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Der Israelit · 1863-03-18 · Heft 11 (18.3.1863) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
4 (1863)
Issue
Heft 11 (18.3.1863)
Date
1863-03-18
Page
– (sequence 11)
Language
German
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133 Feuilleton. Auszüge von Erzählungen, Gleichnissen, Gedanken und Meinungen, wie Erklärungen von Schristftellen aus hebräischen Werken. Von kaivier in Lreolsu. (Erklärung einer Talmud- und Bibel» stelle.) Bei meinen vielfachen Erfahrungen von Täuschungen und Betrügereien, die im Geschäftsverkehr Vorkommen, bemerkt Rabbi Jochanan Sohn Sackai's, befinde ich mich über die Mittheillung derselben an meine Mitmenschen in großer Verlegenheit. Soll ich sie offenbaren? so steht mir die Besorgniß entgegen, die Betrüger werden von meinen Mitteilungen Gebrauch machen und sie bald in Anwendung zu bringen suchen; soll ich sie verschweigen, so könnten die Gauner denken, die Gelehrten verstehen sich auf derlei Kunstgriffe ganz und gar nicht, und werden demnach ihre Industrie zum Nachteil des Publikums ungenirt nnd ohne die Besorgniß, entdeckt zu werden, fortsetzen. Wie half sich Rabbi Jochanan aus seiner Bedenklichkeit? fragt der Talmud: „Er gab sie alle an," antwortete Rabbi Schemuel Sohn des Rab Jizchok, „und zwar fand er seine Beruhigung in den Worten, Hosea 14, 10: Gerade sind die Wege des Ewigen, und Gerechte wandeln darauf, aber die Bösen stoßen an und straucheln darauf." (Baba Bathra 89. b.) In wie fern aus vorstehendem Verse eine Rechtfertigung für die Bekanntmachung trügerischer Kunstgriffe ungeachtet eines zu befürchtenden Mißbrauches von Seilen der Gauner, hervorgeht, darüber ist meines Wissens, noch von Niemandem Aufschluß gegeben. Man wolle daher Aufmerksamkeit und Beachtung einer Erklärung gewähren, durch welche es, glaube ich mir gelungen, ein klares Licht über den Vers selbst zu verbreiten. Einer solchen Beleuchtung bedürfen die Worte: vv O'MSi und die Bösewichte werden gestürzt durch sie, d. h. durch die Wege Gottes. Klingt dieser Gedanke nicht auffällig? Bringen die göttlichen oder die eignen, selbstgewählten Wege den Verbrechern Unglück? Daraus bemerke ich Folgendes: Sinnliche Begierden und irdische Neigungen zu befriedigen ist nicht nur erlaubt, sondern auch Pflicht; sie sind von Gott zu wichtigen und heilsamen auf das geistige wie auf das körperliche Wohl abzielenden Endzwecken dem Menschen eingepflanzt. Der Körper könnte nicht fortdauern, der Geist verlöre ein bedeutsames Werkzeug zu seiner Thätigkeit, das menschliche Geschlecht könnte nicht bestehen, wenn man die Triebe und Bedürfnisse des Leibes unbeachtet und unbefriedigt ließe. Der Fromme sieht es ein und weiß, wie weit er bei dieser Befriedigung gehen darf, und wenn auch die Gaukelspiele der menschlichen Thorheit in unzähligen Gestalten ihn umschweben, und die Einsicht in das Gute ihm verwehren, er folgt den Begierden des Körpers und den Eingebungen der Lüste nur so weit, als die Erhaltung seiner Gesundheit und seines Lebens es erfordert, und die That mit seiner Erkenntniß zusammenstimmt. Der Bösewicht hingegen denkt: ich bin daran nicht Schuld, daß ich einen starken Hang zu sinnlichen Vergnügungen habe, und man kann es mir nicht verargen, wenn ich auf alle nur mögliche Art nach Mitteln zur Befriedigung der von der Natur mir gegebenen und mit meiner Geburt gleichsam zur Welt gekommenen Begierden trachte; durch alle Sinne dringen Bilder der Verführung in meine Seele, erhalten und nähren in mir ein reges Gefühl für Wollust und Annehmlichkeiten, aus deren Fesseln mich zu entreißen oder gar auf deren Vertilgung bedacht zu sein, liegt außer dem Bereiche meiner Macht. — Diesen Gedanken ruft der Prophet der ganzen Menschheit zu: Wer ist weise, daß er dieß einsähe, verständig, daß er es erkenne? Gerade sind die Wege des Ewigen, d. h. die Einrichtungen Gottes in der menschlichen Natur sind heilsam, Vernunft, Wahlvermögen und Begierden befördern das Glück und die Vollkommenheit des Menschen; und Fromme wandeln darauf, d. h. sie erringen sich die Herrschaft über ihre Neigungen, und schwingen sich über die Stürme und den Tumult uiedriger Lüste zu höherer Tugend und Glückseligkeit empor; aber die Missethäter straucheln und stürzen darauf, d. h. sie werden von der natürlichen tobenden Leidenschaft beunruhigt und Herumgetrieben, sinken in alle Gräuel der zu ihrem Heile ihnen anerschaffenen und durch ihre Unmäßigkeit entarteten thierischen Sinnlichkeit hinab, und bereiten sich selbst das traurigste Schicksal. Äehnlich diesen Worten des Propheten von dem göttlichen Verfahren mit der Bildung des Menschen, von den getroffenen Anordnungen zu seinem vollkommenen Wohle, ohne Rücksicht auf mögliche schlechte Verwendung derselben durch die Frevler, entschuldigt Rabbi Jochanan seinen Esser, Betrügereien aufzudecken, wenn auch Niederträchtigkeit ein größeres Feld dadurch gewinnt. Thue Recht und scheue keine Bosheit-

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