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Der Israelit · 1863-03-11 · Heft 10 (11.3.1863) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
4 (1863)
Issue
Heft 10 (11.3.1863)
Date
1863-03-11
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Beilage zu Nr. 10 des Israelit Feuilleton. ^soiLLirrLr. im Hebräischen. (Fortsetzung und Schluß.) Was Wunder, wenn der Natursohn, der nur «ach dem Augenschein urtheilt, sich das Sternenflimmern als eine halb erloschene Aureole zu denken vermochteNun hat die Nacht mit ihren vielen Geheimnissen die weite Erde umhüllt, aber keine sichere Ruhe gebracht. Wird ja ihr tiefes geheiligtes Schweigen durch den häßlichen Schrei des Schakals, der Hyäne und sonstiger wilder Thiere gestört, die sich in den von Wüsten umränderten Ländern in die Nähe der bewohnten Gegenden wagen und gierig nach Beute Haschen. Welch ein Wimmern und nächtliches Huschen, und wie markerschütternd das Heulen all der Katzen ertönt, während dazwischen eine gräuliche Schlange ihr giftgeschwollenes Houvt zisch nd und ringelnd in die Höhe reckt! Also si d die Nächte in dem heißen Orient, wie zumeist in den Tropenländern, unheimlich, herzbeklemmend, weßhalb auch nb'- als Metapher für Unglück steht. Micha 3. 6-; Hiob 35. 10. Und wie die menschliche Phantasie die Nacht frühzeitig mit gespenstischen Wesen bevölkert hat, (Maimon. More Neb. 3. jrnL' — an Zauberei und Gespenster — .-in) also schuf sie auch Namen für diese Geschöpfe eigentlich nocturna v. (nach Bocharts Bemerkung) Und nach all dem ist es mehr als wahrscheinlich, daß bch) (mit He xaraKOtz. ,->b'b) IranLxon. des Wehklagen, jammern Jes. 13. 6; Amoß 8. 3. ist. Freilich harmonirt nicht, diese poesielose Bezeichnung der Nacht mit unfern idealischen Vorstellungen von ihrer Erquickung und segnenden Ruhe. Aber sie ge hört auch einer grauen Vorzeit an, in der man sich noch selten über den Anblick des lachenden Himmels, der Erde, i. e. der Wirklichkeit zu entschlagen verstand, während schon eine spätere (?) Periode so sehr sich von derselben losgerungen hatte, daß der heil. Psalmist „und eine Nacht strömt der andern Erkenntnrß zu" (Psalm 19. 3) singen und der Prophet Jes. 40. 26 auf die Erhabenheit der nächtlichen Sternenwelt Hinweisen konnte. „Hebt den Blick zur Himmelssphäre Und erkennt, wer diese schuf: Der nach Zahlen ihre H, ere Führt hinaus mit einem Ruf; Der mit Namen alle zählet; D«m in seiner großen Kraft Und der Macht, die nie erschlafft, Nie von allen Eines fehlet." Wir hatttn schon einmal in diesen Blättern Gelegenheit (Israelit Nr. 19 u. 20, 1860) auf die Großartigkeit jener prophetischen Vorstellung aufmerksam zu machen. Dennoch, sie scheint nicht in das Wesen des Volkes eingedrungen zu sein und sich als ein Theil seiner Anschauung zersetzt zu haben. Zweifelsohne, die Wunderlieblichkeit einer durchsichtig klaren Nacht, die von einem fternenbesäeten Himmel überwölbt ist, kann von der Masse nicht begriffen worden sein. Dafür ist die Wunderpracht des Morgens um so wahrhafter erfaßt und auf das mannigfaltigste geschildert worden. Soll ich die Bilder hervor heben, an denen die Propheten überaus reich sind, wo es gilt, den Morgen zu verherrlichen? Genug, wenn ich sage, daß er ihnen als Symbol alles Guten und Gedeihlichen dient. Unter Licht verstehen sie Leben, (Ps. 56, 14.) Glück, (Hiob 22, 28 ) Erkenntniß, (Jes. 49, 6.) Unter „Sonnenaufgang" den endlichen Sieg der wahren Gottesanbetung über das Götzenthum Lug und Täuschung, diese Nachtgestalten an dem Himmel der Erkenntniß müssen und werden einst vor dem siegreichen, alles bewältigenden Glanz der zu lang verkannten Wahrheit fliehen, wie draußen in der Natur die Schatten der Nacht vor dem goldenen Strahl des Morgens weichen. Wir können uns nicht enthalten, die Worte des letzten Propheten (Maleachi 3, 20.) zu citiren — „euch gehet auf, die ihr meinen Namen fürchtet, die Sonne der Gerechtigkeit, Heilung unter ihren Flügeln." Und so kommt es, daß der Hebräer für: Gott suchen (sich nach ihm sehnen Ps. 68, 2; sich zu ihm wenden Hos. 5, 15.) Wahrheit suchen (Sprichw. i, 28) Zucht und Sitten befördern (ibid 13, 24 ): überhaupt nur das Gedeihliche suchen, mit Morgenröthe einen und denselben Ausdruck -»ono hat. (Sprichw. 7, 15. -ii^b will die buhlsüchtige Gleißnerin der armen Unschuld glauben machen, sie habe diese zu deren Heil gesucht.) Dieses Nomen aber ist wahrscheinlich aus ->liL blendende Weiße (Ezech. 2^ , 18.) mit der öftern Vertauschung des Zade in Schin, gebildet. Lewifon (in Sulamit 1810? Das Buch ist mir seit längst nicht zu Gesicht gekommen!) hatte also durchaus nicht Grund das lateinische Aurora von Aurum gelb (meines Bedünkens wahrscheinlicher von -v« quadr. nach der Form ll-illi«), das deutsche Morgenröthe u. s w. dem hebr. vorzuziehen. Dieses steht mit -mil? Schwärze in keinerlei Beziehung, denn wir haben es hier nicht zu thun mit einem lichtscheuen Egypter, dessen Geist ins eiserne Kastensystem gezwängt, sondern mit dem ernstheitern Sohn des Lichtes und der Lieder. Und dieser verstand sich viel zu gut auf das holde Spiel der Farben ... . Darin aber zeigt er vorzüglich seinen feinen Geschmack, indem er des ungebrochenen Strahles

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