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Der Israelit · 1863-03-11 · Heft 10 (11.3.1863) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
4 (1863)
Issue
Heft 10 (11.3.1863)
Date
1863-03-11
Page
– (sequence 8)
Language
German
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118 Feuilleton. Die Falascha-Iuden in Abessinien. (Aus dem Athenäum.) Herr A. Stern besuchte in Missionszwecken die Falaschas in Abessinien; er reiste Nilaufwärts nach Korosko, oberhalb Assuans, von da durch die Wüste nach Charthum, und dann auf dem blauen Nil nach Abessinien. Im Lande der Falaschas nahm er Aufenthalt und predigte. Seine Erzählung über diesen Aufenthalt in seinen „UVaväerinAs smonS tbe ^Alaskas in H.d^88inis" enthält manche interessante Schilderungen. Von den Falaschas, oder den „Verbannten," wie man die Juden in Abessinien nennt, sagt Herr Stern: sie seien ihrer Aussage nach, unter der Regierung der Königin Maqueda von Scheba (Saba), nach Aethio pien gekommen, als diese ihren mit Salomo erzeugten Sohn Menilek, von dem die Könige von Abessinien abstammten, nach Hause nahm. Diese Falaschas waren dereinst unabhängig, und wurden von Königen und Königinnen beherrscht, die man Gideon und Judith nannte; allein sie sind jetzt ein unterworfener Volksstamm und über fünf Provinzen zerstreut, wo sich ihre Niederlassungen stets durch den rochen Topf auf der Spitze ihres gottesdienstlichen Gebäudes auszeichnen. „Anspruch machend auf directe Abstammung von Abraham, Isaak und Jakob, sind die Falaschas stolz auf den Ruhm ihrer Vorvordern und auf die Reinheit des Bluts, das in ihren Adern kreist. Zwischenheirathen mit Mitgliedern eines andern Stammes oder Glaubens sind strenge untersagt, ja selbst der Besuch des Hauses eines Ungläubigen ist eine Sünde, und unterwirft den Uebertreter der Strafe einer gänzlichen Reinigung und einer vollständigen Aenderung der Kleidung, ehe er wieder in seine eigene Behau^ sung eintreten kann. Ihr strenger zu keinem Ausgleich sich herbeilassender Sectengeist ist in hohem Grade wohlthätig gewesen, dadurch daß er aus ihrer Gemeinschaft jene zügellose Lasterhaftigkeit verbannte, welche alle andern Einwohner Äthiopiens kennzeichnet, und man gibt im allgemeinen zu, daß Männer und Frauen Falaschas selten, wenn je, vom Pfade der Tugend abweichen, oder das feierliche Gesetz der zehn Gebote übertreten. Die Falaschas muntern nicht zu frühzeitigen Heirathen auf; das für Männer hiezu bestimmte Alter ist zwischen zwanzig und dreißig, das für Mädchen zwischen fünfzehn und zwanzig Jahren. „Ein einmal eingegangenes Verlöbniß kann keine priesterliche Gewalt je mehr umstoßen." Sie verwerfen die Polygamie, und halten ihre Weiber und Töchter nicht hinter Mauern verborgen. Sie bringen Sühnopfer dar an ihren Altären; ihre Gotteshäuser sind in drei Abtheilungen gebaut, mit einem von Osten offenen Eingang. „Musterhaft in ihrem sittlichen Betragen, reinlich in ihren Gewohnheiten und andächtig in ihrem Glauben, sind die Falaschas auch industriös in ihren täglichen Geschäften und in ihren Lebensberufen. Feldwirthschaft und einige einfache Gewerbe — als Schmiede, Töpfer und Weber — bilden die einzigen Beschäftigungen in die sie sich einlassen; Handel verwerfen sie einmüthig als unverträglich mit ihrem mosaischen Glauben, und es ist eine auffallende Erscheinung, nicht einen einzigen Handelsmann unter einer Viertelsmillion Israeliten zu finden. Psalm 146. ^D,obet Gott! laß, Herz, sich schwingen >NAHimmelan den Lobgesang! Ja, ihn preisen und ihm singen Will ich froh mein Lebelang. Setzet niemals eu'r Vertrauen In ein krongeschmücktes Haupt; Wollet nie auf Menschen bauen, — Schnell sind sie der Macht beraubt. Ach! wie bald enteilt ihr Leben Und sie geh'n zum Staub zurück. Hin ists dann mit ihrem Streben, Hin mit ihrem Ecdenglück. Heil dem Mann, der Jacobs Veste Macht zu seiner Zuversicht, Der vom Ew'gen hofft das Beste, Das, woran es ihm gebricht. Seine Machtgebote riefen Einst hervor, das Himmelszelt, Und die Erde und die Tiefen, Und die Fülle seiner Welt. Wahr ist er in allen Zeiten, Ist ein Retter in der Noth, Dem Bedrängten hilft er streiten, Reicht den Hungrigen das B-ot. Gott befreit, wen Fesseln drücken, Gott verleiht den Blinden Licht, Gott läßt, wer gebeugt, aufblicken, Gott verstößt die Frommen nicht. Fremde schützt der Herr voll Gnade, Hilft, wenn Waisen, Wittwen fleh'n Doch verkrümmt er deren Pfade, Die nur nach dem Unrecht späh'n. Ewig wird dein Herrscher währen Zion! Singet ihm zu Ehren! Lreslau. Herrmunn VVarsekLuer, stuä. M!. (Hierbei eine Beilage.) Verantwortliche Redaktion von vr. Lehmann. — Verlag der Le Roux'fchrn Hofbuchhandlung. — Druck von I. GottSlebeu in Mainz.

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