Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 4 (1863)
- Issue
- Heft 11 (18.3.1863)
- Date
- 1863-03-18
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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132 nichts von Dir hören lasten" wird deine erste Frage sein. Mein lieber Freund, ist meine Antwort, ich wollte die Richtigkeit des Sprichworts „Schweigen ist Gold" erproben. Nun?,, Doch das Sprichwort will, wie so viele Andere gar nichts sagen; denn trotz meines so lange ununterbrochenen Schweigens habe ich es nicht zu Hunderttausend Frank Renten bringen können; ich dachte also „Schweigen und doch kein Gold", das kann man sich schlechterdings nicht gefallen lasten, rede ich demnach lieber, und ich glaube ich befinde mich wohler dabei. — Doch, was Neues aus der Seinestadl? O, seit meinem letzten Briefe hat sich gar vieles ereignet. Miros, dessen Prozeß ich in einem meiner Briefe erwähnte, wurde zum Erstaunen Aller freigesprochen, und noch 4 lange Wochen nachher bildete dahier das pro und eontra das Tagesgespräch in den jüdischen und antijüdischen Kreisen. — Der Meister der Töne Halevy ist gestorben, ein Schmerzensschrei drang durch die ganze Welt, die Kunst hat eine ihrer Stützen verloren, das Judenthum eines seiner Koryphäen und doch reichten 4 Tage hin, um ihn einem andern wichtigen Tages-! ereigniste zu opfern. Uebrigens, wen wird das wundern? Seit 25 Jahren hat sich die Menschheit daran gewöhnt, die ganze Welt als einen großen Marktplatz anzusehen. Handel mit Telegraph und Eisenbahn steht da natürlich oben an, dann kommen Schuster und Schneider und alles andere ehrliche Gewerbe. — Wohl dem Künstler, der seine Kunst zu einem Handwerke erniedrigen kann, denn der wahre Künstler muß Schulden machen, und wenn man ihm nicht borgt, verhungern. Doch ich berühre da wider Willen einen Gemeinplatz über den sich schon Hunderttausende aufgehalten haben, ich will die Ziffer nicht um 1 vermehren. Zu etwas Anderm. — Herr Rabb Weiskopf hat eine neue auf echt jüdischen Grundsätzen beruhende Schule gegründet, welche recht gedeiht. Bei der vor 8 Tagen daselbst stattgehabten Prüfung, haben die Resultate, die dieselbe während der kurzen Zeit schon erzielt hat, die lauterste Anerkennung gesunden. Herr Weiskops bemüht sich nämlich, Glauben und Wissen in seinen Schülern zur Einigung zu bringen; religiös und wissenschaftlich seine Zöglinge gehörig vorzubereiten, auf daß sie in ersterer Beziehung dem antireligiösen Treiben unserer Zeit gerüstet entgegen- Lreten können und in letzterer Beziehung den hohen Anforderungen der Zeit entsprechen. — Hat nun aber eine jede von den Orthodoxen ausgehende Anstalt gegen die vielen Vorurtheile anzukämpsen, die gewöhnlich von der neueren Richtung gegen alle derartige Schulen erhoben werden, so ist es um so bedauernswerther, wenn selbst in der orthodoxen Partei sich Leute finden, die aus wahrer Ignoranz eine solche von allen wahrhaft frommen Juden mit dem größten Eifer zu unterstützende Anstalt verdächtigen und derselben ihre Kinder entziehen. Hoffen wir, daß es Hrn. Weiskopf gelingen möchte, seine Anstalt bald so gewürdigt zu sehen/ wie sie es in Wirklichkeit verdient. — Auch in Bezug auf die Gemeiudeschulen dahier erwarten wir baldigst ein für Lehrer und Schüler günstigeres Verhältnis eintreten zu sehen, denn die Stadt hat das Budget von 3000 Frcs., die bisher für den jüdischen Volksunterricht bestimmt waren, auf 20,000 Francs erhöht. — Dasselbe soll wie ich aus sicherer Quelle erfahren habe, auf Antrieb des Herrn Großrabbiners Ullmann geschehen sein. — Ich muß Dir schließlich noch ein Curiosum mittheilen, das vielleicht nicht ohne Interesse für Dich sein wird. Der Neffe Sr. Excellenz des Finanzministers Fould wurde gestern in der Synagoge .imv 12 und hat derselbe seine ,-irr^s recht nett vorgelesen. Die verschiedenen Glieder der Familie Fould waren in der Synagoge anwesend. Doch genug für heute. Das nächste Mal mehr. Dein kvu -ssMtLll. Italien. Ferrara. In einem Kloster von Ferrara waren seit mehreren Tagen eine jüdische Frau und ihre zwei Kinder eingesperrt gehalten worden; auf Verwendung des Quästors gab der Erzbischof die Frau heraus, behielt aber die Kinder zurück. Der Staatsprocurator hielt es mit den Geistlichen und suchte die Sache zu verschleppen; zwei Professoren begaben sich daher nach Turin und stellten die Sache den Ministern Piffanelli und Peruzzi vor. Sofort wurde durch den Telegraphen Befehl ertheilt, die Kinder mit Gewalt in Freiheit zu setzen. Noch an demselben Abend umstellten Soldaten das Kloster und holten die Kinder heraus, die einige Stunden spater nach Rom gebracht werden sollten.