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Der Israelit · 1863-03-25 · Heft 12 (25.3.1863) · page 4

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
4 (1863)
Issue
Heft 12 (25.3.1863)
Date
1863-03-25
Page
– (sequence 4)
Language
German
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140 und Stirn, und frischer Muth strömt in sein Herz, frische Kraft spannt seine Sehnen und ein Strahl rein himmlischen Trostes durchzuckt freudig sein Gemüth. Denn aus dem dunkeln Schachte der grauen Vergangenheit beschwören die Tephillin die geschichtliche Erscheinung der egyptischen Befreiung herauf; diese tritt lebendig vor die Seele hin, erheitert sie und zündet in ihr die Fakel der Hoffnung an. Mit lautloser Geisterstimme rufen die Tephillin täglich dem Juden zu: „Jener Gott Jsrael's, der Herr der Heerschaaren, der Gott Zabaoth, dessen Stuhl der Himmel und Fußschemel die Erde, der in der frühesten Vorzeit das Volk Israel befreite aus dem eisernen Joche der egyptischen Gefangenschaft, er wird auch in der Zukunft, „„Jacob nicht zu Schanden und Israel zum Raube werden lassen."" „Wie der gute treue Hirt seine verlassene zerstreute Heerde sammelt und nach der grünen Weide führt, so wird auch Gott, der Hüter und Hirt Jsrael's aus allen Winkeln der Erde die Kinder Jsrael's zusammenführen und sie als eine freie beseligte Gemeinschaft bringen nach den lachenden Gefilden des Landes ihrer Verheißung, des schönen gelobten Landes, wo „„Milch und Honig fließt"" und „„auf dem das Auge Gottes wohlgefällig ruht vom Anfänge des Jahres bis zu dessen Ende."" Die Tephillin sind des Juden Leuchte in der Nacht seiner unsäglichen Leiden, sie sind die Oase in der Wüste seines Daseins; sie sind der befruchtende Himmelsthau, der auf dem Boden des jüdischen Lebens, wie durch Zauberkraft den saftig grünen Baum der Hoffnung emporschießen läßt und duftige Lilien der Verjüngung treibt. Aber die Aufgabe der Denkriemen ist auch die, den Juden wie mit eisernen Banden an Gott zu ketten und durch den Inhalt ihrer heiligen Pergamente zu erinnern an die Allmacht Gottes und an die Vergänglichkeit aller Größe und Glücksgüter dieser Erde. Die Egypter mit ihren zahlreichen Kriegsroffen und Streitwagen, in einem Augenblicke wurden sie, durch den Wink des Höchsten, von des Meeres brausenden Fluthen verschlungen. Der Jude soll nun, durch die Denkriemen an Auge und Hand, dessen eingedenk werden, und daher mit Auge und Hand, nicht nach den kurzen sinnlichen Genüssen und vergänglichen Erdengütern Haschen und greifen, sondern die Verrichtungen und die Blicke des Auges nach den göttlichen Gesetzen einrichten. Die Quelle aller bösen Gelüste ist das Auge, welches in seiner Unersättlichkeit nach allen Reizen, nach den erlaubten wie unerlaubten lüstern verlangende Blicke wirft, wie es heißt: „Das Auge sieht und das Herz begehrt." Die Hand wiederum ist der Bote des Auges, der Vollstrecker seines Verlangens. Das Auge sieht nach dem Gegenstände, und die Hand greift nach ihm; das Auge sucht sich sein Opfer aus, und die Hand wirft danach ihr Netz >! und zieht dessen Maschen um ihre Beute eng zusammen. Nun sollen die Denkriemen an Auge und Hand diese zwei Faktoren der Sünde gleichsam fesseln, und an die Hinfälligkeit alles irdischen Glückes mahnend, deren Ausschreitungen einen Damm setzen und zur Geltung bringen die goldene Lehre der heiligen Schrift „Ihr sollt nicht nachhängen den Gelüsten eures Herzens und eures Auges." Wahrhaftig! Eine schöne Zierde, ein edler Schmuck die Tephillin; ein herrliches Diadem auf der Stirne und ein prächtiges Armband um die Hand. Mit Recht wendet der weise Talmudist Rabbi Elieser den Vers, „Und es werden sehen alle Völker der Erde, daß der Name Gottes an Dir haftet und sie werden Dich fürchten" auf die Tephillin am Haupte an. Denn in der Thal dürften alle Völker der Erde von Achtung und Ehrfurcht erfüllt werden vor dem göttlichen Schmucke der Tephillin und seiner erhabenen! Bedeutung. Sie dürften zur Ueberzeugung gelangen, i daß ein Volk, welches Jahrtausende lang den angej strengtesten Verfolgungen der mächtigsten Nationen der Erde löwenmuthig trotzte, das Feuer und Schwert nicht auszurotten vermochte und das, gar oft von physischer Macht überwältigt und zu Boden gestreckt, wie ein Phönix wieder aus eigener Asche zu neuem verjüngten Leben erstand, daß ein Volk, welches ohne alle materielle Gewalt, nur durch die Macht seiner Gottesüberzeugung und die heiligen Ueberlieferungen seiner Geschichte, diesen riesenhaften Widerstand entwickelt der, als ein lebendiger Beweis von der, die Bestrebungen der Menschen fördernden oder vernichtenden Allmacht Gottes, der ganzen Menschheit zur Lehre dienen kann; daß ein solches Volk wirklich der Achtung, Bewunderung und Ehrfurcht im hohen Grade würdig ist. Mögen andere ihr Haupt mit Kronen und ihre Stirne mit blitzendem Geschmeide schmücken; der Jude hat sie nicht zu beneiden, denn auf seiner Stirne prangt das Siegeszeichen seines Gottesglaubens. Mögen Andere ihre Hand mit stolzer Sicherheit und übermüthiger Selbstzufriedenheit stützen auf ihren blanken, tadellosen Stahl; der Jude hat sie nicht zu beneiden, denn seine Hand umgürtet die Waffe des göttlichen Wortes. „Jene stützen sich auf ihre Reitereien und Streitroffe, und wir rufen an den Namen des Ewigen, unseres Gottes." 82ÜQI6 im Monate Schebat 5623. (Schluß folgt.) OrLkoäor-isr. MbelsnMt Ein Ungenannter 1 fl 30 kr. — Durch Religionslehrer Jos. Klein in Veitshöchheim: ein

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