den furchtbarsten Naturerscheinungen, wie sie Mizrajim noch niemals gesehen, zeigt sich die göttliche Allmacht. Hagel, Donner und Blitz sind diejenigen Erscheinungen, welche auf die Sinne am meisten wirken und in ihrer entsetzlichen Gewalt das stolzeste Herz erbeben machen. (II. B. M. C. 9. V. 24) „Und es war Hagel und Feuer um sich greifend mitten im Hagel, gewaltig schwer, wie seines Gleichen noch nicht gewesen in Mizrajim, seitdem es zum Volk geworden." Feuer und Wasser, die sonst sich einander ausschließen und sich immerwährend bekämpfen, machen auf das Geheiß des Allmächtigen hin Frieden, — Ihm gehorcht die ganze Natur. Jetzt erkennt es Pharao an: :p'i3N OpL.i 'nxvki O'PL^.1 'Opi 'Ln (das. V. 27) „ich habe gesündigt dieses Mal! der Ewige ist der Gerechte, und ich und mein Volk sind die Frevler", weil wir gegen ihn, den Allmächtigen, ungehorsam waren. Aber ist denn Gott wirklich der Allmächtige? fährt Pharao zu überlegen fort; sind ihm doch noch übrig geblieben die nothwendigsten Lebensmittel, Weizen und Dinkel, die nicht vom Hagel erschlagen worden. Und siehe, als die Gewalt der Plage von ihm gewichen, da fährt er fort zu sündigen; es muß erst die Heuschrecke kommen und muß bedecken die Erde und verzehren den verschonten Rest, der übrig geblieben vom Hagel. Und Pharao eilt und bekennt auf's Neue seine Sünde, aber doch nur gegen „den Ewigen, euren Gott." (C. 10 V. 16). Noch erkennt er Gott nicht an als den Herrn des gesammten Weltalls. Da entziehet ihm Gott das Licht der Sonne und zeigt ihm, daß die prächtige Beherrscherin des Himmels Nichts ist, als die Dienerin, die Ihm ohne Widerstreben gehorcht. Jetzt zweifelt Pharao nicht mehr an der Allmacht Gottes; er ist bereit, zu gehorchen, Israel zu entlassen, nur ihr Eigenthum will er noch zurück-, sich selbst noch ein Anrecht auf sie erhalten. Nicht so; ganz gehört Israel seinem Gotte; Gott hat Israel zu seinem Eigenthum erkoren — Nichts darf von diesem Eigenthum unter des Egypters Herrschaft Zurückbleiben. IV. Nachdem durch die erwähnten neun Plagen dem Pharao gegenüber das Dasein Gottes, tue besondere Fürsorge Gottes für Israel und die Allmacht Gottes erwiesen worden, war nunmehr noch nachzuweisen, daß Israel zum Dienste Gottes berufen ist. Schon ehe Moscheh bei Pharao erschien, befahl ihm Gott, dem Egypter-Könige zu verkündigen: (II B. M. C. 4. V. 22, 23) „Also hat der Ewige gesprochen: „mein erstgeborner Sohn ist Israel; und ich sage zu Dir : laß ziehen meinen Sohn, daß er mir diene; weigerst Du Dich aber, ihn ziehen zu lassen, so erschlage ich Deinen erstgebornen Sohn." Ehe der Allmächtige die Levijim und Cohanim zu seinem Dienste berufen hatte, waren die erstgebornen Söhne die Priester des Hauses. Da sich Pharao nun noch immer weigert, den eigenthümlichen Beruf Israels, ein Gottesvolk zu sein, anzuerkennen, da durchzieht Gott das Land Mizrajim und erschlägt „alle Erstgebornen, von dem Erstgebornen Pharao's, der sitzen sollte auf dessen Throne bis zum Erstgebornen der Kriegsgefangenen, der im Kerker war, auch alle Erstgeburt des Viehes" (II. B. M. C. 12. V. 29). Nun zweifelt Pharao nicht mehr an der Berufung Israels. Mitten in der Nacht erhebt er sich von seinem Lager und ruft Moscheh und Ahron und heißt sie fortziehen mit

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.